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The Prisoner Numm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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NUMMER SECHS

Von Harald Keller

Als dieser text 1996 in der reihe Edition Splitscreen des Bertz-Verlages veröffentlicht wurde, waren etwa vier jahre seit der letzten wiederholung von NUMMER 6 im frei empfangbaren deutschen fernsehen auf PRO7

(heute: ProSieben) vergangen. In einer zeit ohne internet gehörte Harald Kellers artikel somit zu den ganz wenigen substanziellen hintergrundbeiträgen über die serie auf deutsch seit den tagen der deutschen erstausstrahlung 1969/70. Mit herzlichem dank an den autor für die freundliche erlaubnis zur veröffentlichung an dieser stelle!

HARALD KELLER: "KULTSERIEN UND IHRE STARS" - mehr...
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WER IST NUMMER EINS? - mehr...
HARALD KELLERS BLOG UNTERGESCHOSS
INTERVIEW MIT BERND RUMPF (SYNCHRONSTIMME McGOOHAN)

   
Wenn George Orwell unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen ein James-Bond-Abenteuer geschrieben hätte, dann wäre wohl so etwas wie NUMMER SECHS dabei herausgekommen. Die Fernsehserie entstand 1967 auf Anregung des Hauptdarstellers Patrick McGoohan, der als ausführender Produzent und zeitweise auch als Autor, Regisseur und Editor fungierte. Ihm wurde ein Etat von 75.000 Pfund pro Episode zugebilligt, das Doppelte einer gewöhnlichen Serienproduktion. Produzent Lew Grade - von ihm stammte auch SIMON TEMPLAR (1962 - 1969) - wusste, was er tat: Er hatte die Serie bereits in die USA verkauft, noch ehe alle Drehbücher fertiggestellt waren.

Sichtlich aufgebracht stürmt ein Agent Ihrer Majestät in das Büro seines Vorgesetzten und knallt seine Kündigung auf den Tisch. Der Mann fährt heim und packt die Koffer. Da strömt Gas in das Zimmer, und der Mann wird bewusstlos. Unbestimmte Zeit später erwacht er, anscheinend im selben Raum, doch als er aus dem Fenster blickt, sieht er die Häuser eines vor Idylle gleichsam strotzenden Städtchens. Die Bewohner des Ortes sind, wie er selbst, frühere Staatsbeamte, die Zugang zu geheimen Informationen hatten. Sie wurden offenbar einer Gehirnwäsche unterzogen und tragen nun anstelle ihrer Namen nur noch Nummern - unser Mann bekommt die Nummer sechs. Niemand kann die Stadt verlassen, elektronische Überwachungsanlagen und ein allgegenwärtiger, anscheinend ferngesteuerter weißer Ballon, der seine Opfer einfach erstickt, sorgen dafür.

Ansonsten funktioniert das Leben der kleinen Gemeinschaft ganz normal - es gibt eine Tageszeitung, ein Rathaus und sogar demokratische Wahlen zum Stadtrat. Die eigentlichen Herren des Ortes bleiben unsichtbar. Vertreten werden sie von einem Mann mit der Nummer zwei. Er versucht auf mancherlei Weise, dem Titelhelden die Beweggründe für dessen Kündigung zu entlocken, ein angesichts der Unbeugsamkeit des Betreffenden diffiziler und darob auch delikater Job, denn wer versagt, wird abberufen. So kommt es, dass die Nummer zwei alle paar Folgen wechselt. Trotz aller Fährnisse wird Nummer sechs im Laufe der Serie die Flucht wagen. Vor allem aber versucht er herauszufinden, wer wirklich hinter den Kulissen des ominösen Gefängnisdorfes herrscht ...

Der in New York geborene, aber in Irland und Großbritannien aufgewachsene Patrick McGoohan war nach mehrjähriger Theatererfahrung durch die britische Serie DANGER MAN (1960 -1966; in den USA später umgetitelt zu SECRET AGENT) zum Fernsehstar geworden. Darin hatte er den Geheimagenten John Drake verkörpert, eine Art Feuerwehrmann für Konflikte aller Art, ein James Bond in der Pantoffelkinoversion.

NUMMER SECHS war Fortsetzung und zugleich Negation dieser Rolle. Verschiedentlich wurde darüber spekuliert, dass McGoohan diese obskure Saga konzipierte, um das ungeliebte Image des omnipotenten Superhelden wieder loszuwerden. Da Nummer sechs nie bei seinem wirklichen Namen genannt wurde, lagen derartige Überlegungen nahe. Der introvertierte und publikumsscheue McGoohan bestritt jegliche Koinzidenz, sein script editor George Markstein, der als ausgewiesener Kenner des britischen Geheimdienstes selbst einiges zur Serie beitrug, bestätigte sie. Der Dialogsatz "Classes will resume during the morning ... break!" führte zu leidenschaftlichen Diskussionen unter den im Six of One-Club organisierten Fans, weil einige statt "break" den Namen "Drake" gehört haben wollten. Keinerlei Interpretation bedurfte hingegen der Schlüsselsatz der Serie: "I am not a number."

