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The Prisoner Nummer 6 Serien
gehören zum bodensatz des fernsehens, omnipräsent und so unendlich
wie das medium selbst. Die wenigsten kratzen auch nur an der unterseite
unserer aufmerksamkeitsschwelle. Fantastisches
fernsehen
FEEDBACK |
Traut man
dem gemeinen 60er publikum so wenig Englisch zu, untertitelung wäre
ja auch möglich gewesen, oder ist resignieren, zurücktreten
von einem brisanten staatlichen oder geheimdienstlichen job in der heißen
sozialen, politischen und kulturellen phase der 60er jahre einfach nicht
opportun? Neben diesem auftakt unterschlägt die deutsche fassung auch ein detail in der schlusssequenz der letzten episode, das nicht ganz ohne bedeutung ist. Drei der vier verbliebenen hauptdarsteller, Leo McKern, Alexis Kanner, Angelo Muscat, werden mit namen genannt, nur McGoohan nicht. Ursprünglich, im englischen original, steht für ihn allein das wort "Prisoner", ohne artikel: "Gefangener" (mehr...). Ein sprachliches problem?
Das fehlen ganzer folgen bewirkt eine abschwächung der gar nicht unterschwelligen politischen implikationen der serie. Rückblickend drängt der eindruck sich auf, dass die deutsche auswahl die politische grundströmung der zeit - den Kalten Krieg - zu meiden trachtet wie der vampir den knoblauch und also stark das abenteuerlich-fantastische element betont, wenn "Free For All" mit deutlich politischem inhalt und "Living In Harmony" als politische parabel völlig unter den tisch fallen. In der episode "Die Glocken von Big Ben" wird um die geografische lage des Ortes gemutmaßt. Die deutsche version verlegt dabei Nummer Sechs' und Nadjas fluchtweg vom - damals politisch-militärisch zum einflussbereich des Warschauer Paktes gehörenden - Baltikum auf den "wilden" Balkan und nach Bulgarien. Den verantwortlichen schien ein ort wohl unverfänglicher zu sein, der schon seit Karl Mays geschichten aus dem 19. jahrhundert abenteuertechnisch ganz anders vorbelastet war als das ehemals deutsche territorium um Ostpreußen und noch weiter dahinter. "Sinneswandel" behandelt das damals virulente thema verhaltenspsychologie
und lobotomie. "Harmony" stand dem amerikanischen western-mythos
wie der tagespolitik des Vietnam-krieges zu quer und wurde von CBS nicht
gezeigt.
- Free For All Freie Wahl
In den frühen 90er jahren entdeckte Bruce Clark, der amerikanische koordinator der Prisoner Appreciation Society SIX OF ONE, eine bis dahin unbekannte version der episode "Die Glocken von Big Ben" auf zelluloid. Und anfang 2000 kam zufällig eine deutlich verschiedene erste folge "Die Ankunft" ans tageslicht. Beide alternativversionen sind selbstredend (bis zur veröffentlichung der deutschen DVD) nie auf deutsch zu sehen gewesen. Die ausführung
der episoden ist recht ungleichmäßig, je nach drehbuch und
regisseur verschieden. Die reihenfolge,
schon in der GB- und US-version unterschiedlich und auf deutsch noch wirrer,
ist ohne klare linie, was wiederrum auf das konto des produktionsablaufes
geht. Zum zeitpunkt der erstsendung waren einige episoden noch gar nicht
fertig gestellt. Zuschauer in England sahen eine andere reihenfolge als
z.b. in Kanada. Scharen von SIX-OF-ONE-mitgliedern haben sich schon an
der frage abgearbeitet, wie die wahre reihenfolge aussehen hätte
können oder müssen. Eine nähere betrachtung fördert
widersprüchliche dialoge zu tage, da mehrere autoren scripte verfassten
für das, was sie für die zweite episode hielten. Indizien gibt
es dafür, dass diese oder jene folge vor einer anderen zu platzieren
wäre - müßiges unterfangen. Ein pfiffiges produktionsdesign bedient sich dabei aus einem unergründlichen fundus und macht so die ästhetik des versponnenen puzzles NUMMER 6 aus. Meistens von symbolischer oder zeichenhafter bedeutung. Und selbst, wenn nichts tiefgründiges daran ist: das baldachin-gekrönte hochrad - the Pennyfarthing - (McGoohan: "ironisches symbol des fortschritts"), bleibt es doch hängen. Alles rundet sich zu einem raffinierten amalgam verschiedener essentials, die für die 60er jahre kennzeichnend sind: politische
theorie und gesellschaftskritik Das alles gestützt von dialogen, die sich lieber in anspielungen ergehen als auszufabulieren, was in ihnen steckt. Wie Voltaire festgestellt hat, besteht das geheimnis der langeweile bekanntlich darin, alles zu sagen.
Leicht übersehen wird, dass die deutsche version von THE PRISONER keine eins-zu-eins übersetzung ist, gar nicht sein kann. |
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Joachim Brinkmann, der dialogregisseur der deutschen fassung, hat in NUMMER 6, im gegensatz zum original, schon im eröffnungsprolog ein tor in die mehrdeutigkeit aufgestoßen und hält diesen tenor in kleinigkeiten durch. So erhält Nummer Sechs auf seine frage "Where am I?" auf deutsch die viel (nichts-)sagende(-ere) antwort: "Sie sind da." Paradoxer und zugleich reduzierter geht es kaum. Wohingegen er in der englischen fassung ganz wörtlich die wahrheit erfährt: "Im Dorf" - "In the Village." Vom rhythmus und sprechgefühl her ist diese wörterbuchlösung unmöglich und inhaltlich zudem fragwürdig. Nichtsdestotrotz wurde es so auf der deutschen DVD gemacht.
Die relevanz des drehschauplatzes - das walisische Portmeirion - war für britische zuschauer naturgemäß eine ganz andere als für deutsche. |
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"Wir sehen uns!" oder L'année dernière au Village · The Prisoner · Nummer 6 | |||
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