DO NOT FORSAKE ME,
OH MY DARLING
2:2=2

Drehbuch: Vincent Tilsley
Regie: Pat Jackson
deutsche episode nr. 8
deutsche erstsendung: ZDF 24.01.1970
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Produktionsbedingte verzögerungen führen zu unterschieden in der US- und
GB-reihenfolge. Die deutsche weicht wiederrum und ohne ersichtlichen grund davon ab.
Die listung der episoden
entspricht der sog. englischen standard-reihenfolge.
Handlungslogisch betrachtet erfordern die episoden von NUMMER 6 keine zwingende abfolge. In praktisch allen ländern, in denen NUMMER 6 lief, gab es eigene reihenfolgen.

Mehr zur episodenreihenfolge...

 

 

 

EPISODENINHALT

Durch einen persönlichkeitstransfer findet sich Nummer Sechs' bewusstsein im körper eines anderen mannes wieder. Da man den umkehrprozess nicht beherrscht, erhoffen sich die verantwortlichen von Nummer Sechs, der den erfinder Prof. Seltzman kannte, dessen aufenthaltsort zu erfahren. Nummer Sechs verlässt den Ort und fährt ins ausland.

PERSÖNLICHE WERTUNG: 13
Angesichts McGoohans abwesenheit während der produktion nicht so schlecht, wie vielfach beschrieben. Entsetzlich die Seltzmann'sche maschine samt umkehrprozess; hoffentlich als karikatur auf die aus Dr. Frankensteins labor gedacht. Alles in allem verschenkte möglichkeiten in dieser episode.

 

EPISODENWÜRDIGUNG

Die episode mit der poetischen überschrift "Do Not Forsake Me, Oh My Darling" bzw. der beinahe teutonisch exakten gleichung "2:2=2" trug ursprünglich den titel "Face Unknown". Diese episdoe trägt das stigma, dass sie von vielen kommentatoren geradezu verdammt wird als der letzte müll, mit schlechten produktionswerten und erbärmlicher schauspielerei; verständlich, aber doch nicht die ganze wahrheit.

Wer den (englischen) text aus dem song des Zinnemann-edel-westerns ZWÖLF UHR MITTAGS ins spiel brachte, ist nicht überliefert. Sehr wahrscheinlich spielten copyright-erwägungen eine rolle, denn die story wurde erheblich umgearbeitet, bevor sie das heute bekannte aussehen hatte.

Das bewusstsein von Nummer Sechs ist von beginn an im körper eines anderen mannes, gespielt von Nigel Stock. Die verantwortlichen im Ort wollen ihn mit dieser maßname zwingen, den erfinder der apparatur, Professor Seltzmann, aufzuspüren, der allein den umkehrprozess beherrscht. Darum muss Nummer Sechs nach Österreich fahren, wo Seltzman vermutet wird. Dass er zurückkommen wird, gilt als sicher.

EIN HAUCH VON BOND, JAMES BOND FINDET SICH HIER.
WER IST DER MANN MIT DEM "UNBEKANNTEN GESICHT" (URSPRÜNGLICHER TITEL)?
NUMMER SECHS TRIFFT SEINE EX-VERLOBTE IM
KÖRPER EINES ANDEREN MANNES - JEDE MENGE STOFF FÜR EIN DRAMA, ABER NICHT HIER.

Der autor der episode war Vincent Tilsley. Auf der Prisoner Convention 2003 berichtete er, er habe bei seinem skript ein eher ungutes gefühl gehabt. Denn hier galt es, eine überzeugende NUMMER-6-geschichte ohne den hauptdarsteller zu schreiben. Patrick McGoohan hielt sich in den USA auf, um sein Hollywood-debüt in dem John Sturges-film EIS STATION ZEBRA zu geben. Und intern wurde beschlossen, die serie nach 17 episoden zu beenden.

Die idee einer persönlichkeitsübertragung war ein sehr schwieriges unternehmen. Tilsley lieferte "2:2=2" ab in der hoffnung, dass er zur diskussion darüber eingeladen würde und man gemeinsam (mit Tomblin, Markstein, McGoohan?) einen verbesserten handlungsstrang entwickeln würde, der dann als resultat eine stimmige, gute episode hervorbrächte. Aber Tilsley hörte nichts mehr von den verantwortlichen. Er wusste auch nicht, ob sein skript verworfen worden war, oder ob man es ohne (notwendige) rücksprache einfach verfilmt hatte. Als er die ankündigung der ausstrahlung hörte und sich "seine" fertige epsiode im fernsehen ansah, erkannte er sich nicht mehr wieder.
McGoohan war damit total unzufrieden, und vermutlich wurde sie von David Tomblin "umgearbeitet". Dabei ging so viel von ihrer ursprünglichen substanz verloren, dass man sich gezwungen sah, den titel "Face Unknown" in "Do Not Forsake Me, Oh My Darling" zu ändern. Womöglich hatte Tomblin schon die nächste zu produzierende episode im kopf, bei der er auch selbst regie führen würde: die westernparabel "Harmony" (deutscher titel nach der erstsynchronisation durch Arte 2010).