Dem Urheber des Ganzen schien nicht unrecht zu sein, dass jahrelang über Inhalt und Bedeutung der surreal anmutenden Serie gerätselt wurde. Als Koproduzent profitierte er von jeder der vielen Wiederholungen. Von dem Wunsch nach Mystifikation zeugt auch das äußerst seltsame Finale, dessen Drehbuch McGoohan selbst verfasste, angeblich erst zwei Tage vor Drehbeginn. Über die absurde Auflösung - Nummer sechs und die geheimnisvolle Nummer eins erweisen sich als ein und dieselbe Person - waren seine Anhänger dermaßen empört, dass sie McGoohans Wohnung belagerten und ihn sogar tätlich angriffen. McGoohan behauptete, derartige Kontroversen beabsichtigt zu haben, kapitulierte aber letztendlich vor dem Ansturm und zog nach Los Angeles, wo er weiterhin als Schauspieler und Regisseur arbeitete. Unter anderem inszenierte er einige Folgen der Krimiserie COLUMBO, einen Serienpart spielte er in der kurzlebigen Arztreihe RAFFERTY (1977).

Die NUMMER SECHS-Afficionados halten ihrer Lieblingsserie bis heute die Treue. Noch immer treffen sich die über 2.500 Mitglieder des Fanclubs regelmäßig im nordwalisischen Portmeirion, dem real existierenden Schauplatz der Serie.

Alle Rechte liegen beim Autor.

 

 

 

 

Anmerkungen

• Das anhaltende Interesse an der Serie bewog den britischen Sender Channel Four 1984 zur Produktion einer Dokumentation mit dem Titel "Six lnto One - The Prisoner File" (mehr...).

Der story editor und Ko-Creator George Markstein hatte einen Cameo-Part in der Vorspannsequenz: Er nahm als Vorgesetzter des Agenten, der bald darauf nur noch Nummer sechs heißen sollte, dessen Demission entgegen.

Die Architektur spielt in NUMMER SECHS eine ganz eigene Rolle. Der Drehort Portmeirion besteht tatsächlich aus einer einzigartigen Ansammlung eklektizistischer Bauten. Geplant und gebaut wurden sie zwischen 1926 und 1966 von dem Autodidakten Sir Clough Williams-Ellis, der Baustile aus verschiedensten Epochen und Regionen durcheinanderwürfelte: "Portmeirion ist eine an die reizvolle Küste von Wales versetzte italienische Hügelstadt ... Trompe l'oeil, blinde Fenster, auf fünf Sechstel der normalen Gröl3e geschrumpfte Gebäude, optische Täuschungen, genau kalkulierte Naivitäten, ausgefallene Spielereien (ein Segelboot, in Beton gegossen, dient als Stützmauer) - solche billigen Einfälle sind bei Schriftstellern und Touristen beliebt. Der Erbauer, Sir Clough William-Ellis, hat alte Gebäude ausgeschlachtet und Teile davon in seine neue Konfektion übernommen."
(Charles Jencks, Die Sprache der postmodernen Architektur, Stuttgart 1978).

Zu den prominenten Gästen des malerischen Ortchens gehörten Autoren wie Bertrand Russell, Ceorge Bernard Shaw und Noel Coward.

"Ich habe nichts gegen Romantik im Fernsehen. Aber Sex ist die Antithese von Romantik. Ich meine den unaufrichtigen, promiskuitiven Sex. Das Fernsehen ist ein gigantisches Monster, das von vielerlei Menschen konsumiert wird. Es hat eine moralische Verpflichtung gegenüber seinem Publikum."
(Patrick McGoohan)

"He was the original virgin of the secret service."
(Hilary Kingsley/Geoff Tibballs)

 

Verwendete Quellen:

Alain Carrazé & Hélène Oswald: The Prisoner. Virgin Publishing 1995 (Editions Huitème 1989)
David Buxton: From The Avengers To Miami Vice. Manchester 1990
Hilary Kingsley/Geoff Tibballs: Box of Delights. London 1989

Von Harald Keller ist in Buchform erschienen:

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Kultserien und ihre Stars, Erstausgabe 1996 Nr.4 bei Edition Splitscreen, Bertz-Verlag, Berlin, mit einem beitrag von Harry Rowohlt; 1997 Nr. 5 Fortsetzung folgt...; 1998 Nr. 6: Das Pflichtprogramm

Eine ergänzte neuauflage in einem Band erschien 1999 bei Rowohlt

 


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