THE TALLY HO "READ ALL ABOUT IT!"
RÜCKBLICK
DIE DEUTSCHE DVD
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THE TALLY HO WAS WAR... CHRONIK 1969
THE TALLY HO
WAS WAR - WAS FEHLT... THEMEN 2009
THE TALLY HO
NICHT REALISIERTE EPISODEN
THE TALLY HO TOP 20 MERKMALE DER SERIE
ARNO BAUMGÄRTEL
IM DORF - EINE LINGUISTISCHE LANDPARTIE

NUMMER 6 M.A.

BILDER AUS WALES

THE AMC PRISONER (2009) MINISERIE

ARNO BAUMGÄRTEL & MICHAEL BRÜNE
DIE DEUTSCHE DVD

ARNO BAUMGÄRTEL & B. FRANK
AUF DIE REIH GEBRACHT 1 - DIE EPISODENREIHENFOLGE

TOBIAS BECKER
ZIRKULÄRE REALITÄT

FRANK T. BITTERHOF
DIE OFFENBARUNG - THE PRISONER ALS BLU-RAY

MICHAEL BRÜNE
AUF DIE REIH GEBRACHT 2 - DIE EPISODENREIHENFOLGE

ANTHONY DAVIS
PRISONER PRESS LAUNCH 1967

ROBERT FAIRCLOUGH
POP UND POLITIK

HOWARD FOY
ES WAR EINMAL EIN TRIP...

B. FRANK
McGOOHAN & BOND

GUILLAUME GRANIER
"SCHÖNER TAG! - SPÄTER REGNET ES."

LARRY HALL
ORSON WELLES: DER PROZESS

WHAT IT MEANS, NOT WHAT IT SAYS
MAX HORA & ROGER LANGLEY
6 PRIVATE - DAS HAUS VON NUMMER SECHS

HARALD KELLER
WIR SEHEN UNS - WIEDER

NOWHERE MAN

NUMMER SECHS
INTERVIEW MIT BERND RUMPF

ROGER LANGLEY
PORTMEIRION (ZEIT-) REISE

PRISONER'S PORTMEIRION:
DER ORIGINALSCHAUPLATZ
BÜHNENSTÜCK -
SET PIECE: DIE STUDIOBAUTEN
"WARUM HABEN SIE SICH ZURÜCKGEZOGEN?"

FINAL CUT: MYSTERIUM DER FEHLENDEN SZENEN

KEVIN PATRICK MAHONEY
DER ANARCHISCHE PRISONER

PATRICK McGOOHAN IM GESPRÄCH
"RUHM WIRD MICH NIE ZUM GEFANGENEN MACHEN"

RICK McGRATH
35th ANNIVERSARY DVD-SET

CHRIS RODLEY
DAS EISBERG-SYNDROM - SIX OF ONE: THE PRISONER FILE

WARNER TROYER
INTERVIEW MIT PATRICK McGOOHAN

CHRISTOPH WINDER
ICH BIN KEINE NUMMER, ICH BIN EIN MENSCH

VALARIE ZIEGLER
THE PRISONER'S SHADOW SIDE

 

The Prisoner Nu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

mmer 6

FRANK T. BITTERHOF
BLU-RAY: DIE OFFENBARUNG
ROBERT FAIRCLOUGH

POP UND POLITIK
HOWARD FOY

ES WAR EINMAL - EIN TRIP
GUILLAUME GRANIER

SCHÖNER TAG! - SPÄTER...
LARRY HALL

DER PROZESS
WHAT IT MEANS...
HARALD KELLER

WIR SEHEN UNS - WIEDER
NUMMER SECHS
NOWHERE MAN
BERND RUMPF INTERVIEW
ROGER LANGLEY

PRISONER'S PORTMEIRION
SET PIECE - BÜHNENSTÜCK
6 PRIVATE
KEVIN P. MAHONEY

DER ANARCHISCHE PRISONER
RICK McGRATH

35TH ANNIVERSARY DVD
WARNER TROYER
McGOOHAN-INTERVIEW
CHRISTOPH WINDER

ICH BIN KEINE NUMMER
VALARIE ZIEGLER
THE PRISONER'S SHADOW SIDE

 

