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The Prisoner Nu
mmer 6
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Schon in den frühen 60er jahren war McGoohan als anwärter für den job des James Bond gehandelt worden (mehr...). Er lehnte
KRIMI,
SCIENCE-FICTION, UTOPISCH, ZUKUNFTSABENTEUER
- die rolle (nach diversen quellen sogar zweimal) aus moralischen gründen ab bzw. gab (wenig überzeugend) an, er habe mit einem beteiligten schauspieler nicht zusammenarbeiten können. Wie bekannt, interpretierte daraufhin Sean Connery die rolle des agenten mit der doppel-null. Und als McGoohan nach über 50 DRAKE-auftritten dieser stereotype überdrüssig war, ersann er unter verwendung der chiffre 6 (mehr...) in gewisser weise nicht nur die beerdigung des agententums, sondern auch seinen eigenen
HÖRZU - RÜCKZUG: "IMMER MEHR FERNSEHSTARS WEIGERN SICH, abgang als fernsehstar, rückzug (aus der öffentlichkeit) als zentrales handlungsmotiv der neuen serie inbegriffen. Dass die neue serie mit dem originaltitel THE PRISONER (bei allen durchaus nicht zufälligen ähnlichkeiten) jedoch nicht, wie von den meisten erwartet, ein spionage- und agentengarn bzw.
UNBEKANNTE QUELLE: THE PRISONER ALS "KRIMINALSERIE" eine fortsetzung im stile von JOHN DRAKE war, wollte ursprünglich niemand wissen. In der hiesigen presse wurden vor dem deutschen start mitte August 1969 die reaktionen der britischen öffentlichkeit nach der letzten folge, etwa ein jahr vor der deutschen ausstrahlung, verhandelt. Und die waren verheerend gewesen. So hatte McGoohan journalisten vor dem britischen fernsehstart 1967 auf einer eigens von art director Jack Shampan entworfenen bühne in den MGM-studios - mehr happening denn pressekonferenz - in teils kosaken-, teils cowboy-kostümierung und hinter gefängnisgittern empfangen und, anstatt ernsthaft über seine neue produktion zu plaudern, sie mit kryptischen statements abgespeist, sodass diese nur den kopf schüttelten oder sich vor denselben gestoßen vorkamen. Von dieser veranstaltung müssen auch filmaufnahmen existiert haben, die jedoch bis heute nicht wieder ans licht der öffentlichkeit gekommen sind.
Nachdem auf der insel die letzte folge gelaufen war, wurde der fernsehsender ITC belagert, presse und zuschauer reagierten mit unverständnis, hohn und spott, fühlten sich betrogen und ließen ihrem unmut über den ausgang der serie und die (nicht-) auflösung aller geheimnisse - wer ist Nummer Eins?, die gründe seines rückzugs vom dienst, gelingt Nummer Sechs die flucht? - freien lauf. McGoohan sah sich anfeindungen enttäuschter fans gegenüber, zog seine konsequenz daraus, schottete sich noch stärker ab und ging samt familie zunächst in die Schweiz und schließlich in die USA, wo er bis zu seinem tod lebte (mehr...).
PRESSEKONFERENZ 1967 DER STAR IM KOSAKEN-OUTFIT BITTET ZUM BÜFFET
GONG 16.08.1969 Geschichten über McGoohans "schwierige persönlichkeit" während der dreharbeiten, eine gewisse egozentrik, sein wählerischer umgang mit schauspielern machten die runde. Die tatsache, dass er hauptdarsteller, produzent, drehbuchautor und regisseur in personalunion war und nicht zuletzt sein hang, alles unter seine kontrolle zu bringen, wurden ihm nicht zum vorteil ausgelegt und waren beweis dafür, dass er überambitioniert sein musste.
BILD
UND FUNK: "WIEDERSEHEN MIT EINEM
ALTEN BEKANNTEN: Der mit THE PRISONER erlittene schiffbruch führte zu McGoohans finanziellem ruin, die firma Everyman Films wurde liquidiert. Auch das schürte gerüchte. Ungeschickterweise äußerte er sich in interviews auch noch abfällig über das fernsehen, dem er - gänzlich konservativer kulturpessimismus - molochtum und verflachung vorwarf, zugleich aber seine karriere verdankte. Dass er sich weigerte, in nach landläufiger meinung banalen, seiner ansicht nach aber "unmoralischen" szenen vor der kamera aufzutreten, und sei es nur, verschiedene frauen zu küssen oder auch agententypisch mit der knarre zu hantieren, war für kritiker ein gefundenes fressen und gelegenheit, in teils hämischen oder gehässigen artikeln den vermeintlichen saubermann bloß- und die eigene überlegene moral auszustellen.
