2009
jährte sich die deutsche fernsehpremiere von
NUMMER 6 zum 40. mal. Wir haben gefragt: Was ist besonders
an NUMMER 6? Was ist es, das Sie an den haken genommen und nicht
wieder los gelassen hat? Warum halten Sie diese über 40 jahre
alte serie für immer noch oder vielleicht schon wieder für
sehr zeitgemäß - wie Patrick McGoohan, ihr urheber, es
sich vorgestellt und gewünscht hat? Was ist das spezifische
daran, dass man spätere televisionäre und filmische produkte
sogar mit dem attribut "prisoneresk" belegt hat?
Die hier veröffentlichten beiträge suchen, jeder auf seine
weise, antworten auf diese fragen. Mit großem dank an
die autoren!
Von Arno Baumgärtel
Betreiber dieser website nummer6-theprisoner.de
·
NÄCHSTER BEITRAG >
In
der geschichte der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in der
französischen und der US-amerikanischen sind die jahre 1967
und 1968 so etwas wie landmarken, ein paar stichworte:
- die Große Koalition in Bonn, notstandsgesetzgebung und außerparlamentarische
opposition, studentenbewegung
- Benno Ohnesorg von einem polizisten am rande einer anti-Shah-demonstration
erschossen
- der mordanschlag auf Rudi Dutschke einige monate danach
- der Pariser Mai mit studentenprotesten und generalstreik
- die sich ausweitenden proteste gegen den krieg der USA in Vietnam,
internationalismus und anti-imperialismusdebatten.
Dagegen
führt das jahr 1969 ein bisschen ein schattendasein.
Dabei hat auch 1969 einiges vorzuweisen, wie zum beispiel
- die erste ZDF-Hitparade
- die dauerkrimiserie DER KOMMISSAR
- Richard Nixon als US-präsident
- Willy Brandt erster sozialdemokratischer Bundeskanzler
- das festival von Woodstock.
- der erste mensch auf dem Mond.

40 JAHRE NUMMER 6 - DEUTSCHE TV-PREMIERE
AM 16.08.1969
PATRICK McGOOHAN
19.03.1928 - 13.01.2009
CHRONIK 1969 - mehr...
Nicht
zuletzt, 1969 war für mich ein jahr der zäsur. Die familie
zog aus einem dorf in Hessen nach Freiburg im Breisgau um. Ich war
damals 13, alles war neu, ich musste mich in der schule eingewöhnen.
Das interesse an naturwissenschaft und technik war allgemein groß
in dieser zeit. Passend dazu landete Apollo 11 am 20. Juli auf dem
Mond. Ein ereignis, das ich wegen des umzugs live gar nicht erleben
konnte.
Dann,
am 16. August 1969, lief im ZDF eine neue serie mit dem titel NUMMER
6 an. In den fernsehzeitschriften markierte ich immer die sendungen,
die ich auf jeden fall ansehen wollte. Und wahrscheinlich waren
es die stichworte "utopische serie", "phantastische
serie" oder "science-fiction-serie", mit
denen die reihe beschrieben wurde, die mich als begeisterter gucker
der vorabendserie UNWAHRSCHEINLICHE GESCHICHTEN neugierig machte
(wie sich viel später herausstellte, handelte es sich dabei
um die TWILIGHT ZONE). Und außerdem fiel der etwas seltsame
titel NUMMER 6 unter all den übrigen serientiteln auf.
Ganz bestimmt spielte eine rolle, dass der hauptdarsteller derselbe
war wie der in der beliebten nicht einmal 30-minütigen vorabendserie
GEHEIMAUFTRAG FÜR JOHN DRAKE, nämlich Patrick McGoohan.
Dummerweise
habe ich keine erinnerung mehr, ob ich die erste episode von NUMMER
6 überhaupt gesehen habe - möglicherweise gar nicht...
Das nächste, woran ich mich erinnere, ist die titelsequenz
der serie, die sich in fast jeder episode wiederholt. Darin wird
die vorgeschichte erzählt:
Ein
mann, den wir nur als Nummer Sechs kennen lernen werden, fährt
im extravaganten sportwagen - wie ihn Deutschland nicht kannte -
durch London. Fährt in eine tiefgarage, schreitet fest entschlossen
und mit finsterem blick durch einen dunklen korridor, hält
seinem boss eine standpauke und knallt ihm einen brief samt faust
auf den schreibtisch. Das alles begleitet von donnerschlägen,
die wenig gutes verheißen. Es ist nicht zu hören, was
er sagt. Aber dass es nichts erfreuliches ist, wird durch die bilder
sehr deutlich.