Die quintessenz der handlung jedenfalls, die persönlichkeitsübertragung, ist so ziemlich das einzige, was von Tilsleys entwurf übriggeblieben ist. "2:2=2" ist auch die einzige episode, die mit einer sogenannten pre-credit sequence beginnt, ein bei serien beliebtes dramaturgisches mittel, um das fernsehpublikum anzureißen und über den vor dem eigentlichen serienvorspann folgenden werbeblock bei der stange zu halten. Und dieses intro ist wirklich gut, eines thrillers würdig und macht neugierig auf mehr. Darüber hinaus bietet die episode eine folge (zwar nur) archivaufnahmen von fahrten durchs europäische ausland, die dem ganzen aber durchaus ein großzügiges flair verleihen, ein hauch James Bond eben.
Die für den umkehrprozess benötigte maschine, die Nummer Sechs wieder in seinen eigenen körper schaffen soll, ist dagegen eher ein fall für den fundus von Edward Wood Jr. Mit wohlwollen betrachtet man sie als eine parodie auf allerhand science-fiction-trash. Ein zumindest merkwürdiges detail ist, dass der ansonsten als privatmensch völlig unbekannte Nummer Sechs verlobt sein soll, schon längere zeit, noch dazu mit Janet, der tochter seines ehemaligen vorgesetzten, der er nun im körper eines anderen mannes gegenübertritt. Leider wird vom drehbuch nichts daraus entwickelt, kein drama, außer dass Nummer Sechs Janet sich erst einmal, eher identifikatorisch, zu erkennen geben muss.

In einer früheren "Six-Of-One"-publikation wurde ein vergleich der skripte von "Face Unknown" und "Forsake" veröffentlicht. Danach war Tilsleys entwurf wesentlich besser als das jetzige produkt. Vieles drehte sich um Nummer Sechs' rücktritt vom dienst und den brief, den er bei der kündigung auf den tisch seines vorgesetzten knallt. Bei einer behandlung im Raum des Vergessens wird er an den tag seines rücktritts versetzt und erlebt im körper des Colonels, der bei Tilsley "Oskar" heißt, die wichtigen stunden, die ihn zu seiner gewissensentscheidung führten.
Eine ähnlich geartete regressionstherapie findet in der vorletzten folge "Pas de deux" im Embryoraum statt und wird zum zentralen punkt der handlung. Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass diese episode schon viele wochen vorher - von McGoohan selbst - geschrieben und produziert worden war; ein grund für die ablehnung?

Angesprochen auf den deutschen titel "2:2=2", war Tilsely darüber sehr erstaunt, fand aber die nichtfunktionierende gleichung schließlich gar nicht so abwegig, wie der titel auf den ersten blick vermuten lässt. Dennoch ließ er ein generelles unbehagen an dieser episode spüren, die eben nicht "seine" epsiode ist. Andererseits wird er seither als autor genannt, wird ihm diese Story zugeschrieben, und das ist mehr als nichts.

Recherche: Michael Brüne

Written by: Vincent Tilsley
Directed by: Pat Jackson

CONTENTS OF THIS EPISODE

A mind transfer switches Number Six' mind into the body of another man. Since the reverse process is still unknown it is hoped by those responsible thus to locate Prof. Seltzmann, the inventor of the device who was acquainted with Number Six. Number Six leaves the Village and travels abroad.

RANKED 13th:
Considering McGoohan’s absence during the production this episode isn't as bad as many described it. Quite awful the Seltzmann-machine and the reverse process, hopefully intended as a caricature on those out of Dr. Frankenstein’s lab. But overall an episode of many missed chances.

 

APPRECIATIVE EXAMINATION

The original title of this episode with its rather poetic headline "Do Not Forsake Me, Oh My Darling" or, respectively, that almost teutonically exact equation "2:2=2" was "Face Unknown". It's this episode's stigma it's ever been condemned by many commentators as being utter rubbish, with bad production values and wretched acting; somewhat understandable but it isn't the whole truth.

