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Als
Arno Baumgärtel, deutscher koordinator von SIX OF ONE,
anfang des jahres sich mit mir in verbindung setzte und mir sagte,
dass man NUMMER 6 bei Arte zeigen würde, war
ich etwas ungläubig. Als dann meine gute freundin Josie Mely
mir
erzählte, dass die serie auf beiden seiten der grenze als teil
des programmes "Summer of the 60s" gezeigt würde,
war ich richtig
"JE
NE SUIS PAS UN NUMÉRO.
JE SUIS UN HOMME LIBRE!"
Von
Patrick Ducher · Le rÔdeur
Arno
Baumgärtel ·
www.nummer6-theprisoner.de 

happy,
aber tief im inneren auch matt: Wie würde diese 43 jahre alte
serie beim jüngeren, neuen publikum ankommen? Angesichts der
tatsache, dass die ausstrahlung des AMC PRISONER-remakes
beim pay-TV-sender Canal+ im vergangenen frühjahr ohne rechten
erfolg vonstatten gegangen war (allerdings hauptsächlich bei
den älteren fans), nach anfänglichem publicity hype und
trotz einer vielzahl wohl platzierter kommunikationsstrategien durch
den amerikanischen sender.
Mehrere
ausstrahlungen der originalserie fanden in Frankreich bis mitte
2000 statt, gingen aber auch beinahe unbemerkt vorüber. Im
winter 2008 konnte man beim radiosender NRJ12 werbung für LE
PRISONNIER hören, da die serie beim NRJ-kabelfernsehen
laufen sollte.
ORIGINALARTIKEL ALS PDF PER DOWNLOAD
BERND RUMPF INTERVIEW
MIT HARALD KELLER
NUMMER 6 TV-PREMIERE
IM ZDF 1969
DIE SECHS-IDENTIÄT: BEI ZDF-neo
Ich
fand es eine gute idee, das original in beiden ländern zu zeigen,
damit endlich alle, die nicht wussten, was wirkliches "kultfernsehen"
bedeutet, auch die statisten aus dem Village entdecken konnten.
Es muss gesagt werden, dass unsere sehgewohnheiten sich innerhalb
von zehn jahren dramatisch verändert haben. Durch das internet
kann sich heute praktisch jeder mit etwas geduld und einem gutem
anschluss alle 17 episoden per mausklick besorgen. Die (fernseh-)
geschmäcker ändern sich alle naselang. Und der publikumsliebling
von heute wird schon bald von etwas neuerem verdrängt. Googlen
Sie einmal nach "fernsehserie" und Sie werden tausende
sogenannter kultserien-sites finden.

LINKS
N. RECHTS: TELERAMA - STERN TV-MAGAZIN - LES INROCKS
Wie
sollte also der originale PRISONER mit den heutigen schillernden
und temporeichen produktionen konkurrieren? Nun, oldtimer würden
behaupten, dass man "solches zeug heute nicht mehr macht".
Bahnbrechende produktionen wie 24 und LOST sind rar und haben doch
auch bei kritikern, besonders jüngeren, die sichtweisen verändert,
wie über fernsehsendungen geschrieben wird, da es ja angebote
en masse gibt.
In
fast allen artikeln der französischen presse aus der woche
vor beginn der Arte-ausstrahlung wird THE PRISONER regelmäßig
mit LOST verglichen. Das sollte man wohl als kompliment auffassen
angesichts des großen erfolgs von JJ Abrams geistigem kind
mit dem verwickelten plot (die letzte folge lief am 23. Juni). In
der kulturbeilage des wochenmagazins "TéléObs"
schreibt Marjolaine Jarry: "LOST und THE PRISONER
gehören zur selben fernsehfamilie (...) In der letzten episode
werden direkte bezüge zu THE PRISONER hergestellt, dort wird
eine gewisse Nummer Eins erwähnt." Sie fährt
fort: "In der dritten LOST-staffel haben wir erfahren, dass
es auf der insel andere überlebende gab, die Anderen. Sie lebten
in einem gefängnis-ähnlichen ort, ganz ähnlich wie
dem Village aus THE PRISONER. In beiden serien haben wir es mit
einer totalitären umgebung zu tun, von verrückten wissenschaftlern
geführt, die ohne zögern menschen als versuchskaninchen
missbrauchen." Weiter schließt sie: "Die leute auf
der insel träumten davon, nach hause zu kommen, wie Nummer
Sechs. In beiden serien kommt es zu zahlreichen und glücklosen
fluchtversuchen." Im grunde, so Jarry, "hat die
letzte episode von LOST die zuschauer enttäuscht. Vor 40 jahren
machte der abschluss von THE PRISONER die leute wütend, weil
es keine antworten auf die frage gab, ob wir womöglich nicht
unser ärgster feind sind."