"KRIMINALSERIE"
NUMMER
6? ABER GUT ERKANNT VON BILD
UND FUNK, SEPT. 1969: "Mister Sechs will nicht küssen" - mit diesem aufmacher sprang die fernsehzeitschrift HörZu in der woche unmittelbar vor dem deutschen serienstart etwas anzüglich anscheinend auf den zug der verdammnis auf, um im nachfolgenden artikel durchaus sachlich den misserfolg von THE PRISONER im königreich zu erörtern; es sei "gar nicht so sicher, ob Patrick daran schuld ist. Er tat, was er konnte, aber das publikum, amüsiert durch hekatomben von fernsehleichen, abgebrüht durch meere von atelierblut, war nicht willens, geistige folter mitanzusehen." Er habe sich, so McGoohan selbstkritisch, seinem publikum nicht verständlich gemacht, und der Daily Express legte nach: "Etwas unverzeihlicheres als unverständlich zu bleiben, gibt es nicht". Immerhin, die HörZu stimmte nicht ein in den chor der nörgler und verfechter bequemer seriengewohnheiten, sondern wagte ein vorsichtiges plädoyer für die intellektuelle herausforderung: "Und das Zweite Deutsche Fernsehen, das die "Nummer sechs"-Serie in Deutschland bringt, läßt den ex-agenten, die "Nummer sechs", erst eine stunde vor mitternacht aus dem kasten. Denn genuß ohne reue wird diese serie nur dem bieten, der neben dem bett das fernsehgerät als das wichtigste möbelstück ansieht" (dieser artikel im wortlaut, mehr...). So viel zum thema populäre kultur, in Deutschland.
GONG 02.05.1970: JOHN DRAKES SCHWIERIGSTER FALL "DIE SERIEN-ROLLE STEMPELTE McGOOHAN ZUM AGENTENSPIELER AB" Im April 1970, nachdem die letzte episode "Demaskierung" im ZDF gelaufen war, befand der Gong, ebenfalls unter dem banner des "K"-faktors": Vom Küssen will er nicht viel wissen" über den relativen misserfolg der serie, jedoch auch zurückhaltend: "...so stellte sich John Drakes schwierigster fall erst, als alle 'geheimaufträge' längst erfüllt waren. ... so dachte er sich die psychologisch untermauerten geschichten um den gefangenen 'Nummer sechs' aus, mit denen er sein persönliches anliegen zur diskussion stellen wollte: Den protest gegen die entmenschlichung der gesellschaft, in der die menschen immer mehr zu bloßen nummern werden. ... Der erfolg der 'aktion' des schauspielers Patrick McGoohan, so verlautet aus seiner umgebung, habe sich 'in grenzen' gehalten und sich bisher keinesfalls in klingender münze ausgezahlt."
"DAS GROSSE RÄTSEL UM 'NUMMER SECHS' - WIRD ER DEN DEUTSCHEN GEFALLEN?" FRAGTE DIE FUNKUHR AM 16.08.1969 UND MEINTE: NEIN Weitaus
nüchterner gab sich die zeitschrift Funkuhr in der ausgabe
vom tag des serienstarts. "Mit pauken und trompeten
durchgefallen" sei er ja bereits beim englischen publikum.
Das unverständnis quillt förmlich aus den zeilenzwischenräumen,
wenn McGoohan gegen sich selbst zitiert wird ("haufen mist"),
und der bericht schließt: "Vielleicht kapieren die
deutschen zuschauer (die serie)"; und meinten McGoohans
16-jährige tochter, die es angeblich auch nicht konnte. In
einer späteren ausgabe (19/1970) bekommt auch noch das ZDF
eins übergebraten: "Völlig danebengegriffen aber
haben die ZDF-planer mit der britischen serie 'Nummer Sechs'. Hier
wird der agenten-unsinn auf die spitze getrieben!" So ein
urteil hätte man auch leicht über manche episode von,
zum beispiel, SOLO FÜR O.N.K.E.L. fällen können.
BILD
UND FUNK 16.08.1969: "DRAKES NEUE
ROLLE - SEIN ANLIEGEN: Der reichlich späte und zudem äußerst unregelmäßige sendetermin (mehr...) für NUMMER 6 wird dagegen in diversen presseartikeln kritisch vermerkt. Angst vor der eigenen courage nennt man das wohl, oder eher traute man beim damals noch weit von "seniorensender"-image entfernten ZDF dem eigenen publikum nichts zu? Kein thema wert ist der deutschen presse die tatsache, dass und warum man von der ohnehin ungewöhnlichen anzahl von 17 episoden und bei faktisch nicht vorhandenem sendeschema für dasselbe nur 13 synchronisiert hatte - und welche nicht, und warum gerade die nicht. Da rabiate kürzungen und streichungen sowie die simplifizierung von vor- und abspännen bei fernsehserien bis weit in die 80er und 90er jahre hinein völlig normal waren, nicht weiter verwunderlich.
Übliche praxis bei einigen fernsehzeitschriften war es, dem
publikum in den textankündigungen nicht nur die englischen,
sondern auch die deutschen episodentitel vorzuenthalten und durch
eigene interpretierende schöpfungen zu ersetzen. Der Gong
etwa ließ die episodentitel bei der erstsendung 1969 ganz
weg, bei der wiederholung 1972 lautete der selbstgemachte titel
der episode "Pas de deux" dann "Sieg oder Niederlage?"
und für "Hammer oder Amboss" stand 1972 "Gejagter
Jäger". Die Bild und Funk machte aus "Die
Anklage" "Gefangener wird vor Gericht gestellt",
aus "A, B und C" "Geständnisse im Narkoseraum?",
aus dem ohnehin sprechenden titel "Schachmatt" das erläuternde
"Schachspiel mit lebenden Figuren", und stellvertretend
für seine leser fieberte der redakteur zur erstausstrahlung
der letzten folge "Demaskierung" mit: "Letzte
Folge: Endlich wieder frei", bei der 72er wiederholung
dann "Wieder eine Persönlichkeit". Alle klarheiten
beseitigt?
