Was das Teufelslustgärtchen historisch, im Ursprung war, ist nicht bekannt. Mutmaßlich eine Art Weiler vor der mittelalterlichen Stadt Gießen, deren Stadtmauer ungefähr am heutigen Kreuzplatz verlief. Die auf dieser Website beschriebenen baulichen Veränderungen gehen weit über das hinaus, was als "natürlicher" Stadtumbau durchgehen würde, den es immer gegeben hat. Das treffendste Stichwort hierfür heißt "Flächenabriss". Der betraf fast alle Gebäude in dem Viertel mit seinem Namen, die komplette alte Katharinengasse sowie Immobilien an den angrenzenden Straßen: die Ostseite der Bahnhofstraße, fast die gesamte Löwengasse, die Südseite der Kaplansgasse und die Wolkengasse. Letztere, wenngleich außerhalb des eigentlichen Viertels gelegen, büßte mehr als die Hälfte an Länge und Gebäudebestand ein. Überwiegend standen Fachwerkgebäude, Wohnhäuser wie Zweckbauten, im Teufelslustgärtchen. Auf alten Aufnahmen ragt das mit vier, viereinhalb Stockwerken höchste und wahrscheinlich auch jüngste, Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Gebäude heraus, aus Lehm gebaut: Nr. 18, das "alte Haus von Rocky Tocky" (Manfred Aulbach).
Die heute bestehende Gasse mit Namen Teufelslustgärtchen ist mit rund 42 Meter etwas kürzer als vor dem Krieg, etwa bis zur (gedachten) Hausecke der früheren Nr. 5. Ihre durchschnittliche Breite lag damals wie heute bei rund 4 Metern. Solange das Gärtchen am Seltersweg existierte (s. Abb. nachfolgend), war der Zugang dort stolze 12 Meter breit, das Gärtchen selbst wie die Hausnummer 3 dahinter etwa 4 Meter. An der Löwengasse betrug die Breite, je nach Messlinie, 10 bzw. etwa 7 Meter. Das Straßenstück von der alten Löwengasse bis zur Z-förmigen Wegebiegung war rund 40 Meter lang, noch einmal circa 15 Meter kommen im Straßenknick und gut 23 Meter bis zur Schmalseite von Seelbachs Garten, vor den Hausnummern 12 und 14, hinzu. Dort, gewissermaßen im hintersten Winkel, ungefähr auf der Höhe von Seltersweg 18 (heutige Zählweise), endete das Teufelslustgärtchen als Sackgasse vor quer stehenden Gebäuden, wahrscheinlich Gewerbe- und Lagerräume, die vielleicht nicht den Durchgang, aber die Durchfahrt zur Kaplansgasse verwehrten. Weitere Durchgänge zum Teufelslustgärtchen hat es gegeben, so vom Seltersweg bei der heutigen Nr. 10 (s. unten) oder auch von der alten Katharinengasse aus.
Die Längen- und Flächenangaben ermittelt anhand des Urkatasterplans um 1900. |
Hausnummern im Teufelslustgärtchen 1906 – 1959/60
Destilliert aus den Adressbüchern 1906, 1917, 1920, 1921, 1922, 1925, 1927, 1931, 1937, 1939, 1941, 1949, 1951, 1954, 1957 und 1959/60, dem Kriegsschadensplan der Stadt Giessen von 1947, und einer Skizze des Planungs-amts von 1948.
Von Gunter Klug
Allgemeines über die Hausnummern: Die Zählung beginnt am Seltersweg mit den ungeraden Nummern links, geht dann ungerade weiterzählend links um die Ecke bis zur Löwengasse. Von da springt die Zählung ganz ans hintere Ende des Teufelslustgärtchens und fängt dort an, die Zählung mit geraden Hausnummern fortzusetzen (rechte Seite, wenn man zur Löwengasse blickt) und endet mit der Nr. 28 wieder an der Löwengasse. Die letzte ungerade Hausnummer ist die 11, die geraden starten in von dort maximal möglicher Entfernung im Quartier (quasi hinter Seelbachs Garten) dann mit 12, sofern man Seltersweg 26 H nicht einrechnet, welches zeitweilig als Teufelslustgärtchen Nr. 8 gelistet ist. Durchgehend nicht vorhanden sind die Hausnummern 1, 2, 4, 6, 7, 10 und 13 bis 27. Nr. 8 und Nr. 16 gibt es jeweils nur kurzzeitig, Nr. 20 ist die alte Hausnummer von Nr. 18 (1917 bis 1927), die Nr. 20 existiert ab 1931 nicht nehr. Nr. 24 taucht in den Adressbüchern 1917 bis 1927 als Anhängsel von Nr. 22 (Carl Flett, Nr. "22/24") auf und verschwindet anschließend. Zwischen 1927 und 1931 gibt es eine Neuordnung der Hausnummern, wovon im Viertel besonders die Löwengasse betroffen ist, aber auch das Teufelslustgärtchen. Alle Häuser im Teufelslustgärtchen, sofern sie bis dahin noch existierten, wurden 1964 abgerissen.
