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IN THE CUT
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New York
City ist voller sanfter Irrer. Leider sind manchmal auch weniger sanfte
dabei. Bei ihrer Suche nach einem wirklichen Mann, einer unverfälschten
Sprache , kurz dem wirklichen Leben,
driftet die Englisch-Dozentin Frannie Avery sonambul durch ihr von einem
zu engen Gürtel zusammengehaltenes Dasein und kommt dabei dem tödlichen
Irrsinn gefährlich nahe. Jenseits aller dogmatischen Einflüssen war Jane Campion schon immer eine Meisterin darin, alle Sinne anzusprechen, und gleichzeitig auf die Beschränktheit der Wahrnehmungsorgane hinzu weisen. Fast wie in einem IMex-Kino rumpeln wir mit der U-Bahn dahin, sehen aber immer nur Ausschnitte. Wie stellvertretend Every - Girl Frannie für uns, die sich von ihren Vorlieben, Begierden und Ängsten die Stückchen auf ihrem Teller arrangieren läßt. Appetitliche und weniger appetitliche Stückchen des schmuddeligen Kuchens NYC, bestehend aus Poesie, Sex, Angst vor Nähe und Tod. Die schmalen Schnitte auf Downtown Manhattan, lassen die Hitze, den Rhythmus der Stadt fühlbar werden, zeigen aber auch Frannies zunehmend eingeschränktere Wahrnehmung, wenn ihr Blick sich beim Willen genauer hinzusehen, verengt. Und sie die Ränder, auf die sich der dreckige Fettfilm der Stadt legt, aus den Augen verliert. Ganz anders
das obskure Objekt Frannies Begierde, der Bulle Malloy. Er hat einen
ausgeprägten Sinn fürs Detail, aber er ist Cop und darf das
Ganze nicht aus den Augen verlieren. Im Gegensatz zu seiner Direktheit
umgibt ihn auch eine aufreizende Aura der Vagheit, die ihn höchst
verdächtigt macht. In the Cut,
auf den ersten Blick ein einfacher Thriller, ist so vielschichtig, wie
ein gutes Pathologie-Skalpell Gefrierschnitte liefern kann. Als Zugabe
legt eine wunderbar aschenputtelige Meg Ryan, ihr nettes Uptown-Girl-Image
ab und darf zur Belohnung endlich einen echten Orgasmus erleben. Text: Maggie Thieme, 2005; mit freundlicher Erlaubnis der Autorin |
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