Im
wöchentlichen kulturmagazin "Les Inrock"
titelte Vincent Ostria auf englisch: "This Good Old
6" und ließ die flamme wieder aufleben: "THE
PRISONER in der 1967er version bleibt die beste britische fernsehserie,
ein meisterwerk für die sinne." Er erwägt, warum
die serie so großartig war: "Die serie entstand zum
ende der 60er jahre und verkörpert die paranoia des Kalten
Krieges, indem sie spione, science-fiction und psychologische spekulation
miteinander verschmolz. Außerdem sprach sie themen wie die
hölle der einsperrung und überwachung an." Nach
Ostria "entwickelte McGoohan einen fantasieort mit einer
karnevalsparade, wo die bewohner farbenfrohe kleidung tragen und
unablässig von aus einem unterirdischen bunker gesteuerten
überwachungskameras beobachtet werden." Ostria nimmt
an, dass "die episode "A. B. und C." Christopher
Nolans

TELE-POCHE:
"NACH 43 JAHREN IMMER NOCH KULT"
blockbusterfilm INCEPTION beeinflusst haben muss (...) und das
umso mehr, als Nolans name in der presse schon mehrmals im zusammenhang
mit einer möglichen kinoversion von THE PRISONER genannt wurde."
Er behauptet, die serie sei mehr als ein Orwell'scher ableger, dadurch
dass sie viele komplexe bereiche berührte, etwa wahrnehmung
und psychische konditionierung hinter dem Eisernen Vorhang. Seiner
meinung nach ist es ihr gelungen, britischen humor - "tongue-in-cheek"
- mit dem ernsten thema gefängnis und manipulation in übereinstimmung
zu bringen. Er schließt: "Wie ein hypnotisierender
Rubik-würfel, der schwere abhängigkeit hervorruft."
Manch andere artikel kommen ein bisschen leichtgewichtiger daher.
Am
24. Juli, als "Die Ankunft" gezeigt wurde, erklärte
Félicie Bonard in der tageszeitung "Aujour'd
hui en France", für ferienreisende sei es möglich,
den ort zu besuchen, wo THE PRISONER gefilmt wurde. Sie schreibt,
das sei dort, wo James Bond auf Alice im Wunderland treffen könne.
Meurig Jones, manager von Portmeirion dazu: "Die besucherzahl
verdoppelte sich nach ausstrahlung der ersten episode 1967. Jetzt
haben wir pro jahr 250.000 besucher." Wer wirklich in McGoohans
fußstapfen treten wolle, so Jones, "sollte mitglied
des fanclubs werden und an der jährlichen zusammenklunft teilnehmen
und sich für die szenischen aufführungen entsprechend
kleiden." Touristen, die lieber allein etwas unternehmen,
können nach Jones worten "Portmeirion als ausgangsbasis
für einen besuch des Snowdonia-Nationalparks benutzen."
Der ort werde auch gern von firmen für ihre veranstaltungen
genutzt. Im wöchentlichen magazin "TéléCable
Hebdo" schrieb Cédric Melon, dass die
serie verehrt und kopiert wurde: "Mit der zeit wurde ein
kult daraus, der doch ziemlich aktuell geblieben ist, und das zweifellos
hinsichtlich der zahlreichen fragen über die bedeutung von
allem."
In
"VSD" nannte Eric Dausson drei gründe,
warum THE PRISONER nach wie vor die zuschauer fasziniert: "Es
ist die symbolik, sie ist visuell einfach fantastisch und die stories
der 17 episoden sind großartig. Zweitens hat die serie eine
unzahl vergangener und aktueller fernsehformate beeinflusst, wie
zum beispiel X FILES und LOST. Drittens ist sie die ultimative kultserie,
die man gesehen haben muss wegen McGoohans berühmtem ausruf
'Ich bin keine nummer, ich bin ein freier mensch!'"