Der einzige noch existierende – wie sonst lässt es sich sagen? – Baukörper war offiziell nicht Teil des Teufelslustgärtchens: Seltersweg 24.
Hausnummer 3 Der Besitzer von Nr. 3 war laut den Adressbüchern 1906 – 1925 Adam Reinig (Messerschmied), ab 1927 Wilhelm Georg. Nr. 3 war das erste Gebäude links hinter dem Seltersweg-Eckhaus der Fa. Reinig. Beide Besitzer waren als nicht im Haus wohnend aufgeführt. 1906 vermerkte das Adressbuch den Kutscher Heinrich Prinz im Parterre. Seine Frau Marie betrieb dort eine Gemüsehandlung. Im Obergeschoss gab es dazu vier Mietparteien. 1917 bis 1927 war im Parterre der Gemüsehändler Wilhelm Grätzer oder Krätzer eingemietet, der wohl das Geschäft von Prinz übernommen hatte, wobei nie die Bezeichnung "Gemüsehandlung" gebraucht wurde. 1931 und 1937 befand sich im Parterre die Schuhmacherei Börding. Hierher gehört auch, dass in diesem Zeitraum das eingezäunte Ziergärtchen abgetragen wurde, welches sich in der Einmündung des Teufelslustgärtchens vom Seltersweg her befand. An seiner Stelle entstand ein eingeschossiger, verglaster Ladenanbau der Fa. Reinig. Zwischen 1937 und 1939 wechselte komplett die Mieterschaft, die zuvor immer aus 3 bzw. 4 Mietparteien bestand. Das Gebäude war niedrig und verfügte nur über zwei Stockwerke. Vorhanden in den Adressbüchern nur bis 1941, 1951 und 1954 nicht mehr. Das Haus wurde 1944 schwer beschädigt, die vom Seltersweg aus gesehen vordere Hälfte abgerissen, die hintere Hälfte, direkt an Nr. 5 angrenzend, wurde diesem zugeschlagen – so zumindest der Ermittlungsstand aufgrund Anfang 2026 neu aufgetauchter Fotos. Dieser Überrest stand noch bis 1964, als das gesamte Teufelslustgärtchen für die Trasse der neuen Katharinengasse fiel.
Hausnummer 5 Haus an der Ecke ("Maseberg-Haus", Mieterin 1951 bis 1959/60 "Margarete Maseberg, Wwe."), an der der Abzweig des Teufelslustgärtchens zur Löwengasse begann. Eigentlich handelte es sich um zwei Häuser, ein kleines eineinhalbgeschossiges Haus, traufseitig zum Teufelslustgärtchen-Abschnitt Richtung Seltersweg stehend, welches bis 1944 zusammen mit Nr. 3 eine Einheit bildete, und ein größeres dreigeschossiges Haus, welches traufseitig und mit dem Eingang zum Teufelslustgärtchen-Abschnitt Richtung Löwengasse stand. 1925 und 1927 waren hier auch Mietparteien in einem Hinterhaus gelistet, wobei einer dieser Mieter ab 1931 wieder in die Gesamtliste der Mietparteien gewandert ist. 1906 verzeichnete das Adressbuch als Besitzer den Rentner Karl Retter. 1917 und 1920 gehörte das Haus dem Kaufmann Karl Ampt (nicht im Haus woh-nend). Ab 1921 hieß der Besitzer Heinrich Nuhn, zunächst als nicht im Haus wohnend und ab 1925 als Bewohner aufgeführt. 1939 und 1941 lautete sein Eintrag "Maurergeschäft", 1949 wurde er als "Invalide" geführt, in den anderen Adressbüchern ist nur der Beruf Maurer bzw. Maurermeister (1954 Baumeister) angegeben. Da es hinter dem Haus noch Nebengebäude gab, könnte es sein, dass dort das Lager des Maurer-geschäfts war. In der Planskizze 1948 sind hinter den Hausnummern 3, 5 und 9 drei kleine Strukturen eingezeichnet, die zusammen mit ersteren einen kleinen Hof bilden. 1957 und 1959/60 wurden als Besitzer die "Geschwister Nuhn" aufgeführt, die allerdings nicht im Haus lebten, dafür aber andere Familienmitglieder der Nuhns.
