 |
 |
Löwengasse
Gebäude, Bewohner
Straßen- und Häuserplan Haupttext Seite 2 
Katharinengasse Teufelslustgärtchen Kaplansgasse Bahnhofstraße Seltersweg Wolkengasse  |
Mit Raubtieren, biologisch, zoologisch, hat der Straßenname nichts zu tun, sondern mit dem Handwerk der Lohgerberei, also dem Gerben von Tierhäuten zur Herstellung von Lederwaren. Die alte Löwengasse war ungefähr 145 Meter lang und eine richtige Stadtstraße: keine Bäume, kein Springbrunnen, Gehwege auf beiden Seiten und fast überall gleich breit, im Durchschnitt 7,60 Meter; am Seltersweg gut 8 Meter. An der Bahnhofstraße betrug die Beite etwa 7 Meter und auf Höhe des Teufelslustgärtchens circa 8 Meter. Aufgrund des beim Wiederaufbau stark zurückversetzten Gebäudes Seltersweg 28 sind es dort heute knapp 16 Meter in der Breite. Links und rechts wurde die Löwengasse gesäumt von eher kleinen, meist historischen Fachwerkgebäuden. Hinzu kamen einige größere, modernere Bauten, Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden, so das Eckgebäude Seltersweg 38 (heute Nr. 28), Nr. 3/5, Nr. 9, Nr. 18 und 20 an der Ecke zur (alten) Katharinengasse. Und, die Löwengasse heute an der Bahnhofstraße hat mehr von einem Durchzwängen zwischen zwei Gebäuden als einer Straße. Früher mündete sie gegenüber der Mühlstraße in die Bahnhofstraße.
Die Längen- und Flächenangaben ermittelt anhand des Urkatasterplans um 1900. |
|
 |
 |
Löwengasse 2
ca. 1929
Quelle: N.N. (evtl. Ansichtskarte)
Bemerkung: Gaststätte Zum Schoppenschmid; das zweite Haus auf der rechten Seite vom Seltersweg aus. Der Anbau könnte Löwengasse 4 sein, jedoch nicht gesichert. |
Löwengasse 3 bzw. 3/5
1950er
Quelle:Karl-Heinz Brunk
Bemerkung: Linke Seite der Löwengasse mit Blick zur Bahnhofstraße, Nachbar links von Nr. 9. Nr. 5, wahrscheinlich ähnliche Architektur, stand weit zurück versetzt hinter Nr. 9. Die gesamte Zeile wurde für die Trassierung der neuen Katharinengasse abgerissen. |
 |
 |
Löwengasse 6 + 8
um 1900
Quelle: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Blick zum Seltersweg, die (alte) Zählweise von dort aus. Das Haus rechts neben dem Schuppen ist Nr. 6, der Schuppen selbst evtl. Nr. 8, links Nr. 10. Im Hintergrund die 2015 rekonstruierte Hälfte des Hauses Croon mit Erkerturm an der Ecke Goethestraße |
Löwengasse 10, Ecke Teufelslustgärtchen
1930er
Quelle: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Das Schild über dem Inhabernamen verrät es: das Eckhaus zum Teufelslustgärtchen, nach neuer Zählweise Nr. 10. Der Gebäudekomplex, heute Nr. 6, befindet sich an der Katharinengasse und hat keine Ähnlichkeit mit dem Vorgängerbau, ist deutlich größer. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite residieren heute das Bekleidungshaus Köhler und das Tabakwarengeschäft Moeser. |
| |
|
Hausnummern in der Löwengasse 1906 – 1959/60
Destilliert aus den Adressbüchern 1906, 1917, 1920, 1921, 1922, 1925, 1927, 1931, 1937, 1939, 1941, 1949, 1951, 1954, 1957 und 1959/60, dem Kriegs-schadensplan der Stadt Gießen vom Mai 1947, einer Skizze des Planungs-amts von 1948, sowie Bekanntmachun-gen aus der lokalen Presse.
Von Gunter Klug
Vorbemerkung: Zwischen 1927 und 1931 wurden die geraden Hausnummern auf der rechten Straßenseite im Rahmen einer stadtweiten Neubewertung der Grundstücks- und Bebaungs-situation abgeändert. Das letzte Haus auf der rechten Seite (Eckhaus zur Bahnhofstraße), 1927 noch mit der Hausnummer 34 eingetragen, wurde – bis zum endgültigen Ende des Quartiers – zur Nr. 28. Die Hausnummern 4 und 7 sind im gesamten Betrachtungszeitraum nicht vorhanden. 1944 wurde alle Häuser auf der rechten Seite der Löwengasse bis zur Einmündung Teufelslustgärtchen zerstört. Da im ersten Nachkriegs-Adressbuch 1949 der Teil "Straßen und Häuser in Gießen" fehlt und nur das alphabetische Einwohner- und Firmenverzeichnis enthalten ist, konnten hier nur wenige Informationen bezogen werden.
Hausnummer 2 Bis 1944 fand man unter Nr. 2 das Wirtshaus "Zum Schoppenschmid". Hausbesitzer war 1906 die Actien-Brauerei Gießen und zwischen 1917 und 1921 die Union-Brauerei, ab 1922 dann der Wirt Wilhelm Schmid selbst. Schmid starb vor 1941, seine Witwe Katharina Schmid übernahm den Betrieb. Das Haus wurde 1944 zerstört. Vor einem Neubau waren 1954 und 1959/60 zwei Behelfsläden auf dem Grundstück angezeigt (Besitzer: Stadt Gießen), eine Gemüsehandlung unter Nr. 2 (Inhaber Kurt Odrich) und eine "Erfrischungshalle" (auf gut hessisch: "Büdche", Inhaberin Ida Berkholz) unter Nr. 2A. Merkwürdigerweise fehlen diese Einträge 1957, vielleicht waren diese Provisorien den Adressbuchredakteuren dieses Jahrgangs zu popelig.