Im
wöchentlichen kulturmagazin "Télérama"
vom 21. Juli erschien der umfangreichste beitrag zum thema, von
Sophie Bourdai, mit dem titel: "Number Six capture Sophie
B." Bourdais hatte THE PRISONER nie gesehen und war vollkommen
davon gefangen genommen: "Trotz der überkommenen optik
bleibt sie ein stück visionäres fernsehen." Interssanterweise
hatte Bourdais keine der fernsehausstrahlungen je gesehen, weder
die ursprüngliche von 1968 in schwarz-weiß, die von der

FRANK
AURES ZUM SERIENSTART IN TV SPIELFILM NR. 15/2010:
"EINFLUSS UNGEBROCHEN... DAS ORIGINAL IST NICHT ZU SCHLAGEN."
französischen
zensur geschnitten worden war. Auch nicht die von 1983, als der
kultrummel dank der science-fiction-sendung "Temps X"
der brüder Bogdanov einsetzte. Und auch nicht die von 1991,
als drei bis dahin nie gezeigte episoden auf dem kanal M6 liefen.
Bourdais glaubt, es sei unmöglich, das erbe der serie zu übersehen,
dass etwa "der große weiße ballon sich in den
dunklen qualm bei LOST verwandelt hat." Die insel sei tatsächlich
wie der Ort - the Village -, oder vielleicht wie MEADOWLANDS (anm.:
britische serie). Ein paar bestandteile sind ganz klar altmodisch,
die französische synchronisation, der sixties-look" und
so Bourdai, "das fehlen einer echten handlungskontinuität
vom anfang bis zum schluss." Und doch sei THE PRISONER
immer noch seiner zeit voraus und habe den weg für TWIN PEAKS
und andere moderne serien bereitet. Anklänge an videoüberwachung
und Facebbok könne man in McGoohans worten 'Ich lasse mich
nicht zwingen, stoßen, abstempeln, einstufen, werten, abwerten
oder nummerieren.' vernehmen. Jeder könne sich entsprechend
der eigenen bedindlichkeit darauf einlassen. Das ist Bourdais' erklärung
für den lang anhaltenden kultstatus der serie.
In
einer zusammenfassung der ersten drei episoden vom 24. Juli schrieb
sie, die serie "feierte den kampf des individuums gegen
die masse und war eine metapher für den Kalten Krieg und totalitarismus,
vielleicht auch eine pessimistische sicht auf den fortschritt."
Die serie bleibe offen für erklärungen jeder art. "Letzten
endes sind sie keine nummer, nur freie fernsehzuschauer!"
In "Télérama" vom 18. August
kommentierte Bourdais die episoden 13, 14 und 15, die im französischen
fernsehen jahrelang nicht gezeigt worden waren. Sie wurden erst
im März 1991 gesendet. Bourdais: "Sie fügen der
allgemeinen handlung nichts weiter bei, aber sie sind zumindest
wert, als stilübungen gesehen zu werden." Für
Bourdais ist die episode "Do Not Forsake Me, Oh My Darling"
("2:2=2") an sich lachhaft und stehe DR. WHO viel näher.
"Living In Harmony" "(Harmony") ist ihr favorit
wegen der düsteren und gewalttätigen stimmung, THE PRISONER
in eine westernumgebung versetzt, weil es McGoohan so gepasst habe.
Und "The Girl Who Was Death" ("---3-2-1-0")
bringe "einen erfrischenden mix aus humor und perversität"
ins spiel. Sie schließt, kommende woche sei die zeit von Nummer
Sechs abgelaufen und die identität von Nummer Eins werde kein
geheimnis mehr sein.

TELE-OBS:
"VISIONÄR UND REBELLISCH"
In
seinem blog (http://news.suite101.fr) beharrte Daniel
Lesueur darauf, McGoohan habe das geheimnis mit ins grab genommen.
