Birmingham International Airport. Donnerstag, den 03.04.2008 – 13:35 Uhr. - "Typisch" englisches Wetter. Die Sonne scheint, ein bisschen Wind, so startet mein Empfang in good old England auf dem Weg nach Wales, genauer nach Portmeirion - dem Drehort der Serie THE PRISONER – NUMMER 6.

Meine erste Convention in Portmeirion
04. - 06. April 2008

 

The Prisoner Nummer 6

Serien gehören zum bodensatz des fernsehens, omnipräsent und so unendlich wie das medium selbst. Die wenigsten kratzen auch nur an der unterseite unserer aufmerksamkeitsschwelle.
UNWAHRSCHEINLICHE GESCHICHTEN war eine, dies es tat, der klassiker TWILIGHT ZONE.
Dieser titel steht ein für alles, was mit dem begriff TV-magic verbunden ist.

Fantastisches fernsehen
der 60er jahre, das ist
auch eine beschwörende formel:
"Wir sehen uns!"
oder L'année dernière
au Village:

FRANK T. BITTERHOF
BLU-RAY: DIE OFFENBARUNG
ROBERT FAIRCLOUGH

POP UND POLITIK
HOWARD FOY

ES WAR EINMAL - EIN TRIP
GUILLAUME GRANIER

SCHÖNER TAG! - SPÄTER...
LARRY HALL

DER PROZESS
WHAT IT MEANS...
HARALD KELLER

WIR SEHEN UNS - WIEDER
NUMMER SECHS
NOWHERE MAN
ROGER LANGLEY

PRISONER'S PORTMEIRION
SET PIECE - BÜHNENSTÜCK
6 PRIVATE
KEVIN P. MAHONEY

DER ANARCHISCHE PRISONER
RICK McGRATH

35TH ANNIVERSARY DVD
WARNER TROYER
McGOOHAN-INTERVIEW
CHRISTOPH WINDER

ICH BIN KEINE NUMMER

Jürgen Staeder
berichtet von seiner fahrt nach Portmeirion, zur PRISONER Convention 2008.

 

Von Jürgen Staeder

Ich laufe schwer bepackt, mit einem mehrfarbigen großen Schirm, ähnlich dem in der Serie, zum Rent-a-car-Schalter, um meinen Mietwagen in Empfang zu nehmen. Linksfahren. Ein bisschen nervös bin ich schon. Hab ich mir da zu viel zugetraut? Ich bekomme meinen Wagen und starte.Nicht zum ersten Mal in England, aber zum ersten Mal auf dem Weg nach Portmeirion. Mit der Zeit werde ich ruhiger. Das Linksfahren ist für mich noch anstrengend, vor allem das Schalten mit der linken Hand, sehr ungewohnt, aber man gewöhnt sich daran - mit der Zeit. Während ich auf der M6 Richtung Wolverhampten unterwegs bin, gehen meine Gedanken noch einmal zurück zu dem Augenblick, als mein Entschluß entstand, ich fahre nach Portmeirion.

Im Jahr 2007 haben wir den ersten deutschen PRISONER-Event in Wiesbaden veranstaltet. Damals wusste ich noch nicht wie sehr mich das alles wieder in den Bann von Nummer 6 ziehen würde.

Wir hatten genau 32 Besucher am 08.03.2007. Es war alles etwas ruhig, gemächlich aber trotzdem aufregend. Bevor wir öffneten, waren schon die ersten da. Und ich traute meinen Augen nicht, so bekleidet wie ich? Nein, Sie hatten das Jacket, das Nummer 6 trug, an, oder einen Ringelpullover oder...
Ich war erstaunt, das hatte ich nicht erwartet. Als ich dann in den hunderten ausgelegten Büchern, Heften, Zeitschriften usw. stöberte, die Bilder sah, Artikel las, da wurde mir immer mehr klar, ich mussda hin. Ich muss den Kirchturm sehen, ich will durch das kleine "Städtchen" laufen, die Treppen, die Wohnung von Nummer 6 sehen... Da sagte ich zu Ute (meiner Frau): "Nächstes Jahr fahr ich nach Portmeirion auf den Convent."

