Hausnummern in der Kaplansgasse 1906 – 1954
Destilliert aus den online zur Verfügung stehenden Adressbüchern 1906, 1917, 1920 – 1922, 1925, 1927, 1931, 1937, 1939, 1951 und 1954, einer Skizze des Planungsamts von 1948, und dem Kriegsschadensplan der Stadt Gießen vom Mai 1947.
Von Gunter Klug
Die Hausnummer 1 war im Betrachtungszeitraum nie belegt, wobei auf dem logischen Platz von Nr. 1 das Haus Geisse mit der Adresse Seltersweg 2 stand. Ebenfalls nie belegt war eine Hausnummer 16, obwohl das letzte registrierte Haus auf der geraden Seite Nr. 18 war, Eine Nr. 4 gab es, offenbar als Neubau, erstmals im Adressbuch 1954. Bis einschließlich 1927 existierte eine Nr. 5 und eine Nr. 5A. Im Zuge eines Neubaus entfiel Nr. 5A, stattdessen gab es ab 1931 an dieser Stelle eine Nr. 7, eine Hausnummer, die in den Adressbuchjahren zuvor noch nicht belegt war. Infolgedessen verschob sich ab 1931 die Nummerierung auf der ungeraden Seite für alle auf 7 folgenden Häuser um eine Hausnummer, gut erkennbar auf einem Foto mit sichtbarer Nummer „17“ am Haus der Schlosserei Pfaff, welches auf späteren Bildern ein Schild mit „19“ trug. Auf der ungeraden Seite der Kaplansgasse lief die Nummerierung bis Nr. 27 (ab 1931 Nr. 29), auf der geraden Seite endete die Zählung mit Nr. 18. Die Diskrepanz erklärt sich damit, dass die linke Seite der Kaplansgasse zwischen Nr. 5 und Nr. 17 (19) eine große u-förmige Ausbuchtung hatte, in der die Häuser 5A (7) bis 15 (17) von der Straßenfront ein gutes Stück zurückversetzt standen, die hinteren mit der Rückwand am Teufelslustgärtchen, und auf der linken Seite daher entsprechend mehr Hausummern zu vergeben waren. Einschneidende Änderungen in der Kaplansgasse gab es im Betrachtungszeitraum zum einen durch den Umstand, dass Adolf bzw. Gustav Geisse ihren ursprünglichen Lebensmittel- Einzelhandel vor 1944 kontinuierlich ausbauten (Kaffee-Großrösterei, Lebensmittelgroßhandel) und im Zuge dessen auf beiden Straßenseiten ab dem Kreuzplatz immer mehr Grundstücke und Häuser aufkauften, und zum anderen durch die Luftangriffe 1944, bei denen große Teile der Bebauung links und rechts zerstört wurden. Auf der linken Seite standen, zum Teil beschädigt, hinter der Einmündung Katharinengasse noch drei Häuser, auf der rechten Seite nur noch zwei kurz vor der Bahnhofstraße.
Kaplansgasse 2 Das erste Haus hinter dem Eckhaus mit der Adresse Kreuzplatz 8 gehörte 1906 dem Friseur Hermann Plank, der dort auch sein Frisier- und Parfümeriegeschäft betrieb. 1917 war Plank bereits umgezogen (und betrieb noch lange Jahre sein Geschäft in Gießen), der neue Besitzer Johannes Hammermann (ein Juwelier, dem auch das |
Haus Kreuzplatz 8 gehörte) vermietete dort ein „Geschäftsbureau und Magazin“ an Karl (Carl) Brück (ebenfalls ein Juwelier, mit Ladengeschäft im Haus Kreuzplatz 8) sowie zwei Privatwohnungen. Daran änderte sich im großen und ganzen bis 1927 nichts, zeitweilig residierte auch ein Goldschmied namens Targon im Haus. Anschließend verschwand Kaplansgasse 2 zwischen 1927 und 1931 aus dem Adressbuch, gestützt durch wenige Fotos kann man davon ausgehen, das an dieser Stelle unter der Adresse Kaplansgasse 6 von Geisse neu gebaut wurde.
