THE TALLY HO "READ ALL ABOUT IT!"
DVD RÜCKBLICK

TV RÜCKBLICK ZUR PREMIERE 1969
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"MISTER SECHS WILL NICHT KÜSSEN"
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ZDF-ANSAGE
TV RÜCKBLICK
WAS WURDE...
VILLAGE BOOKSHELF - LITERATURHINWEISE

THE TALLY HO WAS WAR... CHRONIK 1969
THE TALLY HO WAS WAR - WAS FEHLT... THEMEN 2009
THE TALLY HO WAS IST BESONDERS AN NUMMER 6?
THE TALLY HO WHAT'S SPECIAL ABOUT...? DePAUW UNIVERSITY
THE TALLY HO AKTENABLAGE - NICHT REALISIERTE EPISODEN
ARNO BAUMGÄRTEL IM DORF - EINE LINGUISTISCHE LANDPARTIE

ARNO BAUMGÄRTEL NUMMER 6 M.A.

ARNO BAUMGÄRTEL REISEBILDER AUS WALES

ARNO BAUMGÄRTEL THE AMC PRISONER (2009) MINISERIE

ARNO BAUMGÄRTEL, MICHAEL BRÜNE DIE DEUTSCHE DVD
ARNO BAUMGÄRTEL, B. FRANK AUF DIE REIH GEBRACHT # 1

TOBIAS BECKER ZIRKULÄRE REALITÄT

FRANK T. BITTERHOF DIE OFFENBARUNG - THE PRISONER ALS BLU-RAY

MICHAEL BRÜNE AUF DIE REIH GEBRACHT # 2

ROBERT FAIRCLOUGH POP UND POLITIK

HOWARD FOY ES WAR EINMAL EIN TRIP...

B. FRANK McGOOHAN & BOND

GUILLAUME GRANIER SCHÖNER TAG! - SPÄTER REGNET ES.

LARRY HALL ORSON WELLES: DER PROZESS

LARRY HALL WHAT IT MEANS, NOT WHAT IT SAYS
MAX HORA, ROGER LANGLEY 6 PRIVATE - DAS HAUS VON NUMMER SECHS

HARALD KELLER WIR SEHEN UNS - WIEDER

HARALD KELLER NUMMER SECHS

ROGER LANGLEY PORTMEIRION (ZEIT-) REISE

ROGER LANGLEY PRISONER'S PORTMEIRION

ROGER LANGLEY BÜHNENSTÜCK -
SET PIECE
ROGER LANGLEY WARUM HABEN SIE SICH ZURÜCKGEZOGEN?

KEVIN PATRICK MAHONEY DER ANARCHISCHE PRISONER

PATRICK McGOOHAN RUHM WIRD MICH NIE ZUM GEFANGENEN MACHEN

RICK McGRATH 35th ANNIVERSARY DVD-SET

CHRIS RODLEY DAS EISBERG-SYNDROM

WARNER TROYER INTERVIEW PATRICK McGOOHAN

CHRISTOPH WINDER ICH BIN KEINE NUMMER, ICH BIN EIN MENSCH

 

The Prisoner Nu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mmer 6

FRANK T. BITTERHOF
BLU-RAY: DIE OFFENBARUNG
ROBERT FAIRCLOUGH

POP UND POLITIK
HOWARD FOY

ES WAR EINMAL - EIN TRIP
GUILLAUME GRANIER

SCHÖNER TAG! - SPÄTER...
LARRY HALL

DER PROZESS
WHAT IT MEANS...
HARALD KELLER

WIR SEHEN UNS - WIEDER
NUMMER SECHS
NOWHERE MAN
ROGER LANGLEY

PRISONER'S PORTMEIRION
SET PIECE - BÜHNENSTÜCK
6 PRIVATE
KEVIN P. MAHONEY

DER ANARCHISCHE PRISONER
RICK McGRATH

35TH ANNIVERSARY DVD
WARNER TROYER
McGOOHAN-INTERVIEW
CHRISTOPH WINDER

ICH BIN KEINE NUMMER

 

SPEEDLEARN

 
 

 

40 JAHRE NUMMER 6

DEUTSCHE FERNSEHPREMIERE

Zu einer zeit, als fernsehansagerin für nicht wenige ein traumberuf war, wurden die zuschauer des Zweiten Deutschen Fernsehens vor jeder

episode vom 16. August 1969 bis 25. April 1970 mit den folgenden einleitenden informationen bedacht.