Schon kurz nach dem Event in Wiesbaden fing ich mit der Planung und der Organisation meiner Reise an. Ich fragte Arno nach dem Anmeldemodus. Meldete mich bei Six Of One an. Später dann zum Convent und dann, ja das musste sein, ich wollte im Village schlafen, übernachten, auch noch in der Nacht mitten in Nummer 6 zu sein. Auch das klappte, dank Debs' Hilfe.
Der Flug und der Mietwagen waren schnell gebucht. Und dann musste ich warten. Monat um Monat, und ich wär doch am liebsten sofort los, nach Portmeirion.

Nun war die Autobahn zu Ende, und ich musste mich auf die Landstrasse konzentrieren. Hier war es etwas anspruchsvoller zu fahren. Aber ich wurde durch die wunderschöne Landschaft, die Berge, das Grün, die vielen Schafherden entschädigt. Insgesamt dauerte die Fahrt 3 Stunden und 20 Minuten, nicht eingerechnet die Pausen.
Die Route ging von Birmingham über Wolverhampten, vorbei an Telford und Shrewsbury hinein nach Wales. Hier begann nun die Landstraße, die mich über Welshpool führte, ein wunderschöner kleiner Ort; hier kollidierte mein linker Vorderreifen leicht mit der Kante eines Bürgersteigs; nach Dolgellau über die A458. Eine wunderbare Strecke, die ich nur jedem empfehlen kann, in die Nähe meiner Träume.

BARMOUTH BAY MIT EISENBAHNBRÜCKE

Von dort nahm ich den Weg an der Küste entlang über Barmouth. Ein typischer Ferienort, aber trotz allem mit viel Charme. Hier machte ich meine erste längere Rast, um in einem Strandcafe einen Tee und ein Stück englischen Kuchen zu probieren. Tee war okay, der Kuchen - naja...
Hier in Barmouth ist eine wunderschöne Eisenbahnbrücke über die Barmouth Bay, den die Eisenbahnstrecke nach Porthmadog, vorbei an Portmeirion, benutzt. Über diese reiste übrigens Michael Brühne an, den ich in Portmeirion getroffen habe.
Nun trennten mich nur noch 40 Meilen von meinem Zielort, und ich genoss die Fahrt am Meer – hier genannt Cardigan Bay – zu meinem ersten Übernachtungsort. Da ich schon donnerstags anreiste, musste ich mir ein B&B für die erste Nacht suchen. Ich fuhr durch den Snowdonia National Park. Eine wunderbare Naturlandschaft. Vorbei an Harlech und dem über Harlech thronenden Castle kam ich zu dem kleinen Ort Talsarnau, in dem ich ein kleines Motel fand, das mir für diese Nacht Unterschlupf sein sollte.

HARLECH CASTLE

Auf der Karte hatte ich schon gesehen, dass ich jetzt genau gegenüber von Portmeirion sein musste und mich nur noch ein Meereseinschnitt davon trennte. Während der letzten Minuten hatte ich immer versucht, einen Blick auf Portmeirion zu erhaschen. Nun ging ich ein bisschen bergauf. Die Sonne schien noch. Portmeirion war aber schon in einen dunklen Schatten eingetaucht. Es war ein bisschen diesig auf der gegenüberliegenden Seite, aber man konnte es teilweise schemenhaft schon erkennen. Den Kirchturm, das Hotel am Strand, die Häuser. Auf jedem Bild, das ich bisher gesehen hatte, war es viel besser zu sehen, aber jetzt sah ich es wirlich. Ich bekam ein bisschen Gänsehaut. Obwohl ich mich sehr anstrengen musste, es zu sehen, konnte ich meinen Blick von der Silhouette nicht wegnehmen.

SCHEINBAR GANZ NAH - IN DER FERNE: PORTMEIRION

Ich war am Ziel. Ich war nur noch einen Katzensprung von Portmeirion entfernt. Ich vergaß eine Zeitlang sogar zu fotografieren. Ich stand einfach nur da und sog das Bild in mich hinein. Nummer 6, der Turm, die See. Ich roch es förmlich. Was würde mich morgen erwarten. Ich war gespannt. Meine ersten Schritte in Portmeirion.