Die Kaplansgasse 3 war ein reich verziertes Fachwerkhaus, welches vom Lebensmittelhänder Geisse (Ladengeschäft im Eckhaus Seltersweg 2) als Lagerhaus genutzt wurde. Das Haus fiel wie auch die benachbarten Häuser bei Luftangriffen im Dezember 1944 den Bomben zum Opfer.
Kaplansgasse 4 Diese Adresse findet sich erstmals im Adressbuch 1954, nachdem hier der Wiederaufbau der komplett zerstörten Umgebung betrieben wurde. Besitzer war der Geschäftsinhaber Friedel Eidmann.
Kaplansgasse 5 Nr. 5 gehörte 1906 noch dem Bauunternehmer Heinrich Winn. 1917 war als Eigentümer eine „Hoch- und Tiefbaugesellschaft“ im Adressbuch vermerkt, die man wohl in Zusammenhang mit Winn bringen darf. Gab es 1906 noch keine Mieter, hatte sich dort 1917 der Polsterer und Tapeziermeister Otto Bingel niedergelassen, der dazu auch eine Möbelhandlung betrieb. Im zweiten Stock waren Privatwohnungen vermietet. Im Zeitraum bis 1920 wurde Bingel auch Eigentümer. Diese Konstellation blieb so bis 1927. Zwischen 1927 und 1931 entfiel die Hausnummer 5A, nach Fotos zu urteilen die rechte Haushälfte mit eigenem Eingang, und wurde zur Nr. 7. Zwischen 1931 und 1937 gab es einen Eigentumsübergang auf Gustav Geisse, vermutlich verbunden mit einem Neubau, bei dem auch Hausnummer 5A (7) verschwand. Fortan stand in den Adressbüchern unter Nummer 5 nur noch „Lagerräume“ der Fa. Geisse. Auch dieses Gebäude wurde bei den Luftangriffen 1944 zerstört.
Kaplansgasse 6 Im Adressbuch 1906 war diese Adresse noch nicht eingetragen. 1917 war Nr. 6 als Eigentum der Fa. Geisse ausgewiesen, der auch hier Lagerräume unterhielt. Dies blieb unverändert so, bis das Haus 1944 zerstört wurde. – WEITER IM TEXT  |
Kaplansgasse 7, vor 1931 Nr. 5A bzw. 5B Im Adressbuch 1906 noch unter 5B aufgeführt, stellte diese Adresse die rechte Hälfte des Doppelhauses 5 dar. 5 und 5A (5B) hatten damals noch unterschiedliche Eigentümer, für 5A (5B) war dies zunächst der Schreinermeister Friedrich Drahn und in 1917 ein Theodor Geilfus, der aber im Gegensatz zu Drahn nicht im Haus wohnte. Waren 1906 auch noch Mieter in der 5A, sind für 1917 zunächst keine gelistet, erst 1920 sind zwei Mieter von Herrn Geilfus eingetragen. Gleich nach 1920 verkaufte Geilfus seine Haushälfte an den Besitzer von Nr. 5, Otto Bingel. Fortan nutzte Bingel das Erdgeschoss der 5A als Möbellager und Werkstatt und vermietete die oberen Geschosse an privat. Zwischen 1927 und 1931 wurde der Haushälfte 5A eine eigene Hausnummer 7 zugewiesen. Danach erfuhr die 5A (7) das gleiche Schicksal wie Nr. 5, siehe dort.
Kaplansgasse 8 1906 gehörte das Haus den Gebrüdern Windecker, die hier eine „Kolonialwarenhandlung en gros“ unterhielten. 1917 hatte sich die Firma Geisse auch dieses Haus, wohl zusammen mit dem Geschäft geschnappt, das Adressbuch vermerkt „Lagerräume“. Ab 1920 nutzte Geisse das Haus als „Lebensmittelgroßhandlung“ (1927: „Kolonialwarengroßhandlung“). 1944 zerstört.