Verehrte zuschauer!

Nummer Sechs war ein hoher agent des britischen geheimdienstes. Zornig und ohne angabe von gründen, kündigt er eines tages. Kurz darauf wird er betäubt und entführt.

In einem idyllisch gelegenen, namenlosen städtchen erwacht er in einem komfortabel eingerichteten haus. Rasch merkt er, dass er ein gefangener unter gefangenen ist, wobei bewacher und häftlinge kaum voneinander zu unterscheiden sind.

Man gibt ihm den namen Nummer Sechs. Geleitet wird das system von Nummer Zwei, hinter der aber noch eine anonyme Nummer Eins steht.

Nummer Sechs erfährt den grund seiner entführung: Er soll verraten, warum er aus dem geheimdienst ausgeschieden ist.

Aus unserer etwas aus dem rahmen fallenden agentenserie NUMMER 6 zeigen wir Ihnen nun die episode... "Die Ankunft".

CHRONIK 1969...
WEITERFÜHRENDE LINKS...

NUMMER 6 im spiegel zeitgenössischer fernsehzeitschriften zur erstausstrahlung 1969 im ZDF

Feststellung 1: "Nummer Sechs" in zeitschriften, "Nummer 6" im serienvorspann; Feststellung 2: Patrick McGoohan war als John Drake - im gegensatz zu heute - auch in Deutschland ein begriff, eine marke. Feststellung 3: Offene worte in der HörZu wegen der späten sendezeit im ZDF. Feststellung 4: "In Farbe" gesehen haben die serie damals wahrscheinlich nicht viele.

Man kann nicht behaupten, NUMMER 6 bzw. NUMMER SECHS, wie in den meisten fernsehzeitschriften zu lesen, habe bei der deutschen fernsehpremiere 1969 keine presse gehabt, im gegenteil. Patrick McGoohan war hierzulande durch seine in den

QUELLENSTUDIUM: HÖRZU 16.08.1969
TAGESPROGRAMM ZUR VERFÜGUNG
GESTELLT VON HEIKE NAU

frühen 60er jahren im vorabendprogramm gelaufene serie GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE (mehr...) wohlbekannt und beliebt. In 32 nicht einmal halbstündigen episoden hatte Drake "kitzlige" jobs im auftrag der NATO übernommen und stets mit viel köpfchen gemeistert. Dass es noch über 50 weitere und mit rund 50 minuten laufzeit deutlich längere episoden gab, davon wusste das deutsche publikum gar nichts, denn davon hatte man ganze acht synchronisiert, die

im abendprogramm gesendet wurden. Das vermittelt jedoch eine ahnung der enormen popularität, die McGoohan damals in Großbritannien und den USA genoss und noch heute genießt.

HÖRZU - RÜCKZUG: "IMMER MEHR FERNSEHSTARS WEIGERN SICH,
SERIENROLLEN ZU SPIELEN."
- WIE SICH DIE ZEITEN ÄNDERN:
FILMSCHAUSPIELER WECHSELN INS FERNSEHSERIENGESCHÄFT UND
GRÜNDEN NEUE FORMATE, BEISPIEL GARY SINISE UND WILLIAM PETERSEN
MIT CSI ODER KIEFER SUTHERLAND MIT 24
(mehr...).

Schon in den frühen 60er jahren war McGoohan als anwärter für den job des James Bond gehandelt worden (mehr...). Er lehnte

KRIMI, SCIENCE-FICTION, UTOPISCH, ZUKUNFTSABENTEUER -
WAS IST DENN NUMMER 6 NUN? HÖRZU 16.08.1069: NUMMER SECHS
EINE "UTOPISCH-SURREALISTISCHE ABENTEUERSERIE"

die rolle (nach diversen quellen sogar zweimal) aus moralischen gründen ab bzw. gab (wenig überzeugend) an, er habe mit einem beteiligten schauspieler nicht zusammenarbeiten können. Wie bekannt, interpretierte daraufhin Sean Connery die rolle des agenten mit der doppel-null. Und als McGoohan nach über 50 DRAKE-auftritten dieser stereotype überdrüssig war, ersann er unter verwendung der chiffre 6 (mehr...) in gewisser weise nicht nur die beerdigung des agententums, sondern auch seinen eigenen abgang als fernsehstar, rückzug (aus der öffentlichkeit) als zentrales handlungsmotiv der neuen serie inbegriffen.