Donnerstags abends hatte ich mich zum Dinner im Hotel Estuary Lodge angemeldet. Als ich den Speiseraum betrat, saß ein Paar an einem Tisch am Fenster. Mir wurde vom Gastgeber ein kleiner Tisch mitten im Raum zugewiesen. Er brachte mir die Karte, und ich begann sie zu studieren, während ich mir ein Bier bestellte. Auf die Frage, ob ich beruflich oder als Tourist in Wales sei, antwortete ich: "Ich bin ab morgen in Portmeirion auf der Six Of One-Convention". "Oh, dann bitte einen Augenblick", sagte er, nahm mir die Speisekarte weg und verschwand, allerdings nur für Sekunden, um mir dann die Speisekarte wieder in die Hand zu drücken.

Ich war etwas verwundert, und im ersten Augenblick verstand ich das nicht. Ich sah ihn nur lächeln, oder war es ein Grinsen? Auch das Paar am Nebentisch lachte, und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Die Speisen waren identisch, aber der Schrifttyp (mehr...) war der wie ihn Six Of One benutzt. Meine erste Frage war: "Darf ich die behalten?" Na klar durfte ich. Und so kam es, dass ich, bevor ich überhaupt in Portmeirion ankam, drei Stunden lang – nach dem Essen an der Bar des B&B, mit einigen guten Bieren gewürzt – Informationen über die Convention erhielt. Der Besitzer des B&B war selbst bei einigen Events zugegen und konnte bestens mit der einen oder anderen Geschichte darüber aufwarten.

Am nächsten Morgen nach einem phantastischen Frühstück fuhr ich los. Es waren nur noch wenige Meilen, und über eine Brücke, für die Maut zu bezahlen war, ging es nach Penrhyndeudraeth. Dort biegt man von der Hauptstraße ab, und die letzten Meter zum Prisoner beginnen. Durch eine parkähnliche Landschaft, auf einer schmalen Straße, die von Bäumen und Sträuchern eingezäunt ist, geht es über eine kleine Anhöhe. Dann weitet sich auch hier die Landschaft. Links nach wie vor Bäume und Sträucher, rechts der Straße offenes Gelände, teils eingezäunt, und der Blick fällt auf das Castle, Castell Deudraeth, heute Hotel, das mir aber viel besser bekannt ist als das Krankenhaus. Groß, dunkel, mächtig, doch wunderschön, weil sehr schön restauriert.
Ja, da war ich so begeistert, dass ich beinahe die Abfahrt Richtung Portmeirion verpasst hätte. So hatte mich die Begegnung mit dem ersten Gebäude von Nummer 6 abgelenkt.

Also, es geht kurz vorm Castle links ab, wieder hinein in den Wald, und dann kamen die Parkplätze und die Einfahrt. Da ich mich angemeldet hatte, nannte ich meinen Namen und die Suche begann auf der Liste, die dem Kontrollpersonal zur Verfügung stand. Auf dieser Liste war mein Name nicht zu finden. Ich suchte also meine Bestätigung raus und die Liste der Personen, die mit mir zusammen wohnen sollten. Nun fand der nette Wachmann den ersten Namen von meiner Liste auf seiner. Das sei ok, sagte er. Ich solle reinfahren, parken und dann zu Rezeption gehen. Gesagt getan. Ich parkte mein Auto und war in Portmeirion.

Alle Gebäude, auch die, die man vielleicht nicht in den Episoden von Nummer 6 gesehen hat, sind in diesem wunderschönen Stil erbaut. Auch die Rezeption machte da keine Ausnahme. Es war jetzt 11:30 Uhr und mir wurde gesagt, ab 15 Uhr könne ich einziehen. Also beschloss ich, mein Gepäck im Auto zu lassen und meinen ersten Erkundungsgang durch Portmeirion zu starten. Die Rezeption ist auf den Hügeln, die, wie wir Insider ja wissen, diesen wunderschönen Ort, umzingeln und eine Flucht "unmöglich" machen.