Kaplansgasse 9, vor 1931 Nummer 7 Unter Nr. 7 war im Jahr 1907 eine dem Spenglermeister Christian oder Christoph Rosenberg gehörende Scheune eingetragen, welche aber die nächsten 10 Jahre nicht überstanden hat, denn 1917 fehlte die Hausnummer im Adressbuch. Erst 1931 war an dieser Stelle wieder etwas eingetragen, nämlich das Eigentum eines Herrn Lüdeking, genutzt als Lagerraum. Zu diesem Zeitpunkt hatte aber bereits eine Verschiebung der Hausnummern auf der linken Seite der Kaplansgasse stattgefunden, sodass Herr Lüdeking unter der Nr. 9 firmierte. Zwischen 1931 und 1937 übernahm Geisse auch diese Räumlichkeiten für seinen unersättlichen Lagerraumbedarf. 1944 zerstört.
Kaplansgasse 10 Haus mit einer längeren Geschichte in der Gastronomie. 1906 war als Besitzerin die „Actien- Brauerei Gießen“ im Adressbuch eingetragen, ohne Pächter/Mieter. Zehn Jahre später hieß die Besitzerin „Union-Brauerei“, und Karl Wirth betrieb in der 10 die Wirtschaft „Zur Traube“. Die restlichen Räume waren an privat vermietet, unter anderen hatte offenbar ein Kellner von Wirth dort Quartier bezogen. Der war dann im Adressbuch von 1920 vom Kellner zum Schuhmacher mutiert, und 1921 wieder zum Kellner (eine der Merkwürdigkeiten, die einem in den Adressbüchern immer mal wieder begegnen und offenbar menschlichen Unzulänglichkeiten der Adressbuchmacher zugeschrieben werden müssen). 1921 und 1922 war der Hausbesitzer ein Otto Schmidt aus Launsbach. Bis 1925 fand ein weiterer Eigentümerwechsel zu Carl Frensdorf statt, der offenbar auch in Zusammenhang mit einer Schließung der Wirtschaft stand, denn im Parterre befand sich jetzt eine nicht näher bezeichnete Werkstatt. Der Gastwirt wohnte jetzt im ersten Stock, und bis 1927 sattelte er um und wurde Schreiner. Zwischen 1937 und 1939 gab es einen weiteren und letzten Eigentümerwechsel zu Adolf Geisse, der das Parterre als weiteren Lagerraum verwendete, ehe das Haus 1944 zerstört wurde.
Kaplansgasse 11, vor 1931 Nr. 9 Besitzer der Nr. 9 war laut Adressbuch 1906 der Sattlermeister Kilbinger, der selbst nicht im Haus wohnte. Nur im 1. Stock waren zwei Mieter registriert. 1917 nennt das Verzeichnis ein Lager von Besitzer Kilbinger ohne Nennung des Stockwerks. Zwischen 1917 und 1920 ging das Haus in den Besitz von Bernhard Blümig, der dort auch lediglich Lagerräume unterhielt. Privatmieter gab es keine mehr. Zwischen 1925 und 1927 zog die Kartonagenfabrikation J. Weinert KG ein, die auch noch 1939 unter dieser Adresse firmierte, seit 1931 als Hausnummer 11. Besitzer war bis zuletzt Bernhard Blümig. 1944 wurde das Haus zerstört.
Kaplansgasse 12 Für Menschen, denen Treppensteigen nichts ausmacht, unterhielt Händler Wilhelm Weil im Jahr 1906 in Nr. 12 |
eine Obst- und Gemüsehandlung im 3. Stock, wogegen Hausbesitzer Heinrich Enders, seines Zeichens Tapezierer und Dekorateur, zusammen mit Ehefrau Juliane, einer Hebamme, im Parterre residierte. Irgendwann vor 1917 zog Enders in den 1. Stock und überließ das Erdgeschoss dem Schuhmacher Hugo Henkel. Alle weiteren Räume waren privat vermietet. Bis 1920 gesellte sich zum Schuhmacher noch das Friseurgeschäft Hermann Schenk. Henkel zog nach 1921 auch in eine Wohnung im 2. Stock. Diese Belegung blieb bis 1927 stabil, zwischen 1927 und 1931 verkaufte Enders das Haus an Adolf Schwarz (nicht im Haus wohnend) und zog in den zweiten Stock. Die letzte im Adressbuch ablesbare Veränderung betraf die Schuhmacherei, deren Inhaber 1939 Karl Daubertshäuser war. Auch dieses Haus überlebte die Bombardierungen im Dezember 1944 nicht.