UNBEKANNTE QUELLE: THE PRISONER ALS "KRIMINALSERIE"

Dass die neue serie mit dem originaltitel THE PRISONER (bei allen durchaus nicht zufälligen ähnlichkeiten) jedoch nicht, wie von den meisten erwartet, ein spionage- und agentengarn bzw. eine fortsetzung im stile von JOHN DRAKE war, wollte ursprünglich niemand wissen.

In der hiesigen presse wurden vor dem deutschen start mitte August 1969 die reaktionen der britischen öffentlichkeit nach der letzten folge, etwa ein jahr vor der deutschen ausstrahlung, verhandelt. Und die waren verheerend gewesen. So hatte McGoohan vor dem britischen fernsehstart 1967 die anwesenden journalisten - mehr happening denn pressekonferenz - in rätselhafter teils kosaken-, teils cowboy-kostümierung und hinter gefängnisgittern empfangen und, anstatt ernsthaft über seine neue produktion zu plaudern, sie mit kryptischen statements abgespeist, sodass diese nur den kopf schüttelten oder sich vor denselben gestoßen vorkamen. Von dieser veranstaltung müssen auch filmaufnahmen existiert haben, auf fotos ist ein kameramann zu sehen. Die sind jedoch bis heute nicht wieder ans licht der öffentlichkeit gekommen.

Nachdem auf der insel die letzte folge gelaufen war, wurde der fernsehsender ITC belagert, presse und zuschauer reagierten mit unverständnis, hohn und spott, fühlten sich betrogen und ließen ihrem unmut über den ausgang der serie und die (nicht-) auflösung aller geheimnisse - wer ist Nummer Eins?, die gründe seines rückzugs vom dienst, gelingt Nummer Sechs die flucht? - freien lauf. McGoohan sah sich anfeindungen enttäuschter fans gegenüber, zog seine konsequenz daraus, schottete sich noch stärker ab und ging samt familie zunächst in die Schweiz und schließlich in die USA, wo er bis zu seinem tod lebte (mehr...).

PRESSEKONFERENZ 1967 DER STAR IM KOSAKEN-OUTFIT BITTET ZUM BÜFFET

GONG 16.08.1969

Geschichten über McGoohans "schwierige persönlichkeit" während der dreharbeiten, eine gewisse egozentrik, sein wählerischer umgang mit schauspielern machten die runde. Die tatsache, dass er hauptdarsteller, produzent, drehbuchautor und regisseur in personalunion war und nicht zuletzt sein hang, alles unter seine kontrolle zu bringen, wurden ihm nicht zum vorteil ausgelegt und waren beweis dafür, dass er überambitioniert sein musste.

BILD UND FUNK: "WIEDERSEHEN MIT EINEM ALTEN BEKANNTEN:
JOHN DRAKE ... IN UNREGELMÄSSIGEN ABSTÄNDEN

Der mit THE PRISONER erlittene schiffbruch führte zu McGoohans finanziellem ruin, die firma Everyman Films wurde liquidiert. Auch das schürte gerüchte. Ungeschickterweise äußerte er sich in interviews auch noch abfällig über das fernsehen, dem er - gänzlich konservativer kulturpessimismus - molochtum und verflachung vorwarf, zugleich aber seine karriere verdankte. Dass er sich weigerte, in nach landläufiger meinung banalen, seiner ansicht nach aber "unmoralischen" szenen vor der kamera aufzutreten, und sei es nur, verschiedene frauen zu küssen oder auch agententypisch mit der knarre zu hantieren, war für kritiker ein gefundenes fressen und gelegenheit, in teils hämischen oder gehässigen artikeln den vermeintlichen saubermann bloß- und die eigene überlegene moral auszustellen.