Hausnummer 8: Dieses Haus lag quasi dem "Maseberg-Haus" gegenüber, wenn man sich die Scheune auf der Ecke wegdenkt. In der Planskizze von 1948 ist eine Nr. 8 nicht vergeben. Zwischen dem Haus und dem Teufelslustgärtchen stand direkt an der Gasse noch eine Holzscheune. Vorhanden war die Nr. 8 in den Adressbüchern 1917 – 1927, Eigentümerinnen bzw. Eigentümer waren 1906 die Witwe eines Buchbindermeister, Marie Lüdeking, 1917 dann zwei Damen ("Privatin") namens Lüdeking, ab 1920 "Berthold Kuhne, Sattlermeister, Werkstatt" sowie zwei bis vier Privatwohnungen, wobei eine der ursprünglichen Besitzerinnen noch bis 1925 im Haus wohnte. Zwischen 1927 und 1931 erhielt das Haus die Hausnummer Seltersweg 26 H (Hinterhaus), welche es auch noch 1959/60 trug. 1931 bis 1949 tauchte Berthold Kuhne nur noch als Eigentümer, aber nicht mehr als Bewohner auf. 1951 bis 1959/60 war Katharine bzw. Käthe Kuhne als Eigentümerin vermerkt. Die Werkstatt wurde in dieser Zeit von Sattlermeister Konrad List betrieben. Wie in den meisten Häusern waren in den 1950ern fast doppelt so viele Bewohner wie vor dem Krieg registriert, offenbar eine Folge des Wohnungsmangels in der zerstörten Stadt.
Hausnummer 9 Doppelhaus mit Nr. 11, im Wegstück Richtung Löwengasse ers-tes Haus auf der linken Seite nach dem Maseberg-Eckhaus. Zunächst 1906 bis 1921 im Besitz des "Anatomiedieners" Friedrich Belloff, ging das Haus ab 1922 an Johann Peter Rosenbecker und zwischen 1941 und 1951 an Maria Rosen-becker über. 1954 war das Haus als Eigentum der Stadt ausgewiesen. Die räumlichen Verhältnisse im Haus waren eng, und die Besitzer lebten entweder allein darin (Belloff) oder mit einem, selten zwei Mietern, davon einer im Dachgeschoss. 1957 jedoch hatte es die Stadt geschafft, vier Mietparteien darin unterzubringen, 1959/60 noch drei.
Hausnummer 11 Doppelhaus mit Nr. 9, letzte Adresse links vor der Löwengasse; aus der Löwengasse betrachtet hinter dem Grundstück Löwengasse 10, auf dem später das Strumpflädchen stand. Besitzer 1906 war der Fellhändler Israel Klebe, 1917 dann "Israel Klebe, Erben" und ab 1920 Sally Klebe, der hier das Lager einer "Darm- und Fellhandlung" betrieb. 1922 war ein Familienmitglied für Stockwerk 1 und 2 vermerkt, 1931 als Mieter die Schuhmacherei Adolf Stumpf. Im Dezember 1931 stand diese Haushälfte ("Hofreite, 49 qm") zur Zwangsversteigerung an. Besitzer zu diesem Zeitpunkt war der Gießener Karl Heckroth. Im Adressbuch 1937 war mit dem Tapezierer Karl Kraft ein neuer Besitzer eingetragen. 1951 gehörte die Haushälfte dann der Hausfrau Elisabeth Kraft, und wurde schließlich zwischen 1951 und 1954 von der Mieterin Marianne Graf übernommen, die bereits 1951 hier eine "Laufmaschenreparaturanstalt" eingerichtet hatte und die auch die Inhaberin des benachbarten "Strumpflädchens" im Behelfsbau auf dem Grundstück Löwengasse 10 war. Allerdings war 1957 erneut Elisabeth Kraft als Besitzerin eingetragen, was die Frage aufwirft, ob der Eintrag 1954 korrekt war. 1959/60 war Elisabeth Kraft immer noch Eigentümerin, wohnte mittlerweile aber in Koblenz. Der vorvorige Besitzer Karl Kraft war in den Adressbüchern 1951 bis 1957 immer noch als Mieter im Teufelslustgärtchen 11 vermerkt.