Kaplansgasse 13, vor 1931 Nr. 11 Haus Nr. 11 lag, wie Nr. 9, tief in der Einbuchtung der Kaplansgasse, mit der Rückseite zum Teufelslustgärtchen. Besitzer in 1906 waren die Gebrüder Windecker, die gegenüber in Nr. 8 eine Kolonialwarengroßhandlung betrieben. Zum Haus gehörte auch ein vermutlich kleines Hinterhaus, in dessen 1. Stock ein Kutscher wohnte (später nicht mehr als Hinterhaus im Adressbuch geführt). Die anderen Räumlichkeiten der 11 dürften als Lager der Windeckers gedient haben, ohne dass dies im Adressbuch explizit erwähnt wird. 1917 gehörte Nr. 11 dann zum expandierenden Unternehmen von Adolf Geisse. Daran ändert sich bis einschließlich 1939 – außer der Hausnummeränderung 1931 – nichts mehr. 1944 zerstört.
Kaplansgasse 14 In diesem Haus unterhielt in 1906 Besitzer Wilhelm Bohling seinen Tapezier- und Polsterer- Meisterbetrieb. Am Rande erwähnt: Zu den Mietern zählte eine „Obertel.-Assist. Wwe“, man kann dem entnehmen, welche Bedeutung das damals noch neue Telefon hatte. Bis 1917 muss mit Bohlings Geschäft etwas schiefgegangen sein, denn der neue Hausbesitzer war die Gewerbebank Gießen. Familienmitglieder von Bohling wohnten noch bis 1937 als Mieter im Haus. Die Gewerbefläche im Erdgeschoss wurde von Schuhmacher Heinrich Prescher genutzt. Vor 1920 hatte die Gewerbebank eine neue Eigentümerin gefunden: Ernestine Georges, die eine Wäscherei und Büglerei im Parterre betrieb, neben Schuhmacher Prescher. Bereits 1921 hatte das Haus wieder einen neuen Eigentümer, Schuhmacher und Wäscherei waren raus, jetzt residierte Georg Krauskopf, ein „Privatier“, im Erdgeschoss. Ein Gewerbe wird nicht erwähnt. Zwischen 1927 und 1931 starb Eigentümer Krauskopf, das Haus ging an seine Witwe Katharina Krauskopf über. In diesem Jahr war das Haus durch 8 Mietparteien gut gefüllt. Seit irgendwann zwischen 1927 und 1931 wohnte eine Frau Rosa Stanelle (anfangs „Stanalle“ geschrieben) im Haus, und irgendwann in den 1930ern wurde sie die neue Eigentümerin, so im Adressbuch 1937 nachzulesen, und blieb es, bis sie zwischen 1951 und 1954 verstarb. 1954 gehörte das Haus ihren Erben. Nummer 14 war auf der rechten Seite der Kaplansgasse das erste Haus, das nach dem Krieg noch bewohnbar war.