"KRIMINALSERIE" NUMMER 6? ABER GUT ERKANNT VON BILD UND FUNK, SEPT. 1969:
EINE SERIE, "DIE SICH AN EINE BESTIMMTE INTERESSENGRUPPE WENDET" -
WARUM DIESE "GROSSARTIGE SPEZIALKOST" NICHT FRÜHER AM ABEND?

"Mister Sechs will nicht küssen" - mit diesem aufmacher sprang die fernsehzeitschrift HörZu in der woche unmittelbar vor dem deutschen serienstart etwas anzüglich anscheinend auf den zug der verdammnis auf, um im nachfolgenden artikel durchaus sachlich den misserfolg von THE PRISONER im königreich zu erörtern; es sei "gar nicht so sicher, ob Patrick daran schuld ist. Er tat, was er konnte, aber das publikum, amüsiert durch hekatomben von fernsehleichen, abgebrüht durch meere von atelierblut, war nicht willens, geistige folter mitanzusehen." Er habe sich, so McGoohan selbstkritisch, seinem publikum nicht verständlich gemacht, und der Daily Express legte nach: "Etwas unverzeihlicheres als unverständlich zu bleiben, gibt es nicht".

Immerhin, die HörZu stimmte nicht ein in den chor der nörgler und verfechter bequemer seriengewohnheiten, sondern wagte ein vorsichtiges plädoyer für die intellektuelle herausforderung: "Und das Zweite Deutsche Fernsehen, das die "Nummer sechs"-Serie in Deutschland bringt, läßt den ex-agenten, die "Nummer sechs", erst eine stunde vor mitternacht aus dem kasten. Denn genuß ohne reue wird diese serie nur dem bieten, der neben dem bett das fernsehgerät als das wichtigste möbelstück ansieht" (dieser artikel im wortlaut, mehr...). So viel zum thema populäre kultur, in Deutschland.

GONG 02.05.1970: JOHN DRAKES SCHWIERIGSTER FALL "DIE SERIEN-ROLLE STEMPELTE McGOOHAN ZUM AGENTENSPIELER AB"

Im April 1970, nachdem die letzte episode "Demaskierung" im ZDF gelaufen war, befand der Gong, ebenfalls unter dem banner des "K"-faktors": Vom Küssen will er nicht viel wissen" über den relativen misserfolg der serie, jedoch auch zurückhaltend: "...so stellte sich John Drakes schwierigster fall erst, als alle 'geheimaufträge' längst erfüllt waren. ... so dachte er sich die psychologisch untermauerten geschichten um den gefangenen 'Nummer sechs' aus, mit denen er sein persönliches anliegen zur diskussion stellen wollte: Den protest gegen die entmenschlichung der gesellschaft, in der die menschen immer mehr zu bloßen nummern werden. ... Der erfolg der 'aktion' des schauspielers Patrick McGoohan, so verlautet aus seiner umgebung, habe sich 'in grenzen' gehalten und sich bisher keinesfalls in klingender münze ausgezahlt."

"DAS GROSSE RÄTSEL UM 'NUMMER SECHS' - WIRD ER DEN DEUTSCHEN GEFALLEN?" FRAGTE DIE FUNKUHR AM 16.08.1969 UND MEINTE: NEIN

Weitaus nüchterner gab sich die zeitschrift Funkuhr in der ausgabe vom tag des serienstarts. "Mit pauken und trompeten durchgefallen" sei er ja bereits beim englischen publikum. Das unverständnis quillt förmlich aus den zeilenzwischenräumen, wenn McGoohan gegen sich selbst zitiert wird ("haufen mist"), und der bericht schließt: "Vielleicht kapieren die deutschen zuschauer (die serie)"; und meinten McGoohans 16-jährige tochter, die es angeblich auch nicht konnte. In einer späteren ausgabe (19/1970) bekommt auch noch das ZDF eins übergebraten: "Völlig danebengegriffen aber haben die ZDF-planer mit der britischen serie 'Nummer Sechs'. Hier wird der agenten-unsinn auf die spitze getrieben!" So ein urteil hätte man auch leicht über manche episode von, zum beispiel, SOLO FÜR O.N.K.E.L. fällen können.
Befeuert wurde diese antiposition nicht zuletzt durch McGoohans verweigerungshaltung gegenüber der (presse-) öffentlichkeit und einer willigen selbstinterpretation seines werkes.

