Inhaltliche Würdigung:
Living In Harmony - Harmony
"Why don't we do a western?" soll die reaktion David Tomblins gewesen sein, co-produzent McGoohans bei Everyman Films, auf den entschlusses, nur 17 episoden NUMMER 6 zu produzieren, und da kaum noch zeit blieb, drehbuchautoren zu beauftragen. Eine Story von Ian L. Rakoff bildet die basis der episode.

RAUCHENDE COLTS, JA UND NEIN, ABER NICHT CLINT EASTWOOD IN RAWHIDE - PATRICK McGOOHAN IN
"LIVING IN HARMONY", ÄHNLICHKEITEN KAUM ZUFÄLLIG, SONDERN BEABSICHTIGT.

Eine bestechende idee und eine grandiose paraphrase sowohl auf zahllose western wie auf NUMMER 6 selbst: Die eröffnungssequenz zeigt einen mann auf einem pferd im galopp durch die landschaft reiten. Als nächstes sehen wir ihn vor einem Marshall seinen sheriffstern und das holster mit revolver ablegen. Mit dem sattel auf dem rücken zieht er davon. Einige hügel weiter wird er von bewaffneten gestalten mit durchaus finsteren absichten erwartet. Der mann wird gekidnappt und an einen ihm unbekannten ort geschafft, welcome to Harmony.
Der richter nimmt ihn vorerst in "schutzhaft" und verlangt von ihm, dass er seinen sheriffsjob wieder aufnimmt. Der mann weigert sich. Ein saloongirl scheint seine einzige verbündete zu sein. Aber da ist noch ein heißblütiger verehrer mit einer schnellen schusshand. Die lage für den sheriff wider willen und ohne waffe spitzt sich zu. Am ende kommt es zu einem shoot-out, in dessen folge der mann erschossen wird. Und wir sind wieder zurück aus der westernwelt an einem wohlbekannten Ort...

Keine eröffnungssequenz, nur McGoohan als darsteller und einige eher neutrale titel, am schluss des films erst erfährt man, dass man soeben eine NUMMER 6-folge gesehen hat.
"Living In Harmony" gehört zu einer kleinen reihe episoden, die nach der wiederaufnahme der produktion mit einem fast neuen team entstanden und sticht aus den 17 episoden heraus nicht nur wegen der ungewöhnlichen geschichte, die dann leider mehr schlecht als recht aufgelöst wird. Sondern vor allem wegen der neuen herangehensweise unter ausnutzung unverbrauchter örtlichkeiten anstelle des Villages. Stolz ist man darauf, dass die außenaufnahmen der "prärie" in England entstanden sind. Dazu befleißigen alle akteure sich eines amerikanischen akzentes, dass es eine art ist. Kommt hinzu eine exzellente stilisierende fotografie und ein damals junger akteur, Alexis Kanner, von dem McGoohan begeistert war, der als "the Kid" ein expressives spiel zeigt, voll unterdrücktem begehren, eine physische präsenz, wie es in keiner anderen NUMMER 6-episode auch nur annähernd vorkommt. Kanner trat auch kurz und ohne namentliche erwähnung in der folge "-3-2-1-0" auf sowie in "Demaskierung", wo er den hippie Nummer 48 spielte.

ALEXIS KANNER: DAS LETZTE WORT ZWISCHEN THE KID UND NUMMER SECHS
IST NOCH NICHT GESPROCHEN.

Jedoch, was Kanner erlaubt war, wurde Valerie French, der Kathy-darstellerin, verwehrt: Die ahnung einer brustwarze unter ihrem fummel, als sie auf dem boden liegt, musste auf McGoohans anweisung unter einer absichtlich platzierten verschattung versteckt werden. Es rächte sich gleichwohl bildersprachlich.

Hätte Tomblin mehr skripte beigesteuert und regie geführt, wer weiß, was in dieser serie noch möglich gewesen wäre.

Die episode wurde in den USA vom sender anfangs nicht gezeigt. Über das warum gibt es unterschiedliche auslegungen, die von zensur vor dem hintergrund des Vietnam-krieges bis zu rechtlichen aspekten reichen.

 

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