Er reflektiert über die beeinduckende und betörende atmosphäre
der serie, um dann eine parallele zur heutigen situation zu ziehen:
"Wir sind frei, wir leben in der wirklichen welt, gehen
unseren berufen nach, wir leben in einer demokratie, fahren autos,
können reisen, wohin auch immer, und moderne polizeikräfte
passen auf uns und unsere redefreiheit auf. Wir können reden,
worüber wir wollen. (...) Aber wir können nicht verhindern,
dass von unseren steuern waffen zur landesverteidigung hergestellt
werden. Wir arbeiten nicht in gefängniszellen, auch wenn die
türen zwischen 9 und 17 uhr verschlossen sind. Das ist nur
dazu da, damit wir effizienter arbeiten." Lesueur befasst
sich dann mit den politischen und sozialen fragen, die in der serie
aufgeworfen werden: "Wir alle haben eine passnummer, eine
sozialversicherungskarte, ein bankkonto und sogar eine einzigartige
ID-Nummer." Er schreibt auch, dass nach auffassung mancher
fans der wahre held der serie der ort selbst - the Village
- sei. Und Sir Clough Williams-Ellis sei ein exzentrischer öko-erbauer
gewesen, der sein projekt ausschließlich an ästhetischen
zielen ausrichtete und technische fragen wie rohrleitungen ausblendete,
wodurch einige der gebäude unbewohnbar gewesen seien.
ORIGINALARTIKEL ALS PDF PER DOWNLOAD
Ein
wort zur Arte-website. Der französische autor
Martin Winckler wurde beauftragt, ein interessantes "dossier"
über die serie zu verfassen. Es besteht aus acht kapiteln:
der Pitch (anm.: übersicht, einstieg), gebrauchsanweisung,
episodenbeschreibungen, hommage an Patrick McGoohan von filmemacher
Luc Lagier, fotos von den dreharbeiten, über die produktion,
den helden und was das alles soll...
Arno Baumgärtel, deutscher vertreter von SIX OF ONE,
fand einige von Wincklers worten merkwürdig im hinblick auf
die deutsche fassung. Denn man hatte Wincklers text einfach aus
dem französischen ins deutsche übersetzt ohne rücksicht
auf die zusammenhänge rund um die deutsche fassung (anm.:
von der französischen sagt man, sie sei recht oberflächlich).
Wo wir
gerade
von der anderen seite des Rheins sprechen,
Arno hatte nicht damit gerechnet, dass NUMMER 6 es auf die titelseite
des

STERN
TV -MAGAZIN - IN SACHEN NUMMER 6 DIESMAL DIE NUMMER EINS
magazins "Stern" schaffen würde, auf
den titel der fernsehbeilage zwar, aber nicht übel, mit einem
zweiseitigen artikel und farbfotos dazu. Die überschrift lautete:
"Nach über 40 Jahren immer noch so eigentümlich
wie einst - die Brit-Serie NUMMER 6." Der untertitel: "Wie
der Sixties-TV-Star Patrick McGoohan sich und seine Serie NUMMER
6 zur Legende machte." Nach Arnos einschätzung dürfte
das die größte landesweite veröffentlichung sein.
Der autor des artikels, Andreas Banaski, erklärte, die
serie sei zuerst im August 1969 beim ZDF gelaufen, und man habe
vier von 17 episoden weggelassen. Er schrieb weiter: "Statt
feierabend-eskapismus zu bieten, warf die serie fragen nach individuum
und gesellschaft, freiheit und totalitarismus, verschwörung
und fortschrittswahn auf und kreuzte das technologiedesign eines
orwellschen überwachungsstaates mit Miss-Marple- und Mary-Poppins-putzigkeit."
Die serie, so Banaski, sei einzigartig in ihrer "mischung
aus hoch- und popkultur", eine "große errungenschaft
der sechziger im range des nouvelle-vague-filmers Jean-Luc Godard
oder der Beatles". Auch schriftsteller wie Brecht und Ionesco
erkennt Banaski darin wieder.