BILD UND FUNK 16.08.1969: "DRAKES NEUE ROLLE - SEIN ANLIEGEN:
DIE FREIHEIT DES INDIVIDUUMS" - DIE ABBILDUNG ZEIGT EINE SZENE AUS
DER EPISODE "FREE FOR ALL", DIE ES DAMALS AUF DEUTSCH GAR NICHT GAB

Der reichlich späte und zudem äußerst unregelmäßige sendetermin (mehr...) für NUMMER 6 wird dagegen in diversen presseartikeln kritisch vermerkt. Angst vor der eigenen courage nennt man das wohl, oder eher traute man beim damals noch weit von "seniorensender"-image entfernten ZDF dem eigenen publikum nichts zu?

Kein thema wert ist der deutschen presse die tatsache, dass und warum man von der ohnehin ungewöhnlichen anzahl von 17 episoden und bei faktisch nicht vorhandenem sendeschema für dasselbe nur 13 synchronisiert hatte - und welche nicht, und warum gerade die nicht. Da rabiate kürzungen und streichungen sowie die simplifizierung von vor- und abspännen bei fernsehserien bis weit in die 80er und 90er jahre hinein völlig normal war, nicht weiter verwunderlich.

Übliche praxis bei einigen fernsehzeitschriften war es, dem publikum in den textankündigungen nicht nur die englischen, sondern auch die deutschen episodentitel vorzuenthalten und durch eigene interpretierende schöpfungen zu ersetzen. Der Gong etwa ließ die episodentitel bei der erstsendung 1969 ganz weg, bei der wiederholung 1972 lautete der selbstgemachte titel der episode "Pas de deux" dann "Sieg oder Niederlage?" und für "Hammer oder Amboss" stand 1972 "Gejagter Jäger". Die Bild und Funk machte aus "Die Anklage" "Gefangener wird vor Gericht gestellt", aus "A, B und C" "Geständnisse im Narkoseraum?", aus dem ohnehin sprechenden titel "Schachmatt" das erläuternde "Schachspiel mit lebenden Figuren", und stellvertretend für seine leser fieberte der redakteur zur erstausstrahlung der letzten folge "Demaskierung" mit: "Letzte Folge: Endlich wieder frei", bei der 72er wiederholung dann "Wieder eine Persönlichkeit". Alle klarheiten beseitigt?
Was den textredakteuren recht war, konnte den bildredaktionen da nur billig sein, sie druckten wiederholt szenenbilder aus "Free For All", die episode, die es auf deutsch gar nicht gab, einfach zu anderen episoden, merkt ja niemand.

BRAVO: "PATRICK McGOOHAN, DER ALS 'JOHN DRAKE' VIELE FANS
GEWANN. WARUM DARF DIESER TOPSTAR ERST ZU SO SPÄTER
STUNDE AUF DEN BILDSCHIRM?"

Als 1972 die olympischen sommerspiele in München stattfanden, wiederholte das ZDF in einem mutigen schritt und als bewussten kontrast sieben episoden der "surrealistischen agentenserie" (HörZu) NUMMER 6. Geplant waren acht, die achte entfiel jedoch nach dem anschlag auf die israelische olympiamannschaft durch palästinensische terroristen. Wieder war es die HörZu, die eine lanze für die serie brach und den sender lobte: "... den misserfolg der serie in Amerika mutig missachtend ... gerechnet hatte mit dieser wiedergeburt keiner. Denn 'Nummer Sechs' hatte vor zwei jahren zu später stunde nur wenige zuschauer erreicht. Allerdings waren diese hellauf begeistert... Sie bombardierten den sender mit bitten um wiederholung." Semper aliquid haeret. Und die perlentaucher traten erst allmählich auf den plan. Ohne das randständige schließlich gäbe es auch diese website nicht.