Hausnummer 12 Hinterste Ecke des TLG neben "Seelbachs Garten" und an der Rückseite der Bebauung Kaplansgasse gelegen. In keinem Adressbuch gelistet, nur in der Planskizze 1948 eingetragen, daher auch kein Besitzer bekannt; eventuell ein Lagerschuppen oder Ähnliches. Im Kriegsschadensplan von 1947 sind sowohl Nr. 12 als auch Nr. 14 als weiße Flächen einzeichnet, was einen Zerstörungsgrad von 100% bedeuten würde, wenn es dort Gebäude gegeben hat. Bei Nr. 12 ist dies eher unwahrscheinlich, bei Nr. 14 möglich.
Hausnummer 14 Nr. 14 ist in der Planskizze 1948 neben Seelbachs Garten eingezeichnet und direkter Nachbar von 12, wieder weiter ins Teufelslustgärtchen hinein. Vorhanden in den Adressbüchern 1906 bis 1941, war Besitzer ursprünglich Ludwig Stroh, Tapeziermeister, und ab 1925 "Ludwig Stroh, Erben". 1939 und 1941 war der Monteur Franz Ellermeier, zuvor Mieter in allen Adressbuchjahren, alleine eingetragen. Ob er auch neuer Besitzer wurde, bleibt unklar. Nach dem Krieg war die Adresse nicht mehr belegt.
Hausnummer 16 1906 war im Adressbuch unter dieser Hausnummer eine Besitzerin namens Marie Müller, Witwe des Fuhrmanns Philipp Müller, gelistet. Dazu gab es im Parterre eine Mieterin. Danach verschwand die Hausnummer bis 1954. Nur im Adressbuch 1954 war dann "Albert Ruch, Schreinerei" eingetragen. Vermutlich wurde hier nach 1951 behelfsmäßig ein Gewerbebau errichtet. Wie das Grundstück zwischen 1906 und 1954 genutzt wurde, bleibt unklar. Die Hausnummer fehlt auch in der Planskizze 1948 und im Kriegsschadensplan.
Hausnummer 18 Nur im Adressbuch 1906 war unter dieser Hausnummer ein Eintrag zu finden. Besitzer war der Schuhmacher Heinrich Rabenau I, sein Mitbewohner der Schlossergeselle Heinrich Rabenau II. Was aus diesem Haus wurde, ist unklar. Die Hausnummer blieb noch bis 1927 ungenutzt, ehe dann im Adressbuch 1931 die Nr. 20 zur Nr. 18 wurde. – WEITER IM TEXT  |
Hausnummer 20, ab 1931 Hausnummer 18 "Das alte Haus von Rocky Tocky". In den Adressbüchern 1917 bis 1927 war das Haus noch mit Nr. 20 gelistet, später in allen weiteren Adressbüchern mit Nr. 18. Besitzer 1906 bis 1921 war der nicht im Haus wohnende Schmiedemeister Johann Kaspar Hess, 1922 - 1931 "Johann (Kaspar) Hess, Erben", 1937 bis 1941 "Hess, Erben", 1951 dann ein "Albert Hess, G.-Wieseck", 1954 "Albert Hess, Samenhandlung", 1957 und 1959/60 schlicht "Hess, Hans-Albert", jeweils als nicht im Haus lebend angezeigt. Nr. 18 war mit 5 Stockwerken das höchste Haus im Teufelslustgärtchen und hatte meist 8 bis 10 Mietparteien in einer für das Viertel exemplarischen demographischen Zusammensetzung von Handwerkern, Arbeitern, Kleinhändlern, Rentnern und "Invaliden", wie es damals in den Adressbüchern hieß. 1959/60 verzeichnet das Adressbuch eine "Gärtner-Krankenkasse, Zahlstelle" in Nr. 18. Hier hatte sich vermutlich jemand eine Heimarbeit ergattert. Nur 1957 verzeichnete das Hinterhaus einen Mieter Heinrich Vogel, Elektriker. 1957 und 1959/60 gab es einen separaten Eintrag Nr. 20 S (Seitengebäude), Besitzer Hans-Albert Hess, Mieter "Günter Froese, Chabeso-Vertrieb" und "Gisela Hess, Samenhandlung". Zusätzlich fand sich im Adressbuch 1937 unter Nr. 18 der Gewerbeeintrag "Wilhelm Kern, Chabesofabrik", ein Getränkehersteller, ohne Lagebezeichnung. Danach taucht die Chabesofabrik seltsamerweise in den Adressbüchern erst wieder 1951 auf, jetzt allerdings unter der Adresse Löwengasse 20 H. Untergebracht war der Betrieb in einem hölzernen Flachbau direkt neben Nr. 18, möglicherweise das Gebäude, welches in der Planskizze 1948 mit "zu 18" eingezeichnet ist.