Hausnummer 3/5 Besitzer 1906 bis 1921 war Christian Reiber aus Frankfurt, ab dem Adressbuch 1922 dann Wil-helm Moeser. Bis zum Erscheinen des Adressbuchs 1927 wurde Nr. 3/5 als Doppelhaus gelistet. Das Haus wurde 1931 und später Teil von Haus Seltersweg 38 ("Eing. Löwengasse"). Ein gewerblicher Mieter war die Herren- u. Damenschneiderei Philipp Heiß im Parterre. Der in der Löwengasse gelegene Hausteil wurde um 1960 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Hausnummer 5 (1906 bis 1927 mit Zusatz "A") Es handelte sich hierbei sehr wahrscheinlich um ein Hinterhofgebäude mit Zufahrt zwischen Seltersweg 38 und Löwengasse 9. Falls das so stimmt, wurde es Anfang der 1960er Jahre für die Trasse der neuen Katharinengasse abgerissen. Besitzerin war 1906 bis 1917 Hermine Scherff "Bau- und Blankglaserei, Bildereinrahmengeschäft". 1920 waren dann August Hauck und Carl Marth neue Eigentümer und blieben es bis 1951. Im selben Adressbuch hatte die Glaserei – jetzt als "Glaserei und Schreinerei" – den neuen Inhaber Heinrich Marx. 1927 wurde die Glaserei zur "Glaserei H. Scherff Nachf. Inh. Heinrich Marx", und im Adressbuch 1931 zur "Mechanischen Glaserei". Das Geschäft existierte bis mindestens 1959/60. 1954 ging der Hausbesitz an H. Scherff, Erben.
Hausnummer 6 1906 war der Friseur Heinrich Tichy Besitzer der Nr. 6, 1917 bis 1941 gefolgt von Elisabeth Tichy, jeweils nicht nicht im Haus wohnend. 1906 hatte der Friseur die Wohnungen offenbar noch an seine Belegschaft vermietet, gleich drei Friseurgehilfen tummelten sich im Haus. Durchgehender Mieter 1917 bis zur Zerstörung war Jo-hann Adler, 1917 städtischer Straßenwärter, 1920 Straßenwart, 1921 Schreiber, ab 1927 Schuhmacher. 1917 bis 1931 war im Parterre der Korbmacher Johann Glöckle mit seinem Geschäft Mieter, ab 1937 stattdessen der Friseur Hugo Möhl (vorher Bahnhofstraße 11). Das Haus wurde 1944 zerstört, in den Nachkriegsadressbüchern wurde die Hausnummer nicht mehr geführt.
Hausnummer 8 (bis 1927 Nr. 10) In den Adressbüchern 1906 bis 1927 gab es keine Nr. 8, stattdessen wurde das Haus (1906 Besitzer Fritz Rosenbaum, Schreinermeister, 1917 – 1941 Besitzerin Marie Rück) unter Nr. 10 geführt. 1944 zerstört, wurde das Haus im Adressbuch 1951 nicht mehr gelistet. 1954 nannte das Adressbuch unter Nr. 8 "Marianne Graf, Laufmasch.-Rep.-Anstalt", ab 1957 lediglich "‘Expreß’-Laufmaschen-Reparatur-Anstalt". Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um das von Manfred Aulbach so genannte "Strumpflädchen" handelt, ein Behelfsbau kurz vor der Ecke zum Teufelslust-gärtchen und auf etlichen Fotos aus den 1950ern zu sehen.
Hausnummer 9 Dieses Haus, direkt gegenüber der Einmündung des Teufelslustgärtchens, hatte architektonische Ähnlichkeiten mit der ehemalien 3/5. Besitzer 1906 bis 1927 war Karl Pfeil, Schreinermeister, 1931 Friedrich und Otto Pfeil, 1937 bis 1941 Charlotte Pfeil, Wwe., sowie Pfeil, Erben 1951 und 1954. Danach kaufte die Stadt Gießen das Haus und stopfte es wie auch bei anderen von ihr gekauften Häusern voll mit Mietern. Die Hochzeit der Ein-Zimmer-Wohnungen. Es ist unklar, jedoch wahrscheinlich, dass der im Parterre eingetragene Karl Pfeil dort auch eine Schreinerei betrieb. Zum Haus gehörte auch ein Hinterhaus, dessen Hauptmieter, der Maler und Weißbinder Ludwig Schardt, mindestens bis 1949 dort gemeldet war (1927 war Schardt im ersten Stock gelistet, für das Hinterhaus gab es unerklärterweise in dieser Adressbuchausgabe wie auch in den 1950ern keine Einträge). Anfang 1960er erfolgte der Abriss für den Bau der neuen Katharinengasse.
Hausnummer 10 (bis 1927 Nr. 12) In den Adressbüchern wurde dieses Haus 1906 bis 1927 als Nr. 12 geführt und stellte das Eckgrundstück vor der Einmündung des Teufelslustgärtchens dar. 1906 war als Besitzer Metzgermeister Franz Schmidt II, ab 1917 dann "Karl Amend, Schuhmachermeister, Obst- und Gemüsehandlung" [sic!]) geführt, zuletzt 1941 als "Karl Amend, Invalide". Zuvor war Amend Mieter in der Wolkengasse Nr. 5. 1931 verschwand die Berufsbezeichnung "Schuhmachermeister", und das Haus war jetzt mit 10 nummeriert. Es wurde, wie auch alle anderen Häuser auf der geraden Seite der Löwengasse zwischen Seltersweg und Teufelslustgärtchen, 1944 zerstört. Von diesem Haus gibt es ein Foto im Stadtarchiv aus der Sammlung Rudolf Metzger.