Dann fährt er nach hause, packt ein paar sachen. Und wir sehen,
wie ein befrackter mann mit zylinderhut sein haus betritt. Durch
das schlüsselloch strömt weißer qualm, und der mann
fällt ohnmächtig um.
Als er wieder erwacht, ist er scheinbar in seinem appartment, doch
sein blick aus dem fenster fällt auf eine ganz andere umgebung
- auf deutsch ohne namen, jahrzehnte später wird sich zeigen:
"The Village".
Es
folgt ein prolog, der einen förmlich an den sessel ketten musste:
- Wo bin ich?
- Sie sind da.
- Was wollen sie?
- Informationen.
- Auf wessen seite sind sie?
- Wir sind auf der richtigen seite. Wir wollen informationen...
- Ich sage nichts.
- So oder so, sie werden sprechen.
- Wer sind sie?
- Die neue Nummer Zwei.
- Wer ist Nummer Eins?
- Sie sind Nummer Sechs.
- Ich bin keine nummer, ich bin ein freier mensch!
...
sardonisches gelächter.
Diese
Nummer Zwei - wie auch alle anderen noch folgenden - unternimmt
den versuch, unseren mann ohne namen dazu zu bringen, die gründe
des rückzugs von seinem job offen zu legen. Haarklein will
man alles wissen. Und Nummer Sechs weigert sich standhaft, auch
nur irgendetwas von sich preiszugeben oder zu kooperieren: "Ich
lasse mich nicht zwingen, stoßen, abstempeln, einstufen, werten,
abwerten oder nummerieren. Mein Leben gehört mir."
Wer
siegt hier am ende? Gelingt ihm die flucht? Wer zum teufel ist Nummer
Eins? Was sollte das ganze überhaupt?
Für's
erste blieben mir nur lückenhafte eindrücke und bilder
zurück:
natürlich der serienvorspann mit diesem faszinierenden
auto,
der geheimnisvolle ort und die pittoreske umgebung zwischen
meer und bergen
abgesehen von der eher grimmigen hauptfigur Nummer Sechs
waren da immer heitere menschen in bunten pullovern und mit sonnenschirmen,
die sich mit "Wir sehen uns!" begrüßten. Das
klang schon damals in meinen ohren eher wie eine drohung.
Am schluss jeder folge das gesicht hinter den zusammenschlagenden
gefängnisgittern und die deprimierende aussage: wieder nicht
entkommen!
Und schließlich ein komischer weißer ballon,
der immer mit gebrüll herbeikam und imstande war, leute zu
ersticken.
Dieser ballon war genau wie das hochrad, das auf ansteckern und
plakaten zu sehen war, ein wichtiges visuelles vehikel und erkennungszeichen
für die serie. Außerdem erinnerte der ballon mich immer
an das raumschiff Orion - nur drei jahre vorher war das im fernsehen
gewesen - wahrscheinlich, weil er auch aus dem meer herauskam.

Aber
verdammt: Worauf lief das alles hinaus? Ich kann es nicht definitv
sagen, aber mehr als vier, fünf komplette folgen dürften
es nicht gewesen sein, die ich sehen konnte. Und das lag zum einen
an der unmöglichen sendezeit: samstagnachts irgendwann nach
dem Aktuellen Sportstudio; außerdem an der gefühlten
jahrelangen wartezeit zwischen zwei episoden. Und nicht zuletzt,
es war im jahr 1969 nicht selbstverständlich, eine sendung
sehen zu dürfen, von der meine eltern vermutlich selber nicht
wussten, was sie davon zu halten hatten, wenn sie sie überhaupt
ansahen.