BRAVO 08.09.1972
OLYMPIA-KONTRAST IM ZDF: NUMMER-6-EPISODE 'PAS DE DEUX'

Hatte man also in Deutschland die qualitäten des formats frühzeitig erkannt? Genützt hat es jedenfalls nicht allzu viel. McGoohans wie auch die popularitätskurve von NUMMER 6 sanken danach rapide. Die erste wiederholung 1986 auf dem neu gegründeten privatkanal Sat.1 fand zu einem zeitpunkt statt, als die neuen stationen froh über jedes sendefähige material waren und praktisch unter ausschluss der öffentlichkeit nur im kabelfernsehen. Anfang der 90er jahre erhielt die serie mit den wiederholungen auf ProSieben (damals Pro7) noch einmal einen kleinen schub, der jedoch in der mittlerweile viel bunter gewordenen und unübersichtlicheren fernsehlandschaft unterging. Zumindest konnte, wer vorinformiert war, hier seine erinnerungen auffrischen und, wesentlicher unterschied zu 1969/72, NUMMER 6 erstmals auf video archivieren.

In Großbritannien dauerte es immerhin bis 1976/77, bis THE PRISONER nach der ersten landesweiten fernsehwiederholung aufmerksamkeit erregte und der sender die anschrift eines gewissen Dave Barrie veröffentlichte, der einige zeit darauf die Prisoner Appreciation Society SIX OF ONE ins leben rief (mehr...).

Sehr nett ist die begründung des ZDF für die erneut späte sendezeit: Die leute seien bei Olympia ohnehin länger wach, aber dafür sei die wartezeit zwischen den episoden nun kürzer, zitat: "Davon kann dieses mal die serie profitieren."

HÖRZU AUGUST 1972: WIEDERHOLUNG VON 7 FOLGEN IM ZDF -
DIE QUALITÄTEN DER SERIE FRÜH ERKANNT UND EINE
PROGRAMMATISCHE ÜBERSCHRIFT: "NEUE CHANCE FÜR 'NUMMER SECHS'"

Auf ein wort! Neue chance für NUMMER 6: Eine wiederholung auf deutschen fernsehschirmen hätte die serie im 41. jahr ihrer entstehung nötiger denn je. Auch wenn sich die zeiten und sehgewohnheiten gegenüber 1969 gewaltig verändert haben und fernsehen nurmehr eine unterhaltungs- und freizeitbeschäftigung unter vielen anderen ist. Der popularität würde eine wiederholte ausstrahlung (im frei empfangbaren fernsehen) auf jeden fall gut tun. Nach allem, was bekannt ist, wird sie vom ZDF nicht zu erwarten sein. Eigentlich schade, denn senioren sind wir doch (fast) alle...

MELDUNG IN DER EHEMALIGEN SIX-OF-ONE-MITLGIEDERZEITSCHRIFT
NUMBER SIX NR. 26, 1991, ÜBER EINE DER PRO7-WIEDERHOLUNGEN VON NUMMER 6

Zum tod Patrick McGoohans am 13.01.2009, knapp zwei monate vor seinem 81. geburtstag, brachte das ZDF leider nicht mehr als eine standard-agenturmeldung zustande. Mehr...

Rückblick: Aus zeitgenössischen TV-zeitschriften - mehr...

