|
EPISODENINHALT
Harte zeiten: Für seine verschlossenheit und wenig kooperative
haltung wird Nummer Sechs vom "Komitee" des Ortes zum sozialen paria erklärt. Vom fernsehen übertragen,
wird er einer lobotomie unterzogen. Wieder "gesellschaftsfähig",
kommt er dem plan auf die schliche und zwingt Nummer Zwei zur hastigen
flucht.
PERSÖNLICHE WERTUNG: 15
Die leitidee der formierten gesellschaft beiseite, bleibt eigentlich
nur die szene, in der Nummer Sechs seiner ärztin erklärt,
wie man einen anständigen tee zubereitet. |
EPISODENWÜRDIGUNG
Nummer
Sechs sieht sich im Ort von einem bis dahin unbekannten "Komitee"
verfolgt, das ihn bedrängt und zum unsozialen außenseiter stigmatisiert,
weil er seiner eigenen wege zu gehen pflegt, sich kaum an den gemeinschaftsaktivitäten
beteiligt und wenig kooperativ ("unmutual") ist. Nachdem
gute worte nichts ausrichten konnten, wird er schließlich zwangsweise
einer gehirnoperation unterzogen, die ihn kurieren soll. Und damit alle
etwas davon haben, wird die erfolgreiche "soziale konversion"
live im örtlichen fernsehen gezeigt. Die behörden scheinen auf
dem richtigen weg zu sein, Nummer Sechs ist wie ausgewechselt, reiht sich
in die gemeinschaft ein.

NUMMER
SECHS THERAPIERT SEINE ÄRZTIN IN EINER WENIG GLAUBWÜRDIGEN
HYPNOSESZENE. SIE WUSSTE OFFENBAR SEINE ART DER TEEZUBEREITUNG NICHT ZU
SCHÄTZEN.
Wie
einige andere episodentitel von NUMMER 6 ist
der englische "A Change of Mind" fast unübersetzbar mehrdeutig im sinne von geheirnwäsche, verstandesänderung, sinneswandel. Frank Wesel, der deutsche dialogautor für die synchronisation durch Arte im jahr 2010, bekannte, diese folge sei eine extreme herausforderung gewesen.
Ambivalent ist auch
die episode, die durchaus ihre momente hat, bleibt hinter anderen
aber deutlich zurück. Ein wenig liegt das daran, dass der ursprünglich
vorgesehene regisseur von McGoohan gefeuert wurde und dieser selbst das
kommando übernahm, und damit der gehalt über die notwendige
verpackung, die story, siegte.
Der
konformitätsdruck, sich allseitig anzupassen, einzufügen und
den mund zu halten, war selten stärker in NUMMER 6, die zeichnung
des Ortes und seiner bewohner, der allgemeinen atmosphäre
war nie so unsympathisch und bedrückend wie hier; überdeutlich
die Orwellschen anklänge aus 1984. Erzwungene
persönlichkeitsveränderung mittels medizinischer eingriffe zieht
sich als roter faden durch diese ära; filme wie ONE FLEW OVER THE
CUCKOO'S NEST von Milos Forman und SECONDS von John Frankenheimer dokumentieren
das. Unterliegendes motiv ist die rigide, formierte autoritäre gesellschaft,
die abweichler mundtot macht und ausschließt. Sie muss nicht notwendigerweise
mit diktaturen einhergehen. Die geschichte der Bundesrepublik insbesondere
der Adenauer-zeit während des Kalten Krieges hat das gezeigt.

NUMMER ZWEI ALS GÜTIGER GROSSER
BRUDER
Dass
die episode trotzdem schwach ausfällt, liegt am wenig inspirierenden
studio-setting und am plot, der nicht so weit gehen darf, wie man erwarten
müsste, nämlich dass der held Nummer Sechs lobotomiert, also "die oberfläche beschädigt" wird. Oder dass
etwa das drehbuch mit einer rettung in letzter sekunde herbeikäme.
Das wäre wahrscheinlich gegen McGoohans verständnis der rolle
gewesen, der die dinge immer selbst in der hand hat. Und dass die von John Sharpe durchaus einschmeichelnd als gütiger
onkel gespielte Nummer Zwei einfach aufgrund eines rhetorischen kniffs
vor der menge als "unmutual" blamiert
dastehen und die flucht ergreifen soll - schwer zu glauben.
Bleibt der eindruck, dass diese episode mindestens ebenso hastig zusammengstrickt
wurde, wie Nummer Zwei sich davon macht und sich eben darin mit zwei anderen
- "Der General" und "A. B. und C." - trifft. |