Hausnummer 11 Besitzer waren nacheinander Martin Nagel, Schuhmachermeister (1906), Besitzerin Elisabeth Karpf, Wwe. (1917 - 1927), Gustav Hinne Ehefrau, Neuß a. Rh. (1931), Besit-zer Gustav Hinne, Neuß a. Rh. (1937, 1939), Besitzerin Marie Hinne, Buderich b. Düsseldorf (1951), Besitzer Gustav Hinne, Neuß/Rh. (1954), danach kaufte die Stadt Gießen das Haus. An Gewerben gab es im Haus 1951 Marta Wacker, "Gemüsehdlg.", 1954 Otto Uhlenhaut, "Gemüsehdlg.", und 1957 wieder Marta Wacker. Das Haus hatte meist drei bis sechs Mietparteien, 1954 sogar acht. Anfang der 1960er Jahre wurde es für den Bau der neuen Katharinengasse abgerissen.
Die Hausnummer 12 war ab 1931 nicht mehr vergeben. Auf dem logischen Platz von Nr. 12 stand das Eckhaus hinter der Einmündung des Teufelslustgärtchens mit der Adresse Teufelslustgärtchen Nr. 28.
Hausnummer 13 1906 gehörte das Haus der Witwe von Heinrich Moll, die nicht im Haus wohnte. Zwischen 1917 und 1925 gab es dann vier verschiedene Besitzer, von denen die ersten drei nicht im Haus wohnten: 1917 und 1920 der Installateur Georg Appel, 1921 Karl Peppel, 1922 Heinrich Becker, und anschließend Philipp Diehl, Former, bis 1939. Ab 1941 war das Haus im Besitz der Stadt Gießen. Gewerbe im Haus waren die Schuhmacherei Hans Michael Mayer (1931), Adolf Stumpf, Maßschuhmacherei, Reparaturwerkstätte (1937), Georg Schneider, Schuhmacherei (1939), Ludwig Schlund, Schuhmacherei (ab 1951). 1941 war das Haus schuhmacherfrei. Anfang der 1960er erfolgte der Abriss für den Bau der neuen Katharinengasse.
Von 1917 bis mindestens 1937 war unter dieser Adresse der Schuhmachermeister Benjamin Torenski (andere Schreibweisen: Toronischi, Torrinski bzw. auch Toronski) gemeldet, seit 1927 als Synagogendiener. Im Adressbuch 1939 war der Name nicht mehr verzeichnet – die Synagoge existierte nicht mehr. Torenski scheint Glück gehabt und das Dritte Reich überlebt zu haben. Nach Hanno Müllers Veröffentlichung "Juden in Gießen" (2012) starb er in Großbritannien. – WEITER IM TEXT  |
| |
|
 |
 |
Löwengasse 9, 11 + 13
1950er
Quelle: N.N.
Bemerkung: Blick vom Seltersweg Richtung Bahnhofstraße, Nr. 9 links, gegenüber der Einmündung des Teufelslustgärtchens, abgerissen für die Trassierung der neuen Katharinengasse. |
Löwengasse 14
1950er
Quelle: N.N.
Bemerkung: Das im Bild vordere Haus, Nachbar von Teufelslustgärtchen 28; im Hintergrund die Johanneskirche |
| |
| X |
X |
Löwengasse 15
–
Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung |
Löwengasse 16
–
Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung
|
| |
 |
X |
Löwengasse 17
ca. 1963
Quelle: Amateurfilm
Bemerkung: Die Kriegsruine in der Mitte war bekannt als „Ramona“- oder auch „Romantica“-Bar, direkt gegenüber Löwengasse 20 mit der Bar „Bel Ami“. Diese zwei Etablissements trugen wesentlich zum schlechten Ruf Gießens in der Öffentlichkeit als "Shanghai an der Lahn" bei.
Rechts Nr. 23, nicht mehr vorhanden (links daneben) Nr. 9. Das weiße Gebäude im Hintergrund ist Seltersweg 38, das Bekleidungshaus Köhler.
Wie diesen Flachbau muss es auch anderswo entlang der Straßen des Teufelslustgärtchens mehr Behelfsbauten gegeben haben. Aus dem Stadtentwicklungsplan von 1948 ist das nicht zu ersehen. |
Löwengasse 18
–
Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung; auf der Luftaufnahme um 1928 ist Nr. 18 als ein Gebäude von ähnlicher Größe wie sein Nachbar Nr. 20 und vermutlich ähnlich alt zu sehen. Im Krieg anscheinend schwer getroffen, war es evtl. unbewohnbar. |
| |
|
Hausnummer 14 (bis 1927 Nr. 16) Im Adressbuch 1906 war als Besitzer der "Hilfskirchendiener" Karl Schwan aufgeführt, der allein im Haus wohnte. Vor 1917 ging es in den Besitz seiner Erben über, die das Haus dann an den einzigen Mieter Adam Anrhein verkauften. Im Adressbuch 1925 war das Haus kurzzeitig auf Valentin Dittmar eingetragen (zu Dittmar siehe auch Nr. 16 und Nr. 18), ehe dann 1927 Besitzer und langjähriger einziger Bewohner der Prokurist Georg Sommer wurde. Bereits im Adressbuch 1941 war das Haus als Besitz der Stadt Gießen gelistet, einziger Bewohner damals ein "Invalide". 1951 war an sechs Haushalte vermietet, 1954 gar an neun verschiedene Mieter, danach reduzierte sich bis 1959/60 die Zahl der Mieter wieder langsam. Sicher wurde das Haus von der Stadt im Rahmen der sog. "Altstadtsanierung" erworben und nach dem Krieg im Vorgriff auf die geplanten Abrisse für den Bau der neuen Katharinengasse vorgehalten, und bis zum Baubeginn an Flüchtlinge und Wohnungssuchende vermietet, eine Strategie, die bei etlichen Häusern in der Umgebung angewendet wurde.