Aber mal ganz ehrlich, wer von uns möchte hier überhaupt entfliehen?

Von der Rezeption wendet man sich nach rechts und kommt auf den Weg, der direkt zu den ersten Gebäuden führt, die man aus der Serie kennt. Es geht langsam bergab, und links taucht der Aussichtspunkt auf, der Belvedere Outlook. Man sieht das Meer oder bei Ebbe den Sand der Bucht. Ich bleibe stehen und versuche das alles in mich hineinzuziehen. Ich bin ja nur drei Tage hier und will später alles wieder vor Augen haben, wenn ich an diese Stunden zurückdenke. Die Sonne scheint. Die Blätter der Bäume bewegen sich leicht im Wind. Alles ist sehr ruhig. Kaum jemand ist derzeit hier. Und ich bewege mich langsam weiter in Richtung des Zentrums von Portmeirion.

Irgendwie fühle ich mich eigentlich nicht hier. Denn ich stehe mitten im Film. Von hinten hupt es, und der Mini Moke kommt heran und überholt mich. Ich bekomme Gänsehaut, als er vorbeirauscht und erwarte eigentlich, dass jetzt hinter der nächsten Ecke Nummer 6 steht und mich fragt: "Wie heißt dieser Ort?". Aber nein, er steht nicht hinter der nächsten Ecke, nein leider nicht. Dann treffe ich auf dieses Gefährt:

Hey, der muß ja noch ein bisschen wachsen. Aber auch hier sieht man den Ideenreichtum der Six Of One Fans.

Ich komme nun zum ersten kleinen Platz, Battery Square, auf dem auch das Haus von Nummer 6 steht. Die Wohnung, ein Raum von nur 3 auf 3 Metern, ist vollgestoppt mit T-Shirts, Merchandising-Ware und seit 2008 – unter Glas - mit dem originalen Jacket von Nummer 6 – so heißt es.

VOR DEM PRISONER-SHOP - 6 PRIVATE

Mein erstes Gefühl war, ach - aufatmen, geschafft, toll, das ist es also! Und dann der Gedanke, es fehlt einfach die Wohnung, die im Film im Studio dahinter steht. Ein Augenblick Ernüchterung. Es fehlt was. Man steht da und denkt, schade, so klein, so wenig, um sich darin wieder zu finden. Aber dann dreht man sich um, sieht die Häuser und es begegnen einem Figuren, die man aus der Serie kennt und die man nicht missen mag. Erleichterung, es ist ja doch so wie man es erwartet hat. Gerettet. Wir sind ja mitten drin in unseren Wünschen. Das Pärchen aus dem Wilden Westen und viele andere. Hier ein paar von diesen, die ich besonders schön und interessant fand:

Jetzt gehe ich die Mainroad hinunter und schaue mir ganz in Ruhe einen Teil des Villages an. Ich setze mich auf eine Bank und freue mich am Anblick, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:

CENTRAL PIAZZA MIT POOL • DER AUTOR, IM HINTERGRUND: DAS HOTEL

CAMPANILE

BATTERY SQUARE MIT PRISONER-SHOP (2. FENSTER VON RECHTS)

PORTMEIRION HOTEL MIT RESTAURANT, DAVOR: DAS STEINBOOT

Dann klingelt mein Handy und Michael Brühne ist dran. "Hallo Jürgen, ich bin jetzt im Hotel in Porthmadog." "Prima", antworte ich, und wir vereinbaren, dass ich Ihn abhole. Als wir aus Porthmadog zurückkommen, ist es so weit, und ich darf mein Zimmer beziehen. Als ich das Haus betrete, sind meine Mitbewohner schon da.

