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Inhaltliche Würdigung A Change Of Mind - Sinneswandel |
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Nummer Sechs sieht sich im Ort von einem bis dahin unbekannten "Komitee" verfolgt, das ihn bedrängt und zum unsozialen außenseiter stigmatisiert, weil er seiner eigenen wege zu gehen pflegt, sich kaum an den gemeinschaftsaktivitäten beteiligt und wenig kooperativ ("unmutual") ist. Nachdem gute worte nichts ausrichten konnten, wird er schließlich zwangsweise einer gehirnoperation unterzogen, die ihn kurieren soll. Und damit alle etwas davon haben, wird die erfolgreiche "soziale konversion" live im örtlichen fernsehen gezeigt. Die behörden scheinen auf dem richtigen weg zu sein, Nummer Sechs ist wie ausgewechselt, reiht sich in die gemeinschaft ein.
NUMMER
SECHS THERAPIERT SEINE ÄRZTIN IN EINER WENIG GLAUBWÜRDIGEN Wie einige andere episodentitel von NUMMER 6 ist der englische "A Change of Mind" fast unübersetzbar mehrdeutig im sinne von geheirnwäsche, verstandesänderung, sinneswandel. Frank Wesel, der deutsche dialogautor für die synchronisation durch Arte im jahr 2010, bekannte, diese folge sei eine extreme herausforderung gewesen. Ambivalent ist auch die episode, die durchaus ihre momente hat, bleibt hinter anderen aber deutlich zurück. Ein wenig liegt das daran, dass der ursprünglich vorgesehene regisseur von McGoohan gefeuert wurde und dieser selbst das kommando übernahm, und damit der gehalt über die notwendige verpackung, die story, siegte. Der konformitätsdruck, sich allseitig anzupassen, einzufügen und den mund zu halten, war selten stärker in NUMMER 6, die zeichnung des Ortes und seiner bewohner, der allgemeinen atmosphäre war nie so unsympathisch und bedrückend wie hier; überdeutlich die Orwellschen anklänge aus 1984. Erzwungene persönlichkeitsveränderung mittels medizinischer eingriffe zieht sich als roter faden durch diese ära; filme wie ONE FLEW OVER THE CUCKOO'S NEST von Milos Forman und SECONDS von John Frankenheimer dokumentieren das. Unterliegendes motiv ist die rigide, formierte autoritäre gesellschaft, die abweichler mundtot macht und ausschließt. Sie muss nicht notwendigerweise mit diktaturen einhergehen. Die geschichte der Bundesrepublik insbesondere der Adenauer-zeit während des Kalten Krieges hat das gezeigt.
NUMMER ZWEI ALS GÜTIGER GROSSER BRUDER Dass
die episode trotzdem schwach ausfällt, liegt am wenig inspirierenden
studio-setting und am plot, der nicht so weit gehen darf, wie man erwarten
müsste, nämlich dass der held Nummer Sechs lobotomiert, also "die oberfläche beschädigt" wird. Oder dass
etwa das drehbuch mit einer rettung in letzter sekunde herbeikäme.
Das wäre wahrscheinlich gegen McGoohans verständnis der rolle
gewesen, der die dinge immer selbst in der hand hat. Und dass die von John Sharpe durchaus einschmeichelnd als gütiger
onkel gespielte Nummer Zwei einfach aufgrund eines rhetorischen kniffs
vor der menge als "unmutual" blamiert
dastehen und die flucht ergreifen soll - schwer zu glauben. |