In
einem kurzen interview des frei schaffenden journalisten Harald
Keller (http://untergeschoss.wordpress.com, vom 24. Juli) erläuterte
synchronschauspieler Bernd Rumpf seine beteiligung an den vier bisher
nie gezeigten episoden (Rumpf ist die deutsche stimme von Liam Neeson,
George Clooney und Alan Rickman, um nur einige zu nennen). Seinen
vorgänger Horst Naumann (anm.: als synchronstimme von Nummer
Sechs/McGoohan) hatte man für den part nicht genommen,
da sich seine stimme zu stark verändert hatte. Aber Rumpf zeigte
sich der qualitätsarbeit von früher gewachsen. Keller
schreibt, man habe sich für Rumpf entschieden, weil seine stimme
der von Naumann sehr ähnlich sei. Rumpf erinnerte sich, dass
er die serie zum ersten mal 1972 während der olympischen spiele
gesehen hatte. Seiner meinung nach sei das, was man damals sah (eine
anscheinend demokratische umgebung, eine führung ohne
TV-GUIDE
NR. 16/2010 (DEUTSCHLAND) - DISCOUNT-FERNSEHZEITSCHRIFT
MIT KÖPFCHEN: "DIE ERSTEN 20 MINUTEN (VON "HERZLICHEN
GLÜCKWUNSCH") WERDEN
NUR VON McGOOHANS DARSTELLUNG GETRAGEN."
gesicht...)
auch heute noch aktuell. Rumpf hatte die serie nicht komplett gesehen,
versprach aber, das nachzuholen, sofern Arte ihm ein kostenloses
exemplar überlassen würde.
In der tageszeitung "Frankfurter Rundschau"
beschrieb ebenfalls Harald Keller unter dem titel "Der
Fremde in der Ferienanlage", dass Arte mit der synchronisierung
der vier episoden einen schwierigen job hatte. Lisa Müller,
verantwortliche Arte-redakteurin, erklärte, man habe die originalstimme
für McGoohan nicht nehmen können (Naumann ist 84 jahre
alt). So habe man sich für Bernd Rumpf entschieden, der gerade
die serie COLD CASE bearbeitete. Auch die allgemeine wortwahl musste
bedacht werden, da manche ausdrücke von 1969 etwas antiquiert
gewirkt hätten. Frank Wesel, dialogregisseur, ergänzte:
"Die neuaufnahmen sollten so klingen wie 1969, als die mikrofone
eine andere charkteristik hatten als heute."
Das
thema synchronisation behandelte Keller, autor mehrerer bücher
über alte fernsehserien, auch in einem artikel mit dem titel
"Neue Stimmen für alte Stars" ("Neue Osnabrücker
Zeitung" online): "Das Hauptproblem bei dieser
Aufgabe sei die Besetzung gewesen, berichtet (Wesel). Denn es mussten
nicht nur passende Stimmen gefunden werden, sondern auch Sprecher,
die den seinerzeit üblichen, überhöht dramatischen
Tonfall beherrschen. Das ist etwas, womit sich jüngere
Sprecher schwertun, so Wesel, nicht zuletzt, weil sich die
Schauspielausbildung seit damals verändert habe."
ORIGINALARTIKEL ALS PDF PER DOWNLOAD
Unter
der witzigen überschrift "Der Spion, der mich verwirrte"
schrieb Thorsten Dörting im magazin "Der
Spiegel" (anm.: anscheinend nur online-ausgabe),
in der serie gehe es um gedankenkontrolle und psychofolter. Weiter,
dass nach JJ Abrams, schöpfer der serie LOST, "seine
insel-saga ohne THE PRISONER nie möglich gewesen wäre."
Die serie, so Dörting, stelle eine virulente frage: "Wie
definiert sich das verhältnis zwischen individuum und gesellschaft,
zwischen staat und bürger, freiheit und kollektiv?"
LINKS:
VSD, "ERZÄHLERISCHE RAFFINESSE IM ÜBERFLUSS"
RECHTS: AUJOURD'HUI EN FRANCE, "WILLKOMMEN IN PORTMEIRION,
DREHORT VON NUMMER 6"
Eric
Bouche erklärte im wochenmagazin "TéléPoche"
vom 6. August, die 43 jahre alte serie sei immer noch kult. Er schrieb,
als die serie 1968 zuerst in Frankreich lief, habe niemand davon
notiz genommen. Im weiteren, der allgemeine plot "geheimagent
versucht auszubrechen" sei geradezu klassisch. Tief im inneren
aber habe ihr schöpfer Patrick McGoohan den blick auf den wahnsinn
des individuums werfen wollen. Der held wollte in wirklichkeit gegen
das system rebellieren. Er behauptete, die serie sei daraufhin in
vergessenheit geraten, bis sie in den 80er jahren wiederholt und
dann zum kult wurde. Bouche erwähnt auch die alljährlichen
zusammenkünfte von fans am drehschauplatz in Portmeirion.