Kaplansgasse 15, vor 1931 Nummer 13 1906 gehörte dieses Haus Metzgermeister Jakob Braun, der es jedoch nicht selbst nutzte, sondern nur vermietete. Hatte Braun anfangs zwei Mieter, war es 1917 nur noch einer. Vor 1920 starb der Metzgermeister, seine Witwe erbte das Haus. Der treue und einzige Mieter, ein Arbeiter namens Martin Helfrich, blieb auch, nachdem Witwe Braun kurz nach dem Tod ihres Mannes an das Schuhhaus Wolff verkauft hatte. Ins Erdgeschoss, welches zuvor offenbar nie genutzt wurde, zog mit Heinrich Helferich ein Anstreicher- und Tapeziergeschäft ein (die Namensähnlichkeit zum Mieter ist wohl nur Zufall), und im ersten Stock wohnten jetzt zwei Mieter. Zwischen 1927 und 1931 wurde das Haus zu Nummer 15, und offenbar hörte das Schuhhaus Wolff irgendwann auf zu existieren, als Eigentümer war schlicht Heinrich Wolff registriert. Das Haus wurde zusammen mit seiner Nachbarschaft 1944 zerstört. – WEITER IM TEXT  |
Kaplansgasse 17, vor 1931 Nr. 15 1906 gehörte das Haus dem Bahnschreiner Ludwig Rohrbach, der als einzige Person im Adressbuch stand. Elf Jahre später hieß der neue, nicht im Haus wohnende Eigentümer H. Winn. er hatte zwei Mieter. Es handelte sich vermutlich um den Bauunternehmer Heinrich Winn, der in 1906 auch Besitzer von Nr. 5 war. Weitere drei Jahre später gehörte das Haus dem Kanalarbeiter Karl Pflüger, ein Indiz, dass das Gebäude klein und billig zu haben war. Pflüger blieb laut der Adressbucheinträge bis 1939 Eigentümer. Auch dieses Haus wurde 1944 zerstört.
Kaplansgasse 18 Nr. 18, das letzte Haus auf der rechten Seite der Kaplansgasse vor der Bahnhofstraße, befand sich 1906 im Besitz des Möbelfabrikanten Peter Kronenberg. Nicht nur betrieb er die Möbelherstellung im Erdgeschoss und im ersten Stock, er wohnte auch im Haus. Das änderte sich vor 1917, Kronenberg blieb zwar Hauseigentümer, schien aber sein Gewerbe verkauft zu haben. Das Adressbuch nennt als Mieter Jos(eph) Collisy, sein Gewerbe wurde als „Möbelfabrik-Lager“ eingetragen. 1920 hieß es dann „Möbelfabrik- u. -handlung“. 1921 trat ein neuer, nicht im Haus wohnender Hausherr namens „A. Brumlik“ auf den Plan, bei Collisy blieb alles beim Alten, auch im Folgejahr. Zwischen 1922 und 1925 gab es einen weiteren Eigentümerwechsel, jetzt gehörte die 18 „J. P. Mono“, er residierte im Parterre. Ob dieser Adressbucheintrag korrekt war, muss dahingestellt bleiben, denn 1927 hieß der Besitzer wieder A. Brumlik. Für Collisy änderte sich dadurch offenbar nichts wesentliches, außer dass jetzt im ersten Stock noch die Firma „J. Ittmann, Herren- und Damenkonfektion“ Einzug gehalten hatte. Während den vier folgenden Jahren tat sich im Haus so Einiges, 1931 jedenfalls hieß der neue Eigentümer Bezirkssparkasse Gießen, was auf finanzielle Schwierigkeiten des Vorbesitzers hinweisen könnte. Vermutlich war im Haus auch umgebaut worden, den es gab jetzt sechs Wohnungsmieter im ersten und zweiten Stock, darunter der angebliche Kurzzeit-Eigentümer von 1925, J. P. Mono, seines Zeichens Kaufmann. Während Collisy im Erdgeschoss unverdrossen weiter mit Möbeln handelte, verzeichnete die Herren- und Damenkonfektion im ersten Stock als neuen Inhaber S. & M. Charak. Nach 1931 stieß die Bezirkssparkasse das Haus wieder ab, in 1937 hieß der nächste Besitzer Jakob Schupp, der mit Zweirädern handelte. Dabei wurde er auch Nachfolger von Joseph Collisy in den Gewerberäumen. Das Adressbuch 1939 verzeichnete keine Veränderungen. Nach dem Krieg fand das Haus als neue Eigentümerin Liesel Müller, Schupps Zweiradhandlung blieb aber als Mieter erhalten (1951 und 1954).