Hausnummer 15 Besitzer waren Theodor Vogt, Schmiedemeister (1906 bis 1921), anschließend Theodor Vogt, Erben (1922 - 1941), und zuletzt Elisabeth Wallenfels, Wwe. (1951 - 1959/60). Gewerbe gab es im Lauf der Jahre von 1906 bis 1921 Theodor Vogt (p u. I), dann Ludwig (vormals Louis?) Vogt, Schmiedemeister, Huf- und Wagenschmiede (p u. I) (1927 - 1941). Nach dem Krieg gab es nur noch Wohnungen im Haus. In der 1948er Planskizze ist die Nr. 15 nicht zu finden, aber im Kriegsschadensplan der Stadt wird es als unbeschädigt bezeichnet. Es handelte sich bei der 15 um ein Haus, welches um Hoftiefe zurückgesetzt zwischen Nr. 13 und Nr. 17 stand, traufseitig zur Straße. Kein Foto im Bestand (bzw. eine nicht gesicherte, nur in der Broschüre abgebildete, Aufnahme).
Hausnummer 16 (bis 1927 Nr. 18) Im Adressbuch 1906 hieß der Besitzer noch Georg Appel, Spenglermeister, 1917 und 1920 dann Heinrich Appel, Spengler und Installateur. Die Appels wohnten nicht im Haus. Nachfolger als Eigentümer wurde 1921 und 1922 der "Althändler" und Korbmacher Heinrich Schäfer. 1925 erschien der zunächst nicht im Haus wohnende neue Besitzer Valentin Dittmar auf dem Plan, dem auch das seinerzeit als Nr. 20 nummerierte Nachbarhaus gehörte (und 1925 kurzzeitig auch Nr. 16, später 14). 1927 waren außer dem Besitzer vier Mietparteien eingetragen. Einer Zeitungsnotiz im Gießener Anzeiger vom 19.01.1928 ist zu entnehmen, dass das Vorderhaus (noch als Nr. 18) um den Jahreswechsel 1927/28 herum abgebrochen wurde. Am 31.03.1928 trägt der Anzeiger nach, das Haus sei "unter städtischer Einwirkung wegen Baufälligkeit niedergelegt" worden. Gleichzeitig sei Dittmar ein städtisches Baudarlehen für einen Wohnungsneubau bewilligt worden, den dieser aber offenbar nicht wahrnahm. Im stehengebliebenen Hinterhaus wurde 1931 lediglich "Else Dittmar, Lager" aufgeführt. 1937 befand sich neben dem Dittmarschen Lager auch eine Maßschuhmacherei darin. 1939 war die Hausnummer aus dem Adressbuch getilgt und tauchte auch nach dem Krieg nicht wieder auf. Auf der Planskizze von 1948 fehlt die Nummer auch, es wurde eine leere Fläche eingezeichnet, ebenso wie im Kriegsschadensplan.
Hausnummer 17 Besitzer waren 1906 bis 1921 Theodor Vogt, Schmiedemeister, und ab 1925 Theodor Vogt, Erben (niemand aus der Familie Vogt wohnte dort). Anschließend fehlte Nr. 17 im Adressbuch. Wahrscheinlich fiel das Haus der "Altstadtsanierung" in den Jahren 1935 bis 1938 zum Opfer. 1951 war unter Nr. 17 die Konditorei Ernst Kilian eingetragen, 1954 die Gaststätte Heinrich Sommerlad, und 1957 und 1959/60 die Gaststätte Ingeborg Welzel. Auf Fotos erkennt man einen Behelfsbau mit Flachdach. Manfred Aulbach verortet an dieser Stelle eine "Würfelbecherkneipe" namens "Bratwurststüble" (1950er). Unter diesem Namen findet man sie auch im Adressbuch 1960, allerdings nur in der alphabetischen Gewerbeliste. In den 60er-Jahren war Nr. 17 Standort der "Ramona-" bzw. "Romantica-Bar". Der Abriss erfolgte erst Anfang der 70er kurz vor dem Baubeginn des Kaufhauses Horten.
