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TEXTE ZUM FILM

 

84 CHARLIE MOPIC
"Report aus der Hölle"

Regie: Patrick Duncan
USA 1989

MoPics ("motion picture") sind mobile kameratrupps der US-Army, die kommandounternehmen an die vorderste linie begleiten, interviews machen, das zusammenspiel der teilstreitkräfte zu dokumentieren und nebenbei auch bildpropaganda-material zu liefern haben.

 

Das spähtruppunternehmen im vietnamesischen dschungel fängt mit routine an. Die jungs tragen allesamt spitznamen: "OD", "Hammer", "Pretty Boy". "Mopic" ist der kameramann, und man bekommt ihn höchstens für 30 sekunden zu gesicht, logisch. Denn der ganze film ist das, was er da aufgenommen hat.
Zuerst ist die stimmung gelassen und launig, schließlich ist krieg. Man lernt einiges scheußliche über versteckte fallen und waffen. Nach und nach wird die sache härter. Zuerst noch schaltet die artillerie eine Vietcong-stellung aus, dann erwischt es drei aus der gruppe beim feindkontakt und in einer selbstschussanlage. Mit mühe und not gelingt den anderen, darunter ein verletzter, die flucht zum startbereiten helicopter. Die kamera läuft weiter, während ein helfer draußen im kugelhagel stirbt. Fade out.

In der filmgeschichte gibt es eine unzahl beispiele für die verwendung der subjektiven einstellung, also das bild aus der sicht einer filmfigur. Gerne benutzt vor allem im horrorfilm: Legendär der auftakt in Carpenters HALLOWEEN, daneben gegangen aber in dem noir-klassiker THE LADY IN THE LAKE (Die Dame im See), der bis auf eine einzige szene nach diesem prinzip funktioniert.
Hier wird das dilemma deutlich: Denn es gibt keinen sichtbaren "helden", der zur identifikation geeignet wäre.

MOPIC ist ungleich besser, gerade weil er das dokumentarische betont, ja eigentlich daraus hervorgegangen ist. Und weil er nicht kaschiert, dass er (nur) ein fiktionales dokument ist. MOPIC setzt ungefähr da an, wo es in Kubricks FULL METAL JACKET zeitweilig langatmig wird. Auch er bringt GI's vor die kamera eines MoPic-teams, läuft geduckt hinter panzern her. Aber seine bilder haben einen extremen zeige-charakter, weil Kubrick sich nicht richtig entschließen kann (?), welche art film er machen soll.
MOPIC treibt genau dies weiter, indem er die kriegsberichterstattung zum formalen und gestalterischen zentrum des films macht.

Arno G. Baumgärtel, Filmankündigung, 1992

 

Arno Baumgärtel
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