Ich begrüße alle mit Handschlag und kann mir eigentlich im ersten Augenblick nur den Namen von Veron merken, da Sie die einzige Frau unter uns 8 Hausbewohnern ist. Um es genau zu sagen, wohne ich auch mit William (Verons Gatte), Mark, Tim, Anthony, Barry und Steve (der neue Redakteur des ab Sommer neuen Six Of One Magazins Contact Imminent).
Die Aufnahme ist sehr herzlich, wir lachen viel gemeinsam, und ich werde von den sieben Profis (sie sind alle schon viele Jahre Teilnehmer der Convention) eingeladen, am Dinner teilzunehmen, da man gemeinsam kocht. Da lege ich die 6 englischen Pfund pro Abend gerne an, und auch Michael partizipiert davon.

Dann gehe ich zu meinem Zimmer, 3 auf 2 Meter – man kann sich gerade so drehen. Es sind ein Bett, ein kleiner Nachttisch und eine Kommode im Zimmer. Aber das stört überhaupt nicht, denn wenn ich aus den beiden kleinen Fenstern blicke, dann sehe ich auf der einen Seite den Turm, den Campanile, und auf der anderen blicke ich auf das Herz des Villages.

Ein Traum. Ich wache morgens auf und erblicke den Turm. Wenn ich dann aufstehe und durch das Fenster ins Village schaue, glaube ich, die Zeit bleibt stehen, und gleich fährt der Mini Moke vorbei, und eine Stimme kommt aus dem Lautsprecher: "Gleich treffen wir uns alle zum Schach. Heute wird wieder ein schöner Tag." Am Abend ist die Eröffnungsveranstaltung, ein kleiner Umtrunk und ich lerne viele Menschen kennen, die mir sehr symphatisch sind und das gleiche Ziel haben: "Wir sehen uns!"

Samstagmorgen. Gestern Abend habe ich viele Leute kennengelernt. Die Namen spulen sich in meinem Hirn ab, aber ich kann sie längst nicht alle auf einmal direkt zuordnen. Michael freut sich auf viele alte Bekannte.

Heute Morgen steht die election parade auf dem Programm, der wahlkampfumzug. Begierig finde ich mich schon 30 Minuten, bevor es losgeht vor dem Prisoner Shop - Verzeihung, dem Haus Nr. 6 des Prisoners, ein. Mehr als 50 Leute sind schon da. Es werden die Plakate, die Regenschirme, Anstecker mit Nummer 2 und 6 und einiges andere verteilt. Es soll ja so aussehen wie damals. Die Organisatoren sind aufgeregt am Rumlaufen, ich höre so nebenbei, der Minimoke springt nicht an, und so ist noch viel zu tun.
Alle, die hier sind, so ca 90 Prozent, sind in Kostüme gekleidet. Ich habe mich in einen Umhang – von Michael in unserem Stück in Wiesbaden benutzt - geworfen und habe natürlich meinen Schirm mitgebracht. Was von Vorteil ist, da es doch ab und an - wen wunderts, wir sind in Wales, auf den britischen Inseln - regnet, tröpfelt und dann wieder wie in Gießkannen die Erde naßmacht. Stören tut es niemand wirklich. Man rückt zusammen, es wird fotografiert und gefilmt, conversation ist angesagt. Und dann kracht es und rumpelt es, und um die Ecke kommt der Minimoke angefaucht, wie im Film, wie in meinen Erinnerungen, und ich fühle mich zurückversetzt in das Jahr 1969, sitze vor dem Fernseher (schwarz-weiß), es ist 23:20 Uhr, die Augenlieder werden schwer, und es kommt NUMMER 6 im ZDF.

DER WAHLKAMPFUMZUG

Und als wäre es normal, die Sonne kämpft sich durch die Wolken zurück. Auch sie will ein bisschen zuschauen, und es kommt Bewegung in die Masse. Jeder will sich neben dem Minimoke fotografieren lassen. Das Schild mit dem Bild von Nummer Sechs wird anmontiert, und auf einmal beginnt der Dialog. Auf dem Übergang von Haus 6 zum Nebenhaus, erhöht in 3 m, stehen die Schauspieler, die Nummer 2 und 6 verkörpern, und es geht los. Sie gehen zum Minimoke, und die Stimmung wird aufgeheizt: "Vote! Vote! Vote! Vote!" und "Six for Two! Six for Two! Six for Two!" skandieren die Anhänger von Nummer Sechs.
Wir gehen die Mainroad hinunter, und ich habe Gänsehaut. Es ist schwer zu beschreiben, aber hier gibt jeder wirklich alles, um die Szenen wie in der Serie wieder aufleben zu lassen. In diesem Augenblick bist Du nicht mehr im Jahr 2008, sondern mitten in der Serie, bei der Aufnahme, und ich höre mich rufen: "Vote! Vote! Vote! Vote!" - "Six for Two! Six for Two! Six for Two!" - Es ist ein Gefühl, das man nicht wirklich beschreiben kann (mehr...).