Hausnummer 18 (bis 1927 Nr. 20) Besitzer 1906 war Spenglermeister Georg Appel, der hier wie in seinem Haus Nr. 18 (später 16) lediglich als Vermieter auftrat. Besitzer 1917 und 1920 wurde dann der Schreinermeister Fritz Rosenbaum, mit "Schreinerei und Sarglager" im Adressbuch notiert, und dem 1906 noch die Löwengasse 8 gehörte, 1921 bis 1925 dann Adam bzw. Adolf Montag mit einem "Spezial-Tapeten- und Farbenhaus", und 1927 bis 1941 gefolgt von Kaufmann Valentin Dittmar. 1927 und 1931 firmierten im Haus das "Spezialwollgeschäft Else Dittmar", anschließend 1937 bis 1941 eine "Eierverwertungsgenossenschaft". Wie in seinem Nachbarhaus Nr. 16 hatte Dittmar auch mit dieser Immobilie Pech: In den Adressbüchern nach dem Krieg war Nr. 18 nicht mehr eingetragen, es hatte 1944 einen Bombentreffer erlitten und war ausgebrannt. Ein von Manfred Aulbach ca. 1955 aufgenommenes Foto aus dem 3. Stock des Hauses Teufelslustgärtchen 18 in Richtung Bahnhofstraße zeigt im Vordergrund das offene obere Geschoss einer Ruine, bei der es sich offenbar um die Löwengasse 18 handelt. In der 1948er Planskizze ist das Haus noch eingezeichnet, in Manfred Aulbachs Handskizze des Teufels-lustgärtchens sind hier "Trümmer" ein-getragen. Der Kriegsschadensplan attestierte dem Haus einen Zerstörungsgrad von "66 - 80%". Nach "Früher-später"-Fotos zu urteilen, wurde die Ruine in der zweiten Hälfte der 1950er abgetragen.
Hausnummer 19 (Doppelhaushälfte mit 21) Besitzer von Nr. 19 waren 1906 Heinrich Sommerlad, 1917 dann Heinrich Appel, Spenglermeister und Installateur, nicht im Haus wohnend, 1920 der Kaufmann Louis Althoff, ebenfalls nicht im Haus wohnend, und für die restlichen Adressbücher 1921 bis 1937 Heinrich Schomber, Dachdeckermeister. Nr. 19 und 21 wurden Anfang 1939 abgerissen und waren in den Folge-Adressbüchern nicht mehr eingetragen. 1951 war aber auf dem nunmehr sich in städtischem Besitz befindlichen Grundstück der 19 "Jos. Minnig, Materiallager" gelistet. 1954 war erneut kein Eintrag mehr vorhanden. S. auch Nr. 21.
Hausnummer 20 und 20 H (bis 1927 Nr. 22) Bei der Nr. 20 handelte es sich um das größte und höchste Haus in der Löwengasse, direkt vor der Einmündung der alten Katharinengasse, welches sich in der Umgebung wie ein architektonischer Fremdkörper ausnahm und mit Sicherheit wesentlich später als die Handwerkerhäuser des Viertels erbaut wurde. Besitzer war 1906 bis 1921 der Schmiedemeister Johann Kaspar Heß und von 1922 bis 1937 "Johann Heß, Erben" (auch Besitzer des "Alten Haus von Rocky Tocky", Teufelslustgärtchen 18). Im Parterre gab es die Schankwirtschaft "Zur Reichskrone" von Johannes Haas (1906 Löb Grünewald), zusätzlich nur 1925 den "Wärme- und Kälteschutz Gießen-Lahn, Oskar Schleypen", nur 1927 den "Werkladen" von Christoph Ranft, und ab 1931 bis 1941 auch den Frisiersalon Anton Schäfer. Zwischen 1937 und 1939 ging das Haus in den Besitz von Georg Reinig über, der neue Gastwirt hieß zunächst Werner Göbel, wurde aber bald von Otto Schaeffer abgelöst, der im März 1940 nach einer Renovierung in den Räumen der Reichskrone die Wirtschaft "Zur Pilsklause" eröffnete. Bereits 1941 ist ein weiterer Besitzerwechsel zu Wilhelm Georg zu verzeichnen. 1951 wiederum stand ein Gärtner namens Hans Albert Heß als neuer Besitzer im Adressbuch, dem auch ein benachbartes Hinterhaus gehörte, hier erstmals als 20 H gelistet, in welchem die "Chabesofabrik" residierte (die im Adressbuch 1937 noch dem Haus Teufelslustgärtchen 18 zugeordnet war). Es ist beim Hinterhaus unklar, um welches Gebäude es sich dabei auf der Planskizze von 1948 handelt. Der Frisiersalon existierte nicht mehr. 1954 war die Chabesofabrik auch nicht mehr eingetragen, die 20 H (immer noch im Besitz von H. A. Heß) hatte jetzt nur den Elektroinstallateur Vogel als Mieter. 1954 wechselte das Haus erneut den Besitzer und gehörte dann Therese Georg, 1957 hießen die Besitzer von 20 und 20 H laut Adressbuch "Reinings, Erbengemeinschaft" – richtig hätte es "Reinig Erbengemeinschaft" heißen müssen. Die Gaststätte war nunmehr verpachtet an "Konczak & Dobrowski". Der vormalige Wirt Otto Schaeffer blieb dem Haus trotzdem als Mieter erhalten. Das letzte hier verwertete Adressbuch zeigt 1959 /60 eine weitere Änderung bei den Eigentümern, nunmehr firmierten sie als "Georg, Therese und Miteigentümer". Vor dem Abriss um 1970 herum hieß die nunmehr berühmt-berüchtigte Gaststätte "Bel Ami".
Hausnummer 21 (Doppelhaushälfte mit 19) Besitzer der Nr. 21 war von 1906 bis 1921 der Schmiedemeister Theodor Vogt. 1922 war als Besitzer kurzzeitig "Aug. Wallenfels" eingetragen, und ab 1925 "Theodor Vogt, Erben". Im gesamten Betrachtungszeitraum wohnte niemand namens Vogt im Haus, und auch Aug. Wallenfels war unter der Adresse Löwengasse 21 nicht gemeldet. Möglicherweise wurde zwischen 1922 und 1925 noch das Dachgeschoss ausgebaut, denn 1925 und 1927 gab es erstmals einen Mieter im zweiten Stock. In den Adressbüchern ab 1931 war die Nr. 21 nicht mehr eingetragen. Diese Haushälfte stand um diese Zeit wahrscheinlich leer bis zum Komplettabriss von Nr. 19/21 Anfang 1939 (Fotos vom baufälligen und teilgeräumten Doppelhaus sind vorhanden). Im Volksmund nannte man das ruinöse Haus spöttisch "Villa Vogt".
