Inhaltliche Würdigung:
A Change Of Mind - Sinneswandel

Nummer Sechs sieht sich im Ort von einem bis dahin unbekannten "Komitee" verfolgt, das ihn bedrängt und zum unsozialen außenseiter stigmatisiert, weil er seiner eigenen wege zu gehen pflegt, sich kaum an den gemeinschaftsaktivitäten beteiligt und wenig kooperativ ("unmutual") ist. Nachdem gute worte nichts ausrichten konnten, wird er schließlich zwangsweise einer gehirnoperation unterzogen, die ihn kurieren soll. Und damit alle etwas davon haben, wird die erfolgreiche "soziale konversion" live im örtlichen fernsehen gezeigt. Die behörden scheinen auf dem richtigen weg zu sein, Nummer Sechs ist wie ausgewechselt, reiht sich in die gemeinschaft ein.

NUMMER SECHS THERAPIERT SEINE ÄRZTIN IN EINER WENIG GLAUBWÜRDIGEN
HYPNOSESZENE. SIE WUSSTE OFFENBAR SEINE ART DER TEEZUBEREITUNG NICHT ZU SCHÄTZEN.

Wie einige andere episodentitel von NUMMER 6 ist "A Change of Mind" mehrdeutig im sinne von geheirnwäsche, verstandesänderung, sinneswandel. Ambivalent ist auch die episode, die durchaus ihre momente hat, bleibt als eine unter mehreren aber deutlich zurück. Ein wenig liegt das daran, dass der ursprünglich vorgesehene regisseur von McGoohan gefeuert wurde und dieser selbst das kommando übernahm, und damit der gehalt über die absolut notwendige verpackung, die story, siegte.

NUMMER ZWEI ALS GÜTIGER GROSSER BRUDER

Der konformitätsdruck, sich allseitig anzupassen, einzufügen und den mund zu halten, war selten stärker in NUMMER 6, die zeichnung des Ortes und seiner bewohner, der allgemeinen atmosphäre war nie so unsympathisch und bedrückend wie hier; überdeutlich die Orwellschen anklänge aus 1984.
Erzwungene persönlichkeitsveränderung mittels medizinischer eingriffe zieht sich als roter faden durch diese ära; filme wie ONE FLEW OVER THE CUCKOO'S NEST von Milos Forman und SECONDS von John Frankenheimer dokumentieren das. Unterliegendes motiv ist die rigide, formierte autoritäre gesellschaft, die abweichler mundtot macht und ausschließt. Sie muss nicht notwendigerweise mit diktaturen einhergehen. Die geschichte der Bundesrepublik insbesondere der Adenauer-zeit während des Kalten Krieges hat das gezeigt.

Dass die episode trotzdem schwach ausfällt, liegt auch am wenig inspirierenden studio-setting und am plot, der nicht so weit gehen darf, wie man erwarten müsste, nämlich dass der held Nummer Sechs lobotomiert, also "die oberfläche beschädigt" wird, oder dass etwa das drehbuch mit einer rettung in letzter sekunde herbeikäme. Das wäre wahrscheinlich gegen McGoohans verständnis der rolle gewesen, der die dinge immer selbst in der hand hat.
Und daran, dass die von John Sharpe durchaus einschmeichelnd als gütiger onkel gespielte Nummer Zwei einfach aufgrund eines rhetorischen kniffs vor der menge als "unmutual"
blamiert dastehen und die flucht ergreifen soll - schwer zu glauben.
Bleibt der eindruck, dass diese episode mindestens ebenso hastig zusammengstrickt wurde, wie Nummer Zwei sich davon macht und sich eben darin mit zwei anderen - "Der General" und "A. B. und C." - trifft.

zurück zu den episoden