SPEEDLEARN

 
 

IM DORF:
EINE LINGUISTISCHE LANDPARTIE

Da ist eine dorfstraße, ja, ein rathaus, ein kirchturm, ein dorfplatz, ein schnellimbiss, ein wirtshaus mit hotel,

sogar zwei, drei läden. Aber wo sind die misthaufen, die offen stehenden scheunen oder die zu garagen umgebauten ställe, wo die vor dem hoftor sich unterhaltenden männer, die frauen mit einkaufstaschen auf dem weg vom oder zum bäcker oder metzger? Und statt streunender hunde herumstolzierende pfauen. Etwas passt nicht ins bild. Wo ist der fehler?

Vier buchstaben: D - O - R - F. Vier buchstaben im unteren bereich des fernsehbildes, ungefähr 14 mal zu lesen im vorspann der fernsehserie NUMMER 6, die schon lange geschichte geschrieben hat. Langzeit-fans der serie hatten kaum zu hoffen gewagt, dass es zu ihren lebzeiten noch zu einer vollständigen video- bzw. DVD-veröffentlichung kommen würde. Nun ist sie da, und der erste gedanke beim wiedersehen mit dem serienvorspann, bei nun eingeschalteten untertiteln, ist ein bekanntes sprichwort: Ich glaub, ich steh im Dorf. Milder witz.

Aber wir stehen auch nicht im Dorf, sondern im Village. Und das macht den unterschied. Denn das Village heißt im wirklichen leben Portmeirion.

Im etymologischen wörterbuch des Duden erfahren wir zu dem begriff DORF: "gemeingermanisches wort ... althochdeutsch, mittelhochdeutsch dorf, englisch thorp, gothisch thaurp ... bezeichnet, abgesehen vom gothischen, wo es 'acker' bedeutete, eine bäuerliche siedlung, vielfach auch einen einzelhof. Verwandte wörter wie kymrisch (= walisisch) treff 'wohnung' ... lateinisch trabs 'balken' machen eine grundbedeutung 'balkenbau, haus' wahrscheinlich, die sich je nach der siedlungsform wandeln konnte."

Koch-Media, die produktionsfirma, die NUMMER 6 erstmals in Deutschland auf DVD herausgebracht hat, verfolgte bei der untertitelung der serie den ehrenwerten gedanken, bei der übersetzung "so wörtlich wie möglich" vorzugehen; ziel war es, die dialoge der vorhandenen deutschen synchronfassung nicht eins zu eins zu übernehmen, was gar nicht möglich gewesen wäre, denn es hätte das format gesprengt.

Und sie haben schließlich recht, man kann es nachschlagen, in jedem englisch-deutschen wörterbuch findet sich unter deutsch dorf englisch village bzw. umgekehrt. Was soll das also?

Das dumme ist, in einigen fällen hat man wörtlichkeit mit "was im wörterbuch steht" verwechselt. Dabei wurde nicht nur das wort, sondern auch der geist des programms beschädigt. Zur ehrenrettung sei gesagt, geschätzte 90 prozent der untertitel gehen anstandslos durch. Aber da bleibt ein rest, der einen ins stolpern bringt...

Sprechen Sie einmal folgende sätze laut vor sich her, achten Sie dabei auf den sprechrhythmus:

Where am I? - In the Village.
What do you want? - Information.

Und nun dasselbe (?) auf deutsch:

Wo bin ich? - Sie sind da.
Was wollen sie? - Informationen.

Und nun dasselbe (?) noch einmal auf deutsch:

Wo bin ich? - Im Dorf.
Was wollen sie? - Informationen.

Im etymologischen wörterbuch des Duden lesen wir zu dem begriff VILLA: "Bezeichnung für 'landhaus, vornehmes einfamilienhaus, einzelwohnhaus' wurde im 17. jahrhundert aus gleichbedeutend italienisch villa entlehnt, das auf lateinisch villa 'landhaus, landgut' beruht ... Das lateinische wort stellt sich zu vicus 'gehöft, häusergruppe, dorf, flecken'... WEILER, althochdeutsch wilari, mittelhochdeutsch wiler - 'keine eigene gemeinde bildende kleine ansiedlung' - ist aus mittellateinisch villare 'gehöft' entlehnt...