It is not known who brought in that (English) song textline from the Zinnemann noble western HIGH NOON. Probably copyright considerations played a role because the story underwent substantial reworking before the now familiar shape emerged.

From the start the mind of Number Six is in the body of another man, played by Nigel Stock. It is the intention of the Village responsibles to coerce Number Six into cooperation and to detect the inventer of that piece of machinery, Professor Seltzmann. He alone has the knowledge to perform the reverse process. So Number Six has to make his way to Austria where Seltzman is supposed to be living. It was taken for granted that the Prisoner would (be) return(ed) to the Village.

A TOUCH OF BOND, JAMES BOND HERE. WHO'S THE MAN WITH THE "FACE UNKNOWN"
(ORIGINAL TITLE)? NUMBER SIX, IN THE BODY OF A DIFFERENT MAN,
ENCOUNTERS HIS EX-FIANCÉE - A TRUCLKOAD FULL OF POTENTIAL DRAMA, BUT NOT HERE.

Vincent Tilsley was the author of this episode. During the 2003 Prisoner Convention he told about the way his script was handled and that he had had mixed feelings about it. The task, in this case, was to create a convincing PRISONER story without having the principal actor present. Patrick McGoohan was in the USA for his Hollywood debut movie, the John Sturges film ICE STATION ZEBRA. Back home it was decided to end the series after the completion of 17 episodes.

The idea of a mind transfer was a hard undertaking. Tilsley delivered the script of "Forsake" hoping he'd receive an invitation to a discussion about it (together with Tomblin, Markstein, McGoohan?) in order to get the threads and the whole story improved. As a result he hoped to achieve a conclusive episode. But nothing Tilsley ever heard of anyone. Neither did he know if his script had been rejected nor if it had indeed been turned into a film without notifying him. Eventually, when he heard this episode was being screened and he was watching it on television he almost failed to identify it as "his" episode.
McGoohan was totally dissatisfied. And probably the script was "rewritten" by David Tomblin, the story thereby losing so much of its initial meat to enforce a title change from "Face Unknown" to "Do Not Forsake Me, Oh My Darling". And maybe, already working on the subsequent episode that he was going to direct, too, Tomblin did have something in his mind: the western parable "Living In Harmony".

Quintessentially it's the mind transfer which remained solely intact of Tilsley's concept. Of all, "Forsake" is the only episode to have a so called pre-credit sequence, something which is quite popular as a dramatic device to get the TV audience hooked and keep the interest alive during the following commercial break right before the start of the actual credit sequence. And indeed, this intro is really good, worth a thriller and intriguing, makes you want to get more. Moreover, the episode offers a sequence of (albeit only stock) footage of a journey through Europe by car which lends an ample ambience to it, a taste of Bond, that is.
On the contrary, the machine required for the reverse process of this mind transfer on Number Six is likely to go to the props department of Edward D. Wood Jr. To put it in favour of those responsible, it could be regarded as a SF-trash parody. And there is the one curious detail, to say the least, about Number Six who, as a private person, isn't known at all that he is supposed to having been engaged for some time to Janet, his former superior's daughter. He now encounters her in the body of a different man. Sadly, the script doesn't take advantage of the constellation and nothing ensues with regard to whatever drama, except that Number Six has to prove to Janet, rather technically, it's really him who she met.

In one of the previous SIX-OF-ONE society magazines the two episode scripts "Face Unknown" and "Do Not Forsake Me, Oh My Darling" were compared to each other. According to this survey Tilsley's "Face Unkown" was much better than the current work. Number Six' resignation was at the centre of it and the letter he later dashes on his superior's desk. He receives a treatment in the "room of oblivion" and he, now in the body of "the Colonel" whose name in Tilsley's script is Oscar, is sent back to the day of his resignation where he experiences the important hours that lead him to his decision as a matter of conscience.
A regression therapy of that kind can be found very similarly in the episode "Once Upon A Time" where there is an "Embryo Room" as the central place of the action. One musn't forget, however, that this episode had in fact been produced many weeks earlier - written and directed by McGoohan himself; a reason to reject it?

When Tilsley was told the German title "2:2=2" he was amazed but kind of liked that non-working equation, that the title wasn't so far off as it appeared at first glance. Nevertheless, there was his overall feeling of discomfort that this episode just isn't "his" episode. On the other hand, his name as the author has been connected with this episode ever since. And this is surely more than nothing.

Research done by Michael Brüne


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