Kaplansgasse 19, vor 1931 Nr. 17 Dieses Haus, als erstes nach der Ausbuchtung der Kaplansgasse wieder direkt an der Straße stehend, gehörte viele Jahre der Schlosser-Familie Pfaff und ist bereits im ersten hier ausgewerteten Adressbuch 1906 dort eingetragen. Dazu gab es meist auch immer einen oder mehrere private Mieter. In 1925 und 1927 waren als Eigentümer „Pfaff, Carl, Erben“ vermerkt, jedoch in 1931 – nach der Hausnummernänderung auf 19 – wieder Carl Pfaff. Zwischen 1931 und 1937 muss Karl Pfaff (jetzt wieder mit „K“) gestorben sein und das Haus wurde auf seine Witwe Marie Pfaff eingetragen. Der Betrieb wurde zunächst von Karl Klinkerfuß weitergeführt, war aber in 1939 nicht mehr im Adressbuch registiert. Das Haus ist auf mehreren Fotos aus dem Stadtarchiv zu sehen, mitsamt Hausnummer und dem Namen des Schlossers an der Wand. 1944 zerstört.
Kaplansgasse 21, vor 1931 Nummer 19 Dieses Haus gehörte im Jahr 1906 der Actien-Brauerei Gießen, und im Parterre wohnte Heinrich Krausmüller, der als Beruf „Laternenwärter“ angegeben hatte. Lassen wir den Kalauer mit „einen auf die Lampe gießen“ weg? Ok, nicht weglassen. Entweder wurde aus der Actien-Brauerei dann die Union-Brauerei, oder das Haus wurde bis 1917 an letztere verkauft. Was aus dem Laternenwärter wurde, ist nicht überliefert, vielleicht bekam er eine Anstellung bei Lili Marleen. 1921 gehörte das Haus immer noch der Brauerei, aber bereits im Adressbuch des Folgejahres hieß der Eigentümer Wilhelm Römer, nicht im Haus wohnend. Dafür gab es neun Mietparteien, mit einer für das Viertel typischen Zusammensetzung aus Tagelöhnern, Arbeitern, Händlern und Handwerkern. Zwischen 1922 und 1925 folgte ein weiterer Eigentümerwechsel, der Vermieter hieß jetzt „H. Wehrum“ (1927: „Wilhelm Wehrum III“) und wohnte in Watzenborn. Zwischen 1927 und 1931 erfolgte dann der nächste Verkauf, Eigentümerin wurde „Börstel, Prof., Frau“, wie das Adressbuch kryptisch vermeldet. Auch die neue Besitzerin wohnte nicht im Haus. In 1937 entfiel „Prof., Frau“, stattdessen hieß es jetzt Ottilie Börstel, und 1939 „Börstel, Albert“. Sonst blieb alles beim alten, und im Dezember 1944 endete die Geschichte der Kaplansgasse 21.
Kaplansgasse 23, vor 1931 Nummer 21 Nummer 23 ist ein in mehrfacher Hinsicht interessantes Gebäude. Zum einen ragt es, an der Ecke zur Katharinengasse gelegen, aus den umgebenden Gebäuden hervor, zum anderen ist es eines der wenigen Gebäude in der Kaplansgasse, welche den zweiten Weltkrieg überlebt haben. Auf Nachkriegsfotos und -filmaufnahmen, die aus Richtung Neuenweg bzw. Seltersweg gemacht wurden, erkennt man es sofort, auch weil rundum nur Trümmer zu sehen sind. 1906 gehört das recht geräumige, in die Katharinengasse hineinragende Haus „Asprion“, womit wahrscheinlich der Getränkehändler Friedel & Asprion gemeint ist, dessen Gießener Hauptniederlassung damals an der Johannesstraße stand. Nicht von ungefähr kommt es daher wohl, dass im Erdgeschoss Pächter Fritz Euler seine Wirtschaft „Zur Stadt Pfungstadt“ betrieb. Und in der 3. Etage gab es dazu noch einen Flaschenbierhändler. 11 Jahre später verzeichnete das Adressbuch Eugen Asprion in Koblenz als Eigentümer, während die Wirtschaft unverändert blieb. Weitere drei Jahre später hatte dort der neue Pächter Emil Funke übernommen, jedoch den Namen der Gastwirtschaft beibehalten. In 1921 war dann auch ein neuer Vermieter im Adressbuch notiert, Funke musste jetzt seine Pacht an „Hochscheit, Bad-Nauheim“ zahlen. 1922 war der Vermieter zu „Karl Hochscheit“ mutiert, hatte wohl auch die Wirtschaft übernommen (die übrigens als Restaurant firmierte, wie man einem zeitgenössischen Foto entnehmen kann), und sich im Haus niedergelassen. Dieser Status blieb bis 1939 |