Der unterschied? Ist der von gesprochener zu geschriebener sprache. Ist der von hörbarem dialog zu gelesenen untertiteln auf dem fernsehbild. Ist die trotz lexikalischer richtigkeit vom wortursprung her zumindest ungeschickte übersetzung. Ist das Brinkmann'sche schillern der begriffe schon im allerersten satz der serie, eine ambivalenz, paradoxer und zugleich reduzierter als selbst das englische original.

Der unterschied ist, dass wir gehörtes, wie etwa synchrondialoge, gleichsam "naturwüchsig" wahrnehmen, gelesenes aber intellektuell erfassen. Daher, und weil wir diese zeilen seit über 30 jahren kennen und schätzen, das stolpern. Der auf dieser website grundsätzlich bevorzugte und benutzte ausdruck Ort lädt in diesem speziellen fall im übrigen ebenfalls zum stolpern ein.

Auf wessen seite sind Sie?
Whose side are you on? - Das käme darauf an.

Auf der des kodifizierten wissens à la wörterbuch oder auf der der inhaltlichen übertragung bei größtmöglicher prägnanz? Das käme darauf an... Warum sollte man das bei untertiteln nicht auch tun?

Auf wessen seite sind sie? - That would be telling. - Wir sind auf der richtigen seite.

Und nun dasselbe (?) noch einmal auf wörterbuchdeutsch:

Auf wessen seite sind sie? - Das würde uns verraten.

Wenigstens ins stolpern gerät man hier nicht. Aber halt, ganz so wörtlich ist es auch nicht, eher interpretierend, was erlaubt ist: Was wäre das, wenn man preisgäbe, auf wessen seite (politisch betrachtet) man steht - verräterisch? Viel sagend ist das wörterbuch, aufschlussreich, wirkungsvoll, nachdrücklich.

LE PRISONNIER, die französische variante von NUMMER 6, dieser blick über den linguistischen zaun sei gestattet, belässt es einerseits, wenig überraschend, bei "Village" und überträgt die andere stelle, wenngleich unpoetisch und wenig viel sagend:
– Où suis-je ?
– Au Village.
– Qu'est ce que vous voulez ?
– Des renseignements.
– Dans quel camp êtes-vous ?
– Vous le saurez en temps utile... Nous voulons des renseignements, des renseignements, des renseignements.
– Vous n'en aurez pas !
– De gré ou de force, vous parlerez.
– Qui êtes-vous ?
– Je suis le nouveau Numéro Deux.
– Qui est le Numéro Un ?
– Vous êtes le Numéro Six.
– JE NE SUIS PAS UN NUMÉRO, JE SUIS UN HOMME LIBRE !
– Ha ! Ha ! Ha ! Ha ! ...

"Vous le saurez en temps utile..." - "Das erfahren sie zu gegebener zeit." Wir jedenfalls sind auf der richtigen seite.

Nummer Eins hält sich bedeckt und antwortet ausweichend - das tut auch Brinkmann, und zwar so konsequent, dass er die atmosphäre des vagen, indifferenten stärker nachbildet, als das original sie vorgibt. Er meidet den provinzialismus des begriffs Dorf, umschreibt die lokalität mit Ort, hier, Gemeinschaft, Gemeinde. Er verweigert dem ort einen namen, den der Ort im englischen sogar hat: Weil The Village auch der eigenname des Ortes ist, ganz so wie die berge - the mountains - The Mountains, das meer - the sea - The Sea, der strand - the beach - The Beach heißen. Einer der großartigsten schockmomente der serie, womöglich der filmgeschichte. Wir sind es so nicht gewöhnt. Bezeichnung und bezeichnetes sind an diesem Ort ein und dasselbe, wieder einer der kleinen tautologischen zirkel, die die serie auszeichnen. Allein darum ist die untertitel-übersetzung Dorf falsch.