Für Hans Rosenbaum wurde 2013 ein Stolperstein vor der heutigen Katharinengasse 11 verlegt. Das Haus Nr. 18 stand etwa dort, wo heute der Haupteingang von C&A ist. Im Dritten Reich war er an der illegalen Herstellung und Verteilung von Flugblättern gegen das Nazi-Regime beteiligt. 1937 wurde er mit anderen wegen Hochverrat verurteilt und 1945 in Buchenwald ermordet.
Hausnummer 22/24, ab 1931 22 Besitzer im gesamten hier betrachteten Zeitraum war der Schlossermeister Carl Flett (andere Schreibweise: Karl Flett), der im Parterre seine Schlosserei betrieb. In all den Jahren wohnten immer auch Mieter im Haus, von denen manche in der Schlosserei arbeiteten. Das Haus stand recht zentral im "Eck", wie die Bewohner den Linksknick im Wegeverlauf des Teufelslustgärtchens nannten (von der Löwengasse aus betrachtet, gegenüber der Einmündung des Abschnitts vom Seltersweg her). Es gibt ein paar vom Seltersweg aus ins Teufelslustgärtchen aufgenommene Fotos, auf denen der große Firmenschriftzug auf der Giebelseite gut erkennbar ist. In den Adressbüchern 1906 - 1927 als Nr. 22/24 gelistet, danach in den Adressbüchern 1931 bis 1941 nur noch 22. Links des Hauses lag ein größerer Hof, der wahrscheinlich zur Nr. 26 gehörte, ganz sicher aber nach dem Verlust von Nr- 22. Das Haus wurde 1944 zerstört, nicht wiederaufgebaut und war daher in den 50er-Jahre-Adressbüchern nicht mehr vorhanden.
Hausnummer 26 … war das vorletzte Haus vor der Löwengasse (in Blickrichtung) und in allen Adressbüchern vorhanden. Zeitweiliges Gewerbe im Haus wurde von Katharine Schmitt betrieben, "Gesindevermieterin und Spitzenhandlung" (1906), später "Spezial-Spitzengeschäft Kath. Schmitt" (1917 ff.). Im Adressbuch 1937 war als Besitzer "Kath. Schmitt, Erben" eingetragen, und möglicherweise wurde das Geschäft kurzzeitig von einer neuen Inhaberin weitergeführt. Bereits 1939 hatte das Haus erneut den Besitzer gewechselt. Bis 1951 mindestens gehörte es dem Rentner Johannes Haas und 1954 einer Elisabeth Neher. Vor 1957 hatte sich dann die Stadt Gießen das Haus gekrallt. Waren in der Nr. 26 bis einschließlich 1939 lediglich ein oder zwei Mieter gemeldet, stieg die Zahl 1951 sprunghaft auf sieben an, wie auch in vielen anderen Häusern Gießens eine Folge zerstörten Wohnraums und des Zustroms an Flüchtlingen. Wenn man die Bilder des Hauses betrachtet, welches turmartig schmal und hoch war, kann man sich vorstellen, dass es damals eng zuging. In einer Fernsehreportage des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 1964 über den "verkehrsgerechten" Ausbau der Stadt wurde der Abriss von Nr. 26 prominent eingefangen.
Hausnummer 28 Das Eckhaus an der Löwengasse war in allen recherchierten Adressbüchern eingetragen. Vom Äußeren und den Bewohnern gehörte es sicher zu den besseren im Viertel. Besitzer waren durchgehend Mitglieder der Familie Georg, 1906 zuerst "Ludwig Georg, Rentner", und zuletzt "Georg, Erben". Auch wohnten in allen Jahren Personen aus der Familie Georg im Haus, im Adressbuch 1954 gleich vier. Anscheinend wurde das Haus nach dem Krieg zumindest zeitweilig als Privatpension geführt. In den Adressbüchern 1957 und 1959/60 tauchte dann die Stadt Gießen als Eigentümerin auf. Als das Teufelslustgärtchen 1964 abgerissen wurde, war dieses Haus zusammen mit Nr. 26 eines der letzten, welches dem Bagger zum Opfer fiel. |