BIS HEUTE VERSCHOLLEN GEBLIEBEN: FILMAUFNAHMEN VON DER
1967er ITC-PRESSEKONFERENZ ZUM START DER SERIE THE PRISONER

WAS WAR, WAS WURDE: 1969
EINE
(UNVOLLSTÄNDIGE) CHRONIK

3.1. Die krimiserie DER KOMMISSAR mit Erik Ode in der hauptrolle läuft erstmals im ZDF und wird ungeachtet stereotyper dialoge und handlungsabläufe, markenzeichen ihres drehbuchschreibers Herbert Reinecker, zum zuschauerhit. Der schuf später mit DERRICK eine sehr ähnlich geartete dauerserie.
15.1. Barry Ryans song "Eloise" führt die deutschen charts an.
18.1. Die ZDF-Hitparade, moderiert von schnellsprecher Dieter Thomas Heck, wird zum ersten mal ausgestrahlt. Abonniert auf deutschsprachige interpreten, denen man mit der charakterisierung "schlagerfuzzies" nicht zu nahe tritt, brachte es die sendung zeitweilig bis auf über 27 prozent zuschaueranteil; kein wunder natürlich bei nur zweieinhalb empfangbaren deutschen fernsehprogrammen. Sie entschlief endgültig im jahr 2000 nach dem absacken ins quotennirvana.
20.1. In Washington wird Richard M. Nixon (1913-1994) als Präsident der USA nachfolger von Lyndon B. Johnson. Unrühmlichster teil seiner amtszeit war der missbrauch von amtsvollmachten und die berühmt gewordene bespitzelung von politikern der Demokratischen Partei mittels eines von ihm veranlassten einbruchs ins Watergate Building. Die "Watergate"-affäre führte 1974 zur amtsenthebung Nixons.
5.3. In West-Berlin wird der SPD-politiker Gustav Heinemann zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt.
23.3. Beatle John Lennon (1940-1980) und seine Frau Yoko Ono (geb. 1933) inszenieren in Amsterdam ein siebentägiges "bed-in", um für den frieden in der welt zu demonstrieren.
6.4. In den USA demonstrieren tausende von bürgern im rahmen der anti-Vietnam-märsche am Osterwochenende gegen den krieg in Vietnam.
24.5. Zwei tage vor ablauf der bundesligasaison steht der FC Bayern München als Deutscher Fußballmeister fest (das kenn' ich doch...)
15.6. Der Gaullist Georges Pompidou (1911-1974) wird zum neuen französischen präsidenten gewählt.
27.6. Während der sommerferien gilt erstmals in der Bundesrepublik ein wochenendfahrverbot für LKW, damit besonders die autobahnen zugunsten des ferienverkehrs entlastet werden.
20.7. Um 21.17 Uhr mitteleuropäischer zeit landet die US-amerikanische landefähre "Eagle" (Adler) auf dem Mond. Um 3.56 Uhr MEZ setzt Neil Armstrong als erster mensch den fuß auf die mondoberfläche. "That's a small step for a man, one giant leap for mankind" ("Ein kleiner schritt für einen menschen, aber ein gewaltiger sprung für die menschheit") sind seine im voraus festgelegten ersten worte.
6.8. Der philosoph und soziologe Theodor W. Adorno ("Ästhetische Theorie", "Minima Moralia", "Negative Dialektik") stirbt in Brig/Schweiz. Gemeinsam mit Max Horkheimer hatte er im exil in den USA während des 2. Weltkrieges die "Dialektik der Aufklärung" verfasst. Nach dem krieg begründeten sie das Institut für Sozialforschung an der Frankfurter universität neu. Durch seine theoretischen schriften wurde Adorno zum begründer der sog. "Frankfurter Schule", eher ungewollt avancierte er zu einem der intellektuellen wegbereiter der studentenbewegung in Deutschland.
14.8. Bundesdeutscher kinostart von Sergio Leones film C'ERA UNA VOLTA IL WEST - besser bekannt als SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD.
16.8. Die britische fernsehserie THE PRISONER wird vom ZDF erstmals unter dem deutschen titel NUMMER 6 (auch: NUMMER SECHS) ausgestrahlt. Von 17 episoden wurden 13 synchronisiert. "Oh Happy Day" von den Edwin Hawking Singers führt die hitparade in der vorwoche an; in der woche danach ist es Elvis Presley mit "In the Ghetto".
17.8. Auf dem grundstück von Max Yasgur im US-bundesstaat New York geht das Woodstock-Festival zu ende, ein stelldichein aller musikbands von rang und namen wie Canned Heat, The Mamas and the Papas, The Who, Santana, Jefferson Airplane, Crosby Stills Nash & Young, Jimi Hendrix u.v.a. 60.000 besucher hatte man zu dem dreitägigen open-air-konzert - motto: "3 days of peace and music" - erwartet; gekommen waren zwischen 400.000 und 500.000. Trotz regen, fehlender sanitärer einrichtungen und mangel an nahrungsmitteln wird das konzert zu einem großen erfolg und zum inbegriff der "flower-power-bewegung". Chefcutter des gleichnamigen kinofilms war ein gewisser Martin Scorsese.
28.9. Bei den wahlen zum 6. Deutschen Bundestag erhalten die CDU/CSU 46,1 prozent, die SPD 42,7 prozent und die FDP 5,8 prozent der stimmen. Die NPD scheitert fünfprozent-hürde.
21.10. Willy Brandt (SPD) wird zum Bundeskanzler einer sozial-liberalen koalitionsregierung gewählt, Walter Scheel (FDP) wird vizekanzler und außenminister. In seiner regierungserklärung kündigt Willy Brandt das umfangreichste reformprogramm der deutschen nachkriegsgeschichte an ("mehr demokratie wagen"). Politisch am erfolgreichsten war er in der gestaltung der deutschen ostpolitik, vor allem im verhältnis zur DDR. Brandt trat 1974 (vermutlich auf druck seiner eigenen fraktion) überraschend vom amt zurück und Helmut Schmidt wurde Bundeskanzler.
15.11. Die proteste gegen die US-amerikanischen interventionen in Vietnam finden in einer massendemonstration in Washington ihren höhepunkt.
28.11. Die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnet den atomwaffensperrvertrag.
1./2.12. Auf der konferenz der staats- und regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft (EG) in Den Haag wird einigkeit über einen gemeinsamen markt erzielt. Frankreich stimmt einer erweiterung der EG zu. "Come Together" von den Beatles steht an der spitze der deutschen hitparade.
6.12. Woodstock ist tot: Die euphorische erwartung, dass lediglich liebe unter den menschen zu einer besseren welt führen werde, erhält einen herben dämpfer, als beim Altamont Free Concert in den USA vor den augen der gerade auf der bühne spielenden Rolling Stones ein schwarzer von einem mitglied der sicherheitskräfte, mitglied der "Hell's-Angels", niedergestochen wird, weil er mit einer waffe in der hand gegen deren hartes vorgehen protestierte. Das konzert geht weiter. Der vorfall ist in dem film GIMME SHELTER festgehalten und dokumentiert worden.
20.12. Die familienspielshow "Wünsch Dir was" unter der moderation von Dietmar Schönherr (bekannt geworden als Commander McLane in der serie RAUMPATROUILLE) und seiner ehefrau Vivi Bach wird erstmals ausgestrahlt. Einen mittleren skandal in der regenbogenpresse entfachte die halbdurchsichtige bluse einer der teilnehmerinnen. Spektakulär und hitzige debatten provozierend war ein in einem wasserbassin versenktes auto mit einer familie darin.
Ach ja... der liter normalbenzin kostet 0,582 D-Mark.