Anastasia
Svoboda schrieb am 31. Juli in "Télé
Loisir" unter dem scharfsinnigen titel "Spend
the Summer in the Village": "Dank Arte wird es eine
freude sein, den unfehlbaren Patrick McGoohan wiederzusehen und
eine zeitreise in die sechziger anzutreten." Sodann: "THE
PRISONER war eine quelle fortlaufender annahmen und theorien, woraus
sich ergibt, dass die autoren von LOST gar nichts erfunden haben."

ARTE-MAGAZIN
(FRANKREICH) NR. 30, 2010
Eigens
für die presse veröffentlicht Arte ein wöchentliches
farbmagazin (dem gesetz nach ist es fernsehsendern in Frankreich
verboten, eigene fernsehzeitschriften zu verbreiten), worin die
programme detailliert vorgestellt werden. Die übersetzerin
und autorin Josie Mely nennt sechs gründe, warum man
sich für die serie interessieren sollte:
1. Es gibt den ort - the Village - wirklich,
und er ist sehenswert. 2. McGoohan war ein rebell.
Er warf John Drake, die figur, die ihm ruhm und wohlstand gebracht
hatte, beiseite, um mit dem namenlosen helden einen sehr persönlichen
weg einzuschlagen. 3. Die drehbücher sind überhaupt
nicht blöde. Schließlich wurden vom britischen geheimdienst
agenten zum "abkühlen" an einen ort nach Schottland
gebracht (mehr...),
wo sie niemandem mehr schaden oder nutzen konnten. 4.
Sixties fans mögen die unheimliche ausstrahlung der serie,
die alten fahrzeuge, die klamotten... 5. Die visionäre
futuristische botschaft: kreditkarten, drahtlose telefone... alles
der zeit voraus! Und 6. Der plot lebt weiter. Handelte
es sich um eine metapher für den Kalten Krieg? Warum hat der
held seinen job aufgegeben? Warum kommen da keine kinder vor? Warum,
warum...?

WER
SIND SIE?
DIE NEUE NUMMER SECHS.
Samstagabend,
31. Juli. Nicht "Dorf", sondern "Ort"
in der Arte-synchronfassung der episode "Free For All".
Folgerichtig gibt es auch ein "ortsfest" und kein
"dorffest". Das muss gewürdigt werden.
Von
Arno Baumgärtel
·
Six Of One
Patrick
Ducher · www.leprisonnier.net 

Als
2006 die deutsche DVD erschien, blieben langjährige fans von
NUMMER 6 sofort bei einem begriff in den untertiteln hängen,
wo es um die berühmte frage geht: "Wo bin ich?"
Antwort: "Im Dorf." Kaum jemand ohne wenigstens
grundkenntnisse der deutschen sprache dürfte verstehen, was
das bedeutete. Was zum teufel versuchst du uns da zu verklaren?
Hier, im wörterbuch steht es doch schließlich: "village
= dorf". Die wahrheit ist: Es stimmt. Und es stimmt doch nicht.
Es ist nicht nur eine frage der etymologie, sondern, wichtiger,
der perspektive - und vision. Den deutschen untertiteln von 2006
mangelte es klar an beiden.
Deshalb
lag Arte richtig, diese denkwürdige zeile so zu übertragen,
wie es 1969 der vormalige dialogregisseur Joachim Brinkmann gemacht
hatte: "Where am I?" - "Sie sind da."
Aus dem "Village" der originalfassung machte er
"Ort", "hier" oder "gemeinde"
- schwer zu erfassen und einen tick mysteriöser als das original,
das ist wahr. Und so blieb nun auch der auftritt des ballons "Rover"
als "Weißer Alarm" erhalten. Später
wurden diese und ein paar weitere stellen als "Brinkmannsche
injektionen" bekannt. Und im gegensatz zum wörterbuchwissen
hatte er damit absolut recht.