Hausnummer 22 (bis 1927 Nr. 28) Auf der 1948er Planskizze ist hier ein Kar-ree von vier aneinanderstehenden Häusern eingezeichnet, von denen eins an der Katharinengasse stand, eins das Eckhaus Löwengasse/Katharinengasse war, und ein drittes nach dem Eckhaus in der Löwengasse zu finden war. Das vierte repräsentierte für alle drei anderen ein Hinterhaus. – WEITER IM TEXT 
|
 |
 |
Löwengasse 19/21
1930er
Quelle: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Ein Doppelhaus, wie es sie nicht selten gab, zu dem Zeitpunkt und in diesem Zustand sicherlich unbewohnt; rechts im Anschnitt Nr. 23
|
Löwengasse 20, Ecke Katharinengasse
1968
Quelle: Karl Heinz Brunk
Bemerkung: Im Plan des städtischen Urkatasters um die Jahrhundertwende existiert das Eckgebäude noch nicht. An der Stelle befanden sich drei oder vier kleinere Vorgängerbauten, und die Katharinengasse war viel schmaler als im übrigen Teil. Nr. 20, vielleicht in den 10er-Jahren erbaut, beherbergte unter anderem die berüchtigte „Bel Ami“-Bar. Da eine Gewerbeimmobilie, wurde sie als eines der letzten Häuser um 1970 abgerissen. |
 |
 |
Löwengasse 22
ca. 1955
Quelle: Silvia Leinberger
Bemerkung: Nachbar von Nr. 20 auf der Nordwestseite der Katharinengasse. Das Fachwerkhaus ist aus drei oder vier Ursprungsgebäuden hervorgegangen und war 1968 bereits verschwunden. |
Löwengasse 23
1950er
Quelle: N.N
Bemerkung: Gegenüber der Einmündung der Katharinengasse; bebaute Fläche um 1900 ca. 100 qm. Nr. 23 und 25 weisen architektonische Ähnlichkeiten auf. |
| X |
 |
Löwengasse 24
–
Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung; von der Straße zurück versetzt hinter Nr. 26 |
Löwengasse 25
1960er
Quelle: Stadtarchiv, Sammlung Metzger
Bemerkung: Gegenüber der Einmündung der Katharinengasse; bebaute Fläche mit rückwärtigen Anbauten um 1900 ca. 135 qm. Das Nachbarhaus Nr. 23 fehlt zu dem Zeitpunkt bereits. Eins der zuletzt abgerissenen Häuser. |
|
|
Auf dieser Planskizze gibt es eine Hausnummer für alle, eingezeichnet auf der Fläche des nur in der Löwengasse stehenden Hauses, und das war die Nr. 22. Es steht zu vermuten, dass diese Gruppe von Häusern in der Vergangenheit unterschiedliche Hausnummern hatte, ein Umstand, der eventuell teilweise ursächlich für die Verschiebung der Hausnummern auf der rechten Seite der Löwengasse ist. 1906, 1917 und 1920 hieß der Besitzer des Anwesens Heinrich Becker. Der Mann war Küfermeister, "Spezereihändler" und Inhaber einer Wirtschaft, deren Name im Adressbuch nicht überliefert war. Offenbar starb er um 1920 herum, und seine Witwe Margarete Becker trat die Nachfolge an. Ab 1921 lautete die Becker’sche Geschäftsbezeichnung "Kolonialwarenhandlung und (Gast-) Wirtschaft". Zwischen 1927 und 1931 gingen Haus und Geschäft an Elisabethe und Herrmann Niebergall über, die es dann durch eine Zwangsversteigerung im Juni 1937 an den dort nicht wohnenden Metzgermeister Karl Vogt verloren (dem auch das Haus Nr. 28, damals 34, gehörte). Die Kolonialwarenhandlung gab es 1939 nicht mehr, aber die Schankwirtschaft Niebergall hatte mindestens bis 1939 Bestand. 1941 war noch Elisabethe Niebergall als Mieterin im Parterre eingetragen. Eine Schankwirtschaft wird nicht mehr erwähnt. 1951 waren auch keine Niebergalls mehr gelistet. Dafür gab es nun eine Dentalreparaturwerkstatt Deibel (1954 mutiert zur "feinmech. Werkstatt"), die offenbar von Nr. 28 in Nr. 22 umgezogen war. Dazu hatte eine Autovermietung Noll eröffnet, und der auch Manfred Aulbach erinnerliche Schuhmacher Johann Krug bot in Nr. 22 seine Dienste an. Bis 1954 kamen zwei weitere Gewerbe in dem Hauskarree hinzu: Elise Reuling handelte in Molkereiprodukten, und im 2. Stock (!) eröffnete Horst Zelz eine Schreinerei (!!). 1957 hatte das Hauskonglomerat den neuen, nicht im Haus lebenden Eigentümer "Klinkel, Ed. u. Söhne". Der Box-Club 1948 Gießen eröffnete im 2. Stock eine Geschäftsstelle. Das war dann auch der Stand 1959/60. Auf in den späten 1960ern entstandenen Fotos ist der 4-Häuser-Komplex bereits verschwunden und das Grundstück Teil des großen Parkplatzes geworden, der die letzte Flächennutzung vor dem Bau des Horten-Kaufhauses darstellt.