unverändert, auffällig ist, dass die Zahl der Mieter über die Jahre kontinuierlich abnahm und bis 1939 auf einen Letzten im zweiten Stock gesunken war. Laut dem Kriegsschadensplan von 1947 blieb das Haus im Dezember 1944 unversehrt, was aber nicht ganz stimmen kann, weil auf einem frühen Nachkriegsfoto von etwa 1950 leere Fensterhöhlen und Schäden am Dach erkennbar sind, die dann aber repariert wurden. Die Verwerfungen dieser Zeit brachten irgendwann zwischen 1939 und 1951 mit „Rose, Friedel Ww.“ eine neue Besitzerin (es ist zu vermuten, dass es sich dabei um die Inhaberin der späteren Lebensmittelhandlung in der Löwengasse 28 handelte). Die Gastwirtschaft gab es 1951 nicht mehr, in ihren Räumen hatte sich das „Fischhaus Cuxhaven“ der Trentelmann KG niedergelassen. Im letzten hier betrachteten Adressbuch war das Fischhaus durch die Farbenhandlung Helmut Schmidt abgelöst worden. Ob das geruchstechnisch ein Gewinn war, sei dahingestellt. Auf einem um 1970 entstandenen Zeitungsfoto sieht man, dass im Erdgeschoss nun ein „Art Shop“ namens „Avantgarde“ eingezogen war, der aber nicht bleiben konnte, weil die Stadtplanung dem Kaufhaus Horten den Platz freiräumte und so die Geschichte der Kaplansgasse 23 beendete.
Kaplansgasse 25, vor 1931 Nummer 23 Das vorletzte an der Straße stehende Haus war 1906 im Besitz von Peter Walter, einem Installateur, der im zweiten Stock wohnte. Im Parterre hatte eine „Lumpensortierin“ ihr Geschäft. Obwohl recht geräumig, ist im 1. Stock niemand verzeichnet, nur auf der Etage des Besitzers wohnte noch eine Mieterin. Das Adressbuch 1917 fand Eigentümer Peter Walter nun im 1. Stock, außer Installateur firmierte er jetzt noch als „Bierdruckapparatkontrolleur“, was immer für eine Profession das war. Die Mieterschaft hatte in den zuvor vergangenen 11 Jahren komplett gewechselt und sich auf vier erhöht, nunmehr war auch der „3. Stock“ bewohnt (auch dies vermutlich ein Adressbuchfehler). In 1920 war diese Etage jedoch wieder verschwunden, und im Erdgeschoss war jetzt ein Schuhmacher tätig. Im Folgejahr korrigierte das Adressbuch den Namen „Walter“ auf „Walther“, und das Haus war jetzt auf eine Marie Walther eingetragen, wohl die Ehefrau des Peter, der sich nunmehr als Installateur und Pumpenmacher bezeichnete. Der Erdgeschoss-Schuhmacher war einem Erdgeschoss-Schirmmacher gewichen. Mit diesem, den Besitzern, drei Mietparteien im 1. Stock und zwei im 2. Stock war das Haus 1922 so voll wie nie zuvor, und 1925 waren es noch mehr. In 1927 gab wieder nur noch vier Mieter, und Peter Walther nannte sich jetzt „Kontrolleur“. 1931, nunmehr Hausnummer 25, hatte der Kontrolleur nur noch drei vermutlich finanzschwache Mieter, zwei Witwen und einen „Invaliden“, was in den frühen Adressbuchjahren wie eine Berufsbezeichnung hinter den Namen stand. Offenbar ging es weiter bergab: 1937 ist Marie Walther Witwe, und neben einem Schreiner und einem „Rentenempfänger“ wohnten noch drei Witwen im Haus. 1939 sah dann nur noch zwei Witwen und den besagten Rentner als Mieter. In den Nachkriegs-Adressbüchern 1951 und 1954 ist das Haus nicht mehr aufgelistet, im Kriegsschadensplan von 1947 jedoch als unbeschädigt markiert. Auch eine Planskizze des Stadtbauamtes von 1948 hat Nummer 25 noch eingezeichnet. Auf Nachkriegsfotos und -filmen um 1950 ist jedoch hinter Nr. 23 bereits eine Baulücke zu sehen, also kann man den Abbruch des Hauses auf etwa 1948/1949 eingrenzen.