Anhand einer ganzen reihe von beispielen kann man zeigen, dass die vermeintliche wörtlichkeit mal mehr, mal weniger strikt gehandhabt wurde. Eine linie ist jedenfalls kaum erkennbar. Wohl gegen die erklärte absicht hat man doch eher unstringent nebeneinanderher übersetzt.
Wie sonst kommt es zu einem echten inhaltlichen fehler in der episode "The Schizoid Man" ("Der Doppelgänger"), wo das entscheidende passwort einmal deutsch mit "Zwilling" übersetzt, beim nächsten mal dagegen im original "Gemini" belassen wird, was bei newcomern für verwirrung sorgen muss.

Weißer Alarm! Weißer Alarm!

Den schlachtruf hat Joachim Brinkmann dem Supervisor in den mund gelegt, immer dann, wenn ein gefangener die grenzen des Ortes zu verlassen oder allgemeiner aufruhr droht. Auftritt der weiße ballon Rover.
Hier nun sind die untertitel absolut buchstäblich: Oranger Alarm! wird gegeben, ohne rücksicht auf sinnhaftigkeit oder verständlichkeit. Zwar heißt es im original wirklich Orange Alert!, aber wieso orange? Der ballon ist weiß.

Wusste Brinkmann davon oder nicht? Die farbe hat überhaupt nichts mit dem ballon Rover zu tun, sondern ergibt sich aus der alarmskala des anglo-amerikanischen militärwesens, wo orange die zweithöchste stufe unterhalb von rot darstellt. Übersetzung ist, eine entsprechung für etwas zu finden, das in der zielsprache so nicht existiert.

According to Hoyle

In der episode "Free For All" wird Nummer Sechs von Nummer Zwei in seiner wohnung aufgesucht, nachdem er ihn am telefon beschieden hatte: "The mountain can come to Mohammed." Ein kleines wortgefecht entspinnt sich. In erwiderung auf dessen antwort fragt Nummer Sechs Nummer Zwei: "Playing according to Hoyle?" Dieser: "There are all cards on the table."

Nun ist diesmal in den untertiteln beinahe wörtliches zu lesen, Nummer Sechs: "Ein spielchen im sinne von Hoyle?" Nummer Zwei: "Alle karten auf dem tisch." Fast alles richtig. Aber wer weiß schon, was gemeint ist - wer oder was ist Hoyle?
Zwar steht ein schachspiel auf dem tisch, das aber ist eher die materialisierte metapher für den sinn dieser dialogzeile, Nummer Sechs: "Sie spielen ehrlich?" - Nummer Zwei: "Mit offenen karten." Letzten endes ist dies ein typischer schachzug der verantwortlichen im Ort.
Offensichtlich geht es hier nicht um irgendein spiel. 1742 verfasste Edmond Hoyle ein regelwerk über das kartenspiel "Whist", das als Bridge-vorläufer gilt. Es handelt sich demnach um eine abgeleitete redensart, recht gut vergleichbar der deutschen "nach Adam Riese..."

Die bedarf aber einer ähnlich adäquaten übertragung wie das berühmtere "Six of one, half a dozen of the other."

Brinkmann belässt es - wofür es auch ein deutsches pendant gibt: "Spielt doch keine rolle", "Ist doch jacke wie hose" - bei einer umschreibung, die jedoch dem anlass entspricht: "Das eine schließt das andere doch nicht aus." In den untertiteln wird daraus tatsächlich "Sechs für den einen, ein halbes dutzend für den anderen." Lexikalisch - nicht ganz - richtig, sachlich korrekt, aber idiomatisch völlig daneben, on the woodway, sozusagen. Und "wat dem einen sin Uhl, ist dem annern sin Nachtigall" noch lange nicht. Da wundert man sich auch nicht mehr, wenn sogar Shakespeare interpretatorisch sein fett wegkriegt und in der episode "Pas de deux" aus den "sieben zeitaltern des menschen" die "sieben phasen des mannes" werden. Nur einfältig statt sorgfältig.

Bleibt am ende die feststellung, dass NUMMER 6 glücklicherweise auch nur eine fernsehserie ist. Der übergroße rest an dialogen ist business as usual. Jüngere menschen, ohne langjährige kenntnis der synchronfassung, mögen anders urteilen. Aber so viel an herzblut musste einfach sein.

Larry Hall: "WHAT IT MEANS, NOT WHAT IT SAYS" - mehr...


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