Quellen: Deutsches Historisches Museum, www.dh.de; www.jahr1969.de, sonstige

Die Jupiter Film und Heimatdruck Ges. m.b.H. in Wien wurde vom Zweiten Deutschen Fernsehen, ZDF, mit der herstellung der deutschen fassung von THE PRISONER beauftragt. Die studioaufnahmen fanden in München, vermutlich bei der firma Beta Technik (mehr...) statt.

Die deutsche reihenfolge ist dabei sehr unerforschlich eigen. Mit "großem blick fürs ganze" (Tobias Becker) sorgte Joachim Brinkmann für die übersetzung von 13 ausgewählten episoden ins deutsche und führte auch regie bei den synchronaufnahmen. Es ist nicht bekannt, ob er auch für gerade diese episodenauswahl verantwortlich war.

 

Rückblick: Aus zeitgenössischen TV-zeitschriften - mehr...

Michael Brünes transskript der ersten episode "Die Ankunft"

Interview: Patrick McGoohan im gespräch mit Warner Troyer

Harald Keller: Wir sehen uns - wieder!

Christoph Winder: Ich bin keine Nummer, ich bin ein Mensch

Hans Schmid in Telepolis: Die Welt ist ein Dorf

Erste vollständige deutsche DVD-edition von Koch-Media

Überblick über alle episoden mit kurzcharakterisierung

Joachim Brinkmann, dialogregisseur der ZDF-fassung

Das prisonereske in fernsehserien

Sendezeiten der deutschen version

The Village - der Ort - Prisoner's Portmeirion, mehr...

Mehr informationen: The Tally Ho

Mehr informationen: Speedlearn

Nachlese Nr6DE III, mehr...

Abbildungen, ausschnitte aus fernsehzeitschriften aus der privatsammlung von Michael Brüne; mit besonderem dank an Heike Nau für das HörZu-tagesprogramm vom 16.08.1969

 

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