Ich laufe mit und gehe von der Mainroad ab auf die Central Piazza, den zentralen Platz. Den umrunden wir vier- oder fünf Mal, immer ein klares: "Six for Two! Six for Two! Six for Two!" Vote No. 6!" auf den Lippen, und in diesem Moment beschließe ich, morgen filme ich nicht, morgen – wenn die Parade noch einmal abläuft – gehe ich nur mit und geniesse es, dabei zu sein.

"SIX FOR TWO! - SIX FOR TWO! - SIX FOR TWO!"

Es geht nach einer Weile noch den Berg runter zum Steinboot, dort hält Nummer Sechs eine kurze Ansprache, dann zurück nach oben, und auf dem Berg endet dann alles.
Wow, ich bin fertig, happy, werde fotografiert, versuche, alles in mich zu versenken, und wie oft im Leben denke ich jetzt schon an 2009 und habe nur einen Gedanken, wieder dabei zu sein. Der Tag vergeht mit vielen Vorträgen, und Abends sinken wir nach mehreren guten walisischen Bieren ins Bett. Ich schaue noch mal hinaus. Alles im Dunkeln, teilweise nur schemenhaft zu sehen, wo keine Beleuchtung ist. Ich bin glücklich und schlafe ein. Und im Traum rufe ich: "Six for Two! Six for Two! Six for Two!"

Wenn man nicht nur auf die Straßen blickt, sieht man im Ort auch solches:

Dann ist es soweit: Die beiden Gaststars der Convention, Jane Merrow und Earl Cameron (Alison bzw. der Supervisor, aus der Episode "The Schizoid Man"), werden interviewt. Ihr ganzes Leben zieht vorbei, und beiden ist anzumerken, dass es ihnen Spaß macht, hier zu bleiben. Nach den Interviews mischen sie sich unters Volk, keine Berührungsängste. Man kann zu ihnen, mit Ihnen diskutieren, Fragen stellen. Michael ist mitten drin, und ich glaube, er ist happy.

MICHAEL BRÜNE, LINKS MIT EARL CAMERON, RECHTS MIT JANE MERROW

Dann gibt es eine Autogrammstunde. Wir alle feiern zusammen, und eigentlich müsste es noch einen vierten Teil geben. Siehe die Bilder vom Schachspiel, dem "Ausrasten" einer Figur, dem Darstellers des "Turms", seiner Abholung durch den Krankenwagen (Minimoke) usw. usw. Aber wahrscheinlich gibt es dann auch nicht nur einen 4. Teil, sondern auch einen 5. Teil... Es gibt noch soviel zu berichten.

Mein Vorschlag, join the German group to Portmeirion in 2009!

Ich will noch kurz die Kosten aufzeigen. Wenn man rechtzeitig bucht: Flug Frankfurt – Birmingham ca. 100 Euro. 3 Übernachtungen im Village ca. 84 engl. Pfund. Mietwagen ca. 150 Euro plus + ca. 80 Euro Benzin. Wir haben in Porthmadog eingekauft und haben mittags im Village einen Super-Lunch für 6 Pfund gehabt.

Vielleicht sehen wir uns ja. Wenn Ihr Fragen habt, gerne per E-Mail: Jürgen Staeder (Kontaktformular, Nachricht wird weitergeleitet!).

Und so ende ich, wie es wohl dazu passt:
Be seeing you! – Wir sehen uns!
Jürgen

JÜRGEN STAEDER, STEVE RAINES, MAX HORA, MICHAEL BRÜNE

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