Die
sache NUMMER 6 schlief dann aber relativ schnell ein, um
1972 für einen moment ins bewusstsein zurückzukehren,
als das ZDF sieben episoden wiederholte. Jahrzehntelang war NUMMER
6 aber nichts weiter als eine zeitkapsel der erinnerung, verblassende
vage bilder. Hilfreich mag für meine erinnerung gewesen sein,
dass unser held Nummer Sechs in dem augenblick, als er aus der betäubung
erwacht, einem lehrer meiner schule, zugleich fußballspieler
beim örtlichen verein, ähnlich sah. Bildete ich mir zumindest
ein.
Wir
machen einen zeitsprung... in die 80er jahre. Die frühen
80er waren eine zeit, in der universitätsprofessoren, wenn
sie über medien, film, fernsehen und populäre kultur unterrichten
wollten und überhaupt in die engere berufungsauswahl kamen,
mancherorts vom etablierten kollegium hinterrücks abgebügelt
wurden. Oder aber sie verschenkten ihren stoff unter dem gängigen
kritischen stichwort "didaktik der massenmedien" an lehramtsstudenten.
Der kampf gegen den bau von atomkraftwerken, die Startbahn West
am Frankfurter flughafen, die volkszählung, die geplante verkabelung
der republik und das politisch durchgedrückte privatfernsehen
standen in dieser zeit auf der agenda und versetzten große
teile der bevölkerung und der undogmatischen linken in heftige
erregung.
Letzten
endes zogen die (damals) "neuen medien" in gestalt des
kabelanschlusses auch in eher linke wohngemeinschaften ein, was
durchaus seinen vorteil hatte, denn nur so war es möglich,
zu beginn der 90er jahre die komplette deutsche staffel von
NUMMER 6 bei Pro7 wieder zu sehen. Erst viel später erfuhr
ich, dass SAT1 die serie schon mitte der 80er wiederholt hatte.
Das war aber komplett an mir vorbeigegangen. Keine zeit für
NUMMER 6.
Glücklicherweise
war inzwischen der videorecorder erfunden worden. Das gab den startschuss,
sich intensiver mit NUMMER 6 zu beschäftigen, vergessenes aus
der versenkung zu holen und recherche zu betreiben. Amerikanische
literatur über fernsehserien fiel mir in die hände. Denn
auf deutsch war so gut wie nichts zu bekommen. Auf diesem weg erfuhr
man auch, dass es vier episoden gar nicht auf deutsch gab - und
auch dafür war bald eine videoquelle, die 3. oder 4. kopie
einer kopie, aufgetan. Eins der bücher wies auch den weg in
den "Ort" der gefangenschaft von Nummer Sechs,
den es wirklich gibt: Portmeirion im norden von Wales.
In
einer zeit ohne maps.google, google.earth und routenplaner hieß
es landkarten und reiseführer konsultieren! In dieser zeit
fuhren die menschen scharenweise ins Glottertal auf der suche nach
der SCHWARZWALDKLINIK - und wir 1991 ins reale Village nach
Portmeirion. Und wir wurden fündig:
The Village - der Ort - das haus von Nummer Sechs
- die PRISONER Convention, dazu ein bombenwetter, von dem
die Waliser heute noch sprechen.
Viele
menschen bewundern oder lieben - auf ihre art - den hauptdarsteller,
produzenten und regisseur Patrick McGoohan, der am 13. Januar
2009 mit fast 81 jahren gestorben ist. Sie lieben seine art zu spielen,
manche finden die production values der serie hervorragend (und
sie sind es tatsächlich), oder die mehr oder weniger versponnenen
stories. Wieder andere finden besonderen gefallen am ort der handlung
- dem besagten Portmeirion in Wales - eine siedlung wie ein
traum, oder aber aus einem alptraum.
Seltsamerweise
hatte und hat für mich das im vorspann immer wieder zu hörende
credo der hauptfigur: "Ich bin keine nummer, ich bin ein
freier mensch!", das bestreben von Nummer Sechs', ein individuum
und frei zu sein - für viele die triebfeder der gesamten
serie - nicht diesen stellenwert. Eher ist es die kombination aus
handlung, dieser von grund auf widersässigen figur Nummer Sechs,
dem set-design und dem fraglosen surrealismus darin, was
mich an der serie angesprochen hat und noch immer anspricht. Das
ganze ergibt deutlich mehr als die summe seiner bestandteile.
Geschehnisse,
obwohl