FREIE
WAHL
aka
FREE FOR ALL
Diese
episode hat man an die hundert mal gesehen, fast jeden dialog kennt
man auswendig. Und es ist schon bemerkenswert, dass Patrick McGoohan
hier mit seiner eigenen stimme spricht. Für deutsche war schließlich
die stimme von Horst Naumann die wahre Nummer Sechs, oder nicht?
Inzwischen trägt die episode den deutschen titel "Freie
Wahl", und es spricht Bernd Rumpf. - Wer sind Sie? Die
neue Nummer Sechs. Der gesprochene prolog ist etwas hallig,
aber das geht in ordnung. Also was nun, sind die frischen synchronfassungen
von Arte ein erfolg? Ja, kein zweifel. Das sind sie.
Die
stimme von Herrn Rumpf ist - was wunder! - anders als die von Horst
Naumann. Er ist nicht sein doppelgänger. Aber eine wirkliche
ähnlichkeit ist vorhanden, bisweilen sogar identisch. Eine
gute wahl. Was mir nicht gefällt, ist die intonation, mit der
Rumpf Nummer Sechs ausstattet; etwas zu exaltiert und gewaltig,
als ob er, sagen wir, Bruce Willis sprechen würde. Naumann
dagegen macht es zurückhaltend, fast schon unauffällig.
In den momenten aber, wo Rumpf sich zurücknimmt, trifft er
Naumanns gewohnte art zu sprechen. Vielleicht auch ein

ARTE-MAGAZIN
(DEUTSCHLAND) JULI 2010
problem:
die tonabmischung, die mir zu hart vorkommt. Aber ich bin darin
kein fachmann. Inhaltlich sind mir ein paar spezifische ironien
des originals verloren gegangen. Beispiel der anfang von "Freie
Wahl". Wo im englischen dialog Nummer Sechs von Nummer Zwei
angerufen wird und der fragt: "Irgendwelche beschwerden?"
anwortet nun die deutsche version von Sechs: "Ja. Ich möchte
mit ihnen über meine zukunft reden." Das aber möchte
er im original keineswegs und antwortet: "Yes. I'd like
to mind my own business." - entsprechend: "Ich
möchte mich um meine eigenen angelegenheiten kümmern."
Folgerichtig geht die trockene erwiderung von Nummer Zwei aus dem
original hier weitgehend unter: "So do we."
Andererseits wird durch die nunmehr "native" sprachfassung
mit "Freie Wahl" deutlich, warum diese episode 1969 keine
chance im deutschen fernsehen hatte! Inhaltlich und der darstellung
nach ist das zu starker tobak, als dass das bildungsbeauftragte
beamtenfernsehen so etwas hätte durchgehen lassen können,
und das kurz vor den anstehenden bundestagswahlen im Oktober 1969.
DER
DOPPELGÄNGER
aka
THE SCHIZOID MAN
Nachdem
1969/70 NUMMER 6 erstmals im deutschen fernsehen gelaufen war, wurde
der schauspieler Ilja Richter bundesweit als der typ von
der populären musiksendung "Disco" bekannt ("Licht
aus!" Spot an!"). Darin spielte er auch immer in kleinen
sketchen mit. Und dieser part des witzemachers klebte noch jahrelang
an ihm, als er längst ins charakterfach gewechselt hatte. Richter
ist eine wirkliche berühmtheit und erhielt als solche die sprecherrolle
von Nummer Zwei in "Der Doppelgänger". Wie Bernd
Rumpf hat er gelegentlich den hang zur übertreibung seiner
ausdrucksweise. Aber im grunde macht er als neues Village-oberhaupt
einen guten job. Seine person und seine stimme passen gut zu schauspieler
Anton Rodgers.
Verschwunden sind auch hier spuren von ironie, als Nummer Sechs
sein double trifft. Der fragt ihn, ob er von einer "schauspielagentur"
komme - und nicht, wie im original, von einem "personenkopierdienst",
ein etwas drastischeres bild. Nun gab es "kopierläden"
1969 wahrscheinlich noch keine (mein vorschlag an dialogregisseur
Frank Wesel). Wenn dann jedoch Nummer Sechs von seinem double als
"economy pack" spricht, verwendet Wesel für
den nachgemachten Sechs statt der vorgeschlagenen "sparpackung"
den begriff "fake", ein wort, das damals ganz sicher
noch nicht im umlauf war.