Hausnummer 23 Besitzer, Bewohner und Gewerbeinhaber 1906 bis 1937 war Ludwig Kronenberg, Bäckerei (letzter Adressbuch-Eintrag 1937), 1939 dann Georg Kronenberg. Besitzerin 1941 bis 1954 war die nicht im Haus wohnende Minna Klinkel (1941 als "Klingel" eingetragen), 1957 dann der ebenfalls aushäusige Friedrich Klinkel, und 1959/60 "Klinkel, Friedrich, Ehefrau". In diesen Jahren waren nur noch Mietwohnungen im Haus vermerkt. Hatte das Haus zuvor in der Regel zwei Mietparteien, stieg diese Zahl nach dem Krieg auf vier, zuletzt sogar neun, eine drangvolle Enge vermutlich. Die Häufung von Hausbesitzern namens Klinkel in der Umgebung ist ebenso auffällig. Auf späten 60er-Jahre-Fotos ist die 23 nicht mehr vorhanden. Das Haus hatte deutliche architektonische Ähnlichkeit zum Nachbarhaus Nr. 25.
In Nr. 23 wohnte Ferdinand Klein. Als "Zigeunermischling" wurde er nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er überlebte. Er starb 1985 in Gießen. Vor der Mühlstraße 8 wurde ein Stolperstein verlegt.
Hausnummer 24 (bis 1927 Nr. 30) Ausweislich der 1948er Planskizze war die Nr. 24 ein schmaler, deutlich von der Straße zurückgesetzter und von den Nachbarhäusern eingeklemmter Bau. Er gehörte bis 1925 zunächst dem städtischen Arbeiter und späteren Tagelöhner Karl Wagner, und 1927 bis irgendwann zwischen 1931 und 1937 seiner Witwe Marie Wagner. Der im Haus vorhandene Gewerberaum wurde mindestens bis 1954 von der Bauschlosserei (später auch Autogenschweißerei) Franz Bourgeois genutzt, ansässig im Seitengebäude "S". Nach 1931 wurde das Haus an den Schlosser Philipp Größer verkauft. In den Adressbüchern seit 1951 wurden die Nummern für Haupthaus und Seitengebäude separat gelistet, der Wohnraum wurde weiterhin als Nummer 24 geführt, der möglicherweise baulich getrennte Gewerbeteil als Nr. 24 S ("Seitengebäude"). Seit 1957 war Besitzer Philipp Größer als "nicht im Haus wohnend" markiert. Das Abrissdatum ist unbekannt. Auf den Fotos aus den späten 1960er Jahren ist das Haus offenbar bereits verschwunden; kein Foto vorhanden.
Hausnummer 25 Besitzer und Gewerbeinhaber bis Adressbuch 1931 war Johannes Klinkerfuß, Tapezier- und Polstermeister, Dekorateur. Als Besitzer 1937 waren "Klinkerfuß, Erben" eingetragen, als Gewerbeinhaber Johannes Klinkerfuß, "Tapezier- und Polster- und Dekorateurmeister". 1939 und 1941 wiederum war als Besitzer und Gewerbeinhaber Johannes Klinkerfuß, "Tapezierer und Polsterer" aufgeführt. 1951 waren wieder "Klinkerfuß, Erben" als Besitzer gelistet, Gewerbeinhaber war Joh. Klinkerfuß "Polstergeschäft". Mieter im Haus (nur 1951) war ein Dr. Eberhard von Krakewitz, Assessor (!), den man sich in dieser Umgebung nicht so recht vorstellen mag. 1954 sah als Besitzer und Gewerbeinhaber erneut Joh. Klinkerfuß "Polstergeschäft", 1957 wieder Klinkerfuß Erben und "Tapeziergeschäft", 1959 /60 zurück zu Johannes Klinkerfuß, das Tapeziergeschäft blieb. Ein Teil der Namensänderungen bei Gewerbe und Besitzer dürfte auf eine uneinheitliche und lausige Buchführung des Adressbuchverlags zurückzuführen sein. Zusammen mit den Nummern 20 und 28 war Nr. 25 eines der am längsten überlebenden Häuser in der Löwengasse, der Abriss erfolgte Anfang der 1970er Jahre vor dem Baubeginn Horten. Vom Haus existieren etliche Fotos.
Hausnummer 26 (bis 1927 Nr. 32) Besitzerinnen 1906 waren die "Privatinnen" Karoline und Katharine Hohmeier. Neuer Eigentümer wurde vor 1917 und bis 1921 der nicht im Haus wohnende Metzgermeister Wilhelm Vogt, ab 1922 bis zum Schluss dann Metzgermeister Karl Vogt, dem auch die Nachbarhäuser Nr. 22 und Nr. 28 gehörten. In den Jahren des Betrachtungszeitraums gab es nur einen ständigen Mieter. Im Adressbuch 1937 war das Haus dann nicht mehr eingetragen. Über das Schicksal des vermutlich sehr kleinen Hauses ist nichts bekannt, es wurde wohl zwischen 1931 und 1937 abgerissen, eventuell wegen Baufälligkeit oder Umnutzung des Grundstücks, vermutlich unter dem Stichwort "Altstadtsanierung". Kein Foto im Bestand.
Hausnummer 27 Das letzte Haus auf der linken Seite der Löwengasse vor dem Eckhaus Bahnhofstraße gehörte 1906 dem Bäckermeister Karl Steinberger, vermutlich identisch mit dem Besitzer der Bahnhofstraße 23, 1917 dann seiner nicht im Haus wohnenden Witwe und 1920 und 1921 deren Erben. 1922 war das Haus auf die letzte Besitzerin, eine Witwe Sack, übergegangen. Am 12.09.1922 wurde im Gießener Anzeiger die öffentliche Vergabe für Abbrucharbeiten des Hauses durch den Architekten Ph. Nicolaus, An der Johanneskirche 5, ausgeschrieben. Danach wurde das Grundstück nicht mehr bebaut. In dem verglichen mit den Nachbarn Nr. 23 und 25 recht großen Haus wohnten 1906 zwei, 1917 eine, und 1920 bis 1922 jeweils vier Mietparteien. Möglicherweise wurde das Grundstück als Nutzfläche für das benachbarte Eckhaus Bahnhofstra8e 23 erworben. Der Abriss der 27 legte die riesig wirkende, völlig kahle und weithin sichtbare, rückwärtige Hauswand der Bahnhofstraße 23 frei, wie man auf vielen Fotos sehen kann.
Nummer 28 (bis 1927 Nr. 34) Nr. 28 war auf der rechten Seite der Löwen-gasse das Eckhaus zur Bahnhofstraße. Auf einem sehr alten, aber undatierten Foto kann man sehen, dass an und vor dem Haus Baumaßnahmen stattfinden. Besitzer war 1906 bis 1921 der Metzgermeister Wilhelm Vogt, der im Haus eine Metzgerei betrieb. Ab 1922 ging das Haus über an Karl Vogt, ebenfalls Metzgermeister und vermutlich der Sohn von Wilhelm. Zwischen 1927 und 1931 wurde die Metzgerei anscheinend geschlossen, stattdessen hielten im Parterre die Wäschefabrikation Heinrich Becker und das Blumenhaus Gustav Wittmann Einzug, die noch vor 1937 von der "Feinmechanischen- und Dentalwerkstatt Ludwig Deibel", dem Maler- und Weißbindergeschäft Karl Noll und dem Obst- und Gemüsegeschäft Friedel Rose abgelöst wurden. Letzteres blieb dann von 1939 bis zum Abriss Anfang der 1970er Jahre im Haus und wurde während dieser Zeit zum Lebensmittelgeschäft erweitert. Die Werkstatt Deibel zog irgendwann vor 1951 in die Nr. 22, das Noll’sche Weißbindergeschäft, 1941 noch eingetragen, verschwand aus der Löwengasse. Hausbesitzer Karl Vogt wohnte bis etwa 1954 im Haus. Vor 1957 erfolgte ein Eigentümerwechsel auf die nicht im Haus lebende Marie Kinkel (vermutlich falsch geschrieben) und vor 1959/60 auf die auch nicht im Haus lebenden "Klinkel Ed. u. Söhne", die sich bereits auch Löwengasse 22 unter den Nagel gerissen hatten. Die Geier kreisten über den todgeweihten Häusern. In den Jahren 1906 und 1917 waren im Adressbuch zur Löwengasse 28, damals Nr. 34, zunächst ein Hinterhaus, dann zusätzlich ein Nebenhaus mit jeweils einem Wohnungsmieter eingetragen. In den Adressbüchern 1920 bis 1925 blieben lediglich die Einträge des Nebenhauses mit zwei bzw. drei Mietern im ersten und zweiten Stock, ab 1927 waren auch diese verschwunden. Löwengasse 28 war eines der letzten überlebenden Häuser des Viertels, bevor Anfang der 1970er die Horten-Baustelle eingerichtet wurde. |

ca. 1963: Beide Szenenbilder stammen aus
demselben
Film wie das Standbild
zu Nr. 17 auf dieser Seite
und zur
Katharinengasse 14. Der Ort des Hausabrisses ist unklar, wahrscheinlich das Umfeld der Löwengasse.
(QUELLE: AMATEURFILM, MONTAGE: ARNO BAUMGÄRTEL) |
|
| |

Um 1950, die
Löwengasse vom Seltersweg aus gesehen, Baustelle Seltersweg 36 (heute 28),
Georg am Eck;
Hintergrund Bildmitte: Löwengasse 9, gegenüber der Einmündung zum Teufelslustgärtchen
(QUELLE: WIEDERAUFBAU-FILM, MONTAGE: ARNO BAUMGÄRTEL) |
| X |

|
Löwengasse 26
–
Quelle: –
Bemerkung: Keine Abbildung, bis einschließlich Adressbuch 1931 vorhanden. Vielleicht wegen Baufälligkeit abgerissen. |
Löwengasse 27
1920er
Quelle: N.N.
Bemerkung: Das große Fachwerkhaus in der Bildmitte wurde schon 1922 abgerissen, das Grundstück abschließend nicht wieder bebaut. Links Nr. 25, rechts davon Bahnhofstraße 23, mit dem Zwiebeldach. |
|
|
 |
 |
X |
Löwengasse 28, Ecke Bahnhofstraße
Abb. links: ca. 1970;
Quelle: Siegfried Träger
Abb. rechts: 2024; Quelle: 3D-Mesh-Ansicht Gießen
Bemerkung: Das Eckhaus an der Bahnhofstraße mit dem Lebensmittelgeschäft Rose (Abb. links: Seite der Löwengasse). Rechts die heutige Situation: Die Löwengasse mündet gegenüber der nach dem Bau des Parkhauses Schanzenstraße in den 80ern neu angelegten Johannette-Lein-Gasse in die Bahnhofstraße. Die Mühlstraße schaut in die Röhre... |
|
| |
Straßen- und Häuserplan Seite 2 
Katharinengasse Teufelslustgärtchen Kaplansgasse Bahnhofstraße Seltersweg Wolkengasse  |
 |