Kaplansgasse 27, vor 1931 Nr. 25 Dieses Haus, 1906 im Eigentum des Fuhrunternehmers Heinrich Karpf, stand im wahrsten Sinne des Wortes im Schatten seiner Nachbarn, denn es war auf eine Hinterhoffläche des Dreiecks Katharinengasse, Kaplansgasse, und Bahnhofstraße gebaut, wohl mit Zugang von allen drei Straßen aus. Irgendwann in einem der folgenden 11 Jahre verkaufte Karpf das Haus an Peter Berg, den Inhaber der Gaststätte bzw. „Restauration“ in der Bahnhofstraße 11. 1920 zählte – offenbar nur kurzfristig, denn im Folgejahr war sie schon wieder verschwunden – die orthopädische Werkstätte von Ludwig „Peppler“ (richtig: Bepler) zu den Mietern. Um diese Zeit herum verstarb der Gastwirt Peter Berg, und seine Witwe Elise Berg trat als Besitzerin und Vermieterin sein Erbe an. In 1925 verzeichnete das Adressbuch erneut die Werkstatt von Ludwig Bepler als Mieter (nebenbei: der Mann wurde auch Pächter der Berg’schen Wirtschaft in der Bahnhofstraße 11, nachdem Elise Berg dieses Haus an das Gießener Brauhaus verkauft hatte). In 1927 gab es keinen Peppler/Bepler mehr im Haus, dafür die „Manufakturwarenhandlung“ von Marie Hendrich. Die gab es auch noch 1931. Das Jahr 1937 sah mit dem „Gießener Brauhaus“ einen neuen Hauseigentümer, der es aber offenbar nur auf das Grundstück abgesehen hatte, denn im Stadtarchiv Gießen gibt es ein mit „19.I.1938“ datiertes Foto, welches der Abriß der Kaplansgasse 27 zeigt.
Kaplansgasse 29, vor 1931 Nr. 27 Das „last house on the left“ der Kaplansgasse gehörte 1906 dem Glasermeister Georg Schmitt, der das Parterre sowie den 1. Stock nutzte. In 1917 befand sich das Haus im Besitz der „Sparkasse zu Beuern“ und beherbergte in den ehemals Schmitt’schen Räumlichkeiten nunmehr den Schneider und Friseur Wilhelm Karnbach. Dieser kaufte das Haus bald darauf, es sollte bis zum Schluß Eigentum der Karnbachs bleiben. Im 2. Stock residierte 1917 der Dienstmann und Fuhrunternehmer Adolf Best, der noch vor 1920 in der Katharinengasse das Haus Nummer 14 erwarb und dort später auch einzog. Zwischen 1925 und 1927 hatte Karnbach die Schneiderei aufgegeben und sich fortan auf Haar- und Hautpflege konzentriert. 1931 firmiert Karnbachs Geschäft, nunmehr mit der Adresse Kaplansgasse 29, als „Damenfrisiergesch., Parfümerien-, Seifen- u. Toilettenartikelhandlung, Maskengarderobe“. Bis 1939 hatte sich das – womöglich aus Platzgründen im Adressbuch – wieder auf „Damenfrisiergeschäft“ reduziert. 1951, das Haus hatte den Krieg überlebt, war das Frisiergeschäft auf den neuen Inhaber Anton Schäfer übergegangen. Dies war mehr oder weniger auch der letzte Eintrag im Jahre 1954. Um 1970 herum fällt auch dieses Haus den Baggern auf der Horten-Baustelle zum Opfer. |