ORIGINALARTIKEL ALS PDF PER DOWNLOAD
BERND RUMPF INTERVIEW
MIT HARALD KELLER
NUMMER 6 TV-PREMIERE
IM ZDF 1969
DIE SECHS-IDENTIÄT: BEI ZDF_neo
Die
beispiele ragen nur etwas heraus und sollen keinesfalls bedeuten,
dass andere stellen der synchronisation nicht sehr gut und passend
umgesetzt worden wären. Die jahrelange beschäftigung mit
der materie lässt einem aber auch jedes detail irrsinnig wichtig
erscheinen. Vielleicht spielte hier auch der faktor zeit eine rolle,
denn die hauptarbeit, die studioaufnahmen, fanden etwa innerhalb
von drei wochen statt.
SINNESWANDEL
aka
A CHANGE OF MIND
Diese
episode, erklärte Frank Wesel, sei eine extreme herausforderung
gewesen. Hier liegt das hauptaugenmerk auf sprache, und es ist kein
zufall, dass ein "neusprech" im stile von George Orwell
benutzt wird. "Unmutual" - dieses wort war für
alle englisch sprechenden menschen des jahres 1967 ein neologismus,
auf den man sich erst einen reim machen musste. Etymologisch ist
es die negation von "mutual" mit der bedeutung
"gegenseitig", "wechselseitig", gemeint: einer, der nicht mitspielt.
Wie aber übersetzt man das negativ eines neologismus, wenn
es nicht einmal ein richtiges äquivalent für das positiv
gibt? Dialogregisseur Wesel und ich einigten uns auf "unkonform",
was wahrscheinlich am besten die bedeutung signalisiert und wo sein
positives pendant "konform" durchaus geläufig
ist, aber zugleich ambivalent bleibt. Und schließlich, war
es nicht konformität, was von Nummer Sechs verlangt wurde?
Aus
"disharmonious" wird, recht eindeutig, "disharmonisch"
und aus "instant social conversion" "uneingeschränkte
soziale umwandlung". Das ist ein nur kleiner makel, wo
es im original genaugenommen "umgehend", "sofort"
heißt. Das wäre mir lieber gewesen: "umgehende
soziale konversion".

ARTE-MAGAZIN
(DEUTSCHLAND) JULI 2010
In
e-mails an und von Frau Müller bei Arte als entscheidende instanz
ging es auch um den künftigen deutschen episodentitel. Sollte
es "Nicht gesellschaftsfähig" sein, wie wir
vor einigen jahren unter uns beschlossen hatten? Der titel stieß
jedoch nicht auf gegenliebe. Und so wurde die eher wortwörtliche
übersetzung des vielschichtigen englischen titels "A Change
Of Mind" zu unserer letzten zuflucht: "Sinneswandel".
Am ende kann man aus sprachlicher sicht mit der episode sehr zufrieden
sein. Bernd Rumpf ist hier als neue stimme von Nummer Sechs absolut
überzeugend. Glückwunsch!
Negativ
fällt bei dieser episode die stimme von Nummer Zwei auf. Denn
leider passt die von Peter Gröger überhaupt nicht zu der
von John Sharpe einschmeichelnd als "gütiger onkel"
gespielten figur und dessen stimme. Wirklich schade. Und kaum jemand,
der das nicht auch so sah, oder hörte. Man könnte noch
an Angela Brownes synchronstimme Christin Marquitan kritisieren,
dass sie bisweilen zu kindisch klingt und nach klischee, vor allem
dann, wenn die figur unter drogen steht. Aber hier soll nicht an
Artes bravuröser leistung herumgemäkelt werden.
Und
die episode "Harmony"
aka "Living
In Harmony" vergessen?
Nein, einfach nur gut. Rumpfs stimme ist in dieser westernstory
besonders gut aufgehoben. Kaum probleme.
41
jahre danach vier episoden so in das deutsche "PRISONER-kontinuum"
einzuarbeiten, ist wahrhaft keine kleinigkeit. Arte verdient dafür
einen preis.

Die
texte wurden auf englisch verfasst. Übersetzung: Arno Baumgärtel
Das original steht als PDF per download
zur verfügung.
Ich
danke Patrick Ducher für die rezensionen der besprechungen
auf französisch sowie auf deutsch. Eine prima arbeit!
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