BRAVO:
"PATRICK McGOOHAN, DER ALS 'JOHN DRAKE' VIELE FANS Als 1972 die olympischen sommerspiele in München stattfanden, wiederholte das ZDF in einem mutigen schritt und als bewussten kontrast sieben episoden der "surrealistischen agentenserie" (HörZu) NUMMER 6. Geplant waren acht, die achte entfiel jedoch nach dem anschlag auf die israelische olympiamannschaft durch palästinensische terroristen. Wieder war es die HörZu, die eine lanze für die serie brach und den sender lobte: "... den misserfolg der serie in Amerika mutig missachtend ... gerechnet hatte mit dieser wiedergeburt keiner. Denn 'Nummer Sechs' hatte vor zwei jahren zu später stunde nur wenige zuschauer erreicht. Allerdings waren diese hellauf begeistert... Sie bombardierten den sender mit bitten um wiederholung." Semper aliquid haeret. Und die perlentaucher traten erst allmählich auf den plan. Ohne das randständige schließlich gäbe es auch diese website nicht.
BRAVO
08.09.1972 Hatte man also in Deutschland die qualitäten des formats frühzeitig erkannt? Genützt hat es jedenfalls nicht allzu viel. McGoohans wie auch die popularitätskurve von NUMMER 6 sanken danach rapide. Die erste wiederholung 1984 auf dem neu gegründeten privatkanal Sat1 fand zu einem zeitpunkt statt, als die neuen stationen froh über jedes sendefähige material waren und praktisch unter ausschluss der öffentlichkeit nur im kabelfernsehen. Anfang der 1990er jahre erhielt die serie mit den wiederholungen auf ProSieben (damals Pro7) noch einmal einen kleinen schub, der jedoch in der mittlerweile viel bunter gewordenen und unübersichtlicheren fernsehlandschaft unterging. Zumindest konnte, wer vorinformiert war, hier seine erinnerungen auffrischen und, wesentlicher unterschied zu 1969/72, NUMMER 6 erstmals auf video archivieren. In Großbritannien dauerte es immerhin bis 1976/77, bis THE PRISONER nach der ersten landesweiten fernsehwiederholung aufmerksamkeit erregte und der sender die anschrift eines gewissen Dave Barrie veröffentlichte, der einige zeit darauf die Prisoner Appreciation Society SIX OF ONE ins leben rief (mehr...). Sehr nett ist die begründung des ZDF für die erneut späte sendezeit: Die leute seien bei Olympia ohnehin länger wach, aber dafür sei die wartezeit zwischen den episoden nun kürzer, zitat: "Davon kann dieses mal die serie profitieren."
HÖRZU AUGUST 1972:
WIEDERHOLUNG VON 7 FOLGEN IM ZDF - Auf ein wort! Neue chance für NUMMER 6: Eine wiederholung auf deutschen fernsehschirmen hätte die serie im 41. jahr ihrer entstehung nötiger denn je. Auch wenn sich die zeiten und sehgewohnheiten gegenüber 1969 gewaltig verändert haben und fernsehen nurmehr eine unterhaltungs- und freizeitbeschäftigung unter vielen anderen ist. Der popularität würde eine wiederholte ausstrahlung (im frei empfangbaren fernsehen) auf jeden fall gut tun. Nach allem, was bekannt ist, wird sie vom ZDF nicht zu erwarten sein. Eigentlich schade, denn senioren sind wir doch (fast) alle...
MELDUNG
IN DER EHEMALIGEN SIX-OF-ONE-MITLGIEDERZEITSCHRIFT
Die Jupiter Film und Heimatdruck Ges. m.b.H. in Wien wurde vom Zweiten Deutschen Fernsehen, ZDF, mit der herstellung der deutschen fassung von THE PRISONER beauftragt. Die studioaufnahmen fanden in München, vermutlich bei der firma Beta Technik (mehr...) statt. Die deutsche reihenfolge ist dabei sehr unerforschlich eigen. Mit "großem blick fürs ganze" (Tobias Becker) sorgte Joachim Brinkmann für die übersetzung von 13 ausgewählten episoden ins deutsche und führte auch regie bei den synchronaufnahmen. Es ist nicht bekannt, ob er auch für gerade diese episodenauswahl verantwortlich war.
Abbildungen, ausschnitte aus fernsehzeitschriften aus der privatsammlung von Michael Brüne; mit besonderem dank an Heike Nau für das HörZu-tagesprogramm vom 16.08.1969
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"Wir sehen uns!" oder L'année dernière au Village · The Prisoner · Nummer 6 | |||||||||
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