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TEXTE ZUM FILM

 

GHOSTS OF THE CIVIL DEAD
Regie: John Hillcoat
Australien 1988

Der Film folgt keiner richtigen Story, sondern beobachtet beinahe dokumentarisch und mit kühler Distanz das Leben einiger Gefangener. Der Hochsicherheitstrakt eines Hochsicherheitsknastes ist (fast) der einzige Schauplatz.

 

Die Gefangenen sind meistens sich selbst überlassen. Es haben sich Mikrostrukturen von Macht und Unterdrückung gebildet. Ein Pandämonium, die Hölle. Weil das Wachpersonal nachlässig und korrupt ist, kommt es zur Eskalation, Mord und Totschlag. Und alle haben es kommen sehen. Niemand tut etwas dagegen. Eine staatliche Komission wird später einen nüchternen Untersuchungsbericht präsentieren. Die Verhältnisse ändern sich nicht grundlegend.

"Als ob man in einen Stacheldraht fällt und nicht mehr raus kann", hat der Verleiher gesagt. Wahr oder nicht, es gibt kein Entrinnen - aus dem Hochsicherheitsknast nicht und nicht aus den Bildern/Geräuschen/Eindrücken dieses Films. Am Soundtrack beteiligt waren unter anderem die Einstürzenden Neubauten, was herauskam, ist musique concrete, die in die Knochen geht.

Knast als Zelle des gesellschaftlichen Körpers, und der Krieg ist im Gange. In einer Schlußeinstellung wird mit einem Aha-Erlebnis deutlich, wie das gemeint ist. Nick Cave spielt einen manisch Verrückten, weil Humor, so Hillcoat, wichtig ist. "Denn in der Hölle muß es lustig sein, sonst wäre sie nicht zu ertragen."

Arno G. Baumgärtel, Filmankündigung, 1992

 

Arno Baumgärtel
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