The Prisoner Nummer 6

Serien gehören zum bodensatz des fernsehens, omnipräsent und so unendlich wie das medium selbst. Die wenigsten kratzen auch nur an der unterseite unserer aufmerksamkeitsschwelle.
UNWAHRSCHEINLICHE GESCHICHTEN war eine, dies es tat, der klassiker TWILIGHT ZONE.
Dieser titel steht ein für alles, was mit dem begriff TV-magic verbunden ist.

Fantastisches fernsehen
der 60er jahre, das ist
auch eine beschwörende formel:
"Wir sehen uns!"
oder L'année dernière
au Village:

FRANK T. BITTERHOF
BLU-RAY: DIE OFFENBARUNG
ROBERT FAIRCLOUGH

POP UND POLITIK
HOWARD FOY

ES WAR EINMAL - EIN TRIP
GUILLAUME GRANIER

SCHÖNER TAG! - SPÄTER...
LARRY HALL

DER PROZESS
WHAT IT MEANS...
HARALD KELLER

WIR SEHEN UNS - WIEDER
NUMMER SECHS
NOWHERE MAN
ROGER LANGLEY

PRISONER'S PORTMEIRION
SET PIECE - BÜHNENSTÜCK
6 PRIVATE
KEVIN P. MAHONEY

DER ANARCHISCHE PRISONER
RICK McGRATH

35TH ANNIVERSARY DVD
WARNER TROYER
McGOOHAN-INTERVIEW
CHRISTOPH WINDER

ICH BIN KEINE NUMMER

 

 

 

Die frage aller fragen: Wer ist Nummer Eins?

Sie erhält durchaus eine antwort in NUMMER 6, oder eher mehrere antworten, die das puzzle freilich nicht leichter durchschaubar machen. Mit einigem recht verdient George Markstein, neben McGoohan der inspirator der serie, dieses attribut. Er ist der kahlkopf hinter dem schreibtisch, im vorspann nur ganz kurz zu sehen, dem Nummer Sechs eine standpauke hält und mit vehemenz seine kündigungspapiere präsentiert. Dabei war es in der realität eher umgekehrt.

Die informationslage über George Markstein ist nicht gut. Einerseits heißt es, er wurde 1929 in Berlin geboren und kam nach Großbritannien,als in Deutschland die Nazis an die macht kamen. Nach anderen quellen war er US-Amerikaner. Er starb bereits 1987.
Er hatte eine journalistische ausbildung, war während des Kalten Krieges in den 50er jahren korrespondent bei den US-streitkräften und schrieb politromane, arbeitete für das fernsehen und verfasste filmdrehbücher. Unter anderem bearbeitete er den roman DIE AKTE ODESSA für den film auf, bei dem Ronald Neame regie führte.

Aus seiner zeit beim militär noch im Zweiten Weltkrieg kannte er bestimmte maßnahmen, die ergriffen wurden, um menschen mit sensiblen kenntnissen zu ihrem eigenen schutz "in urlaub" zu schicken, damit niemand an diese kenntnisse heran kommen konnte. Weit abseits in Schottland gelegen, war Invelair Lodge einer dieser geheimen "ferienorte" für hohe regierungsangestellte. Diesen faden spann Markstein weiter. Allerdings ließ er die spätere figur Nummer Sechs wie auch das publikum im unklaren darüber, welche seite denn überhaupt für die entführung und internierung verantwortlich war. In seinen romanen führte er dieses thema fort. Folgerichtig schrieb er sich die erfindung NUMMER 6 auf die fahne.

Im englischen Wikipedia-eintrag wird berichtet, Markstein habe das ende der serie schon entwickelt gehabt, doch wegen seiner auseinandersetzung mit McGoohan verließ er die produktion und die idee wurde verworfen.
Demnach hatte Nummer Sechs noch als junger agent einen plan ausgearbeitet, wie man mit agenten im "ruhestand", die ein potenzielles sicherheitsrisiko darstellten, verfahren sollte. Diese leute sollten an einem sicheren ort - unauffällig, aber gut abgeschirmt - ihren lebensabend verbringen. Jahre danach entdeckt Nummer Sechs, dass man seinen plan in die tat umgesetzt, jedoch zugleich pervertiert hat. Aus einem wohlgemeinten rückzugsraum für nicht mehr benötigte agenten war ein vernehmungs- und gefangenenlager geworden. Nummer Sechs inszenierte seinen rücktritt vom dienst in dem bewusstsein, dass man ihn zu diesem ort bringen würde. Seine absicht war, das funktionsprinzip zu verstehen und einen weg zu finden, ihn von innen her zu zerstören. Doch dann kamen ihm zweifel, aufgrund der großen zahl von agenten verschiedenster nationalitäten war er sich nicht mehr sicher, welche seite denn nun betreiber dieses orts war.

Schlussendlich war für Markstein die ganze welt so ein potentieller "ferienort", hätte er den Prisoner in die welt nach draußen gebracht, jedoch wäre dieser immer ein gefangener seiner umstände geblieben.

McGoohan und er hatten schon beim NUMMER 6-vorläufer GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE zusammengearbeitet. Für NUMMER 6 bereitete Markstein als storyeditor vor allem die pilotepisode "Die Ankunft" vor und legte damit den grundstein für die gesamte serie. Für ihn war klar, dass Nummer Sechs John Drake war. McGoohan und er, gegensätzlich pole, sie verkörpern die grundlegenden stömungen, die NUMMER 6 durchziehen und im endeffekt teilen: symbolisch-allegorisch, existentialistisch die eine; straight forward ausgerichtetes spionage- und agentengenre, politisch-praktisch, sozusagen, die andere. Markstein verließ die produktion, noch bevor die ersten 13 episoden fertig gestellt waren. Er und McGoohan hatten sich nichts mehr zu sagen.

In interviews ließ Markstein keinen zweifel daran, was er vom fortgang der serie hielt, "rubbish" war sein ausdruck dafür. McGoohan war in seinen augen ein egomane, der alles an sich zog und bestimmte und der schließlich völlig ins abwegige glitt. NUMMER 6 sah er mithin auch als leistung eines teams von leuten wie David Tomblin, Jack Shampan, verschiedener beteiligter regisseure und vor allem der autoren, nicht nur als McGoohans opus. Zum ende seiner mitarbeit sagte er: "Ich ging. Deshalb wurde es albern. Sehen sie, eine gewisse ordnende hand wäre nötig gewesen."
Und während McGoohan jede stellungnahme zur serie, vor allem zum finale, ablehnte oder sich allenfalls kryptisch dazu äußerte, war Markstein ein gegner von überinterpretation. Und eine fernsehserie wie NUMMER 6, "no more, no less", als gegenstand der betrachtung in universitätsseminaren (wie in Kanada geschehen) zu erleben, war ihm eine absurde vorstellung.
Markstein in seinen eigenen worten in einem gespräch von 1984, das für die Channel-4-produktion "Six Into One: The Prisoner File" stattfand (mehr... ), kann man nachlesen auf der PRISONER-website von Larry Hall (http://www.the-prisoner-6.freeserve.co.uk/markstein.htm; auf englisch).

GEORGE MARKSTEIN IM INTERVIEW FÜR SIX INTO ONE: THE PRISONER FILE (1984)

McGoohan war als Nummer Sechs, so Markstein, und als fernsehstar ein gefangener seiner rolle, seines gesichts, seines erfolges. Eingedenk seines eigenen beitrags kokettierte er mit gehörigem selbstbewusstsein denn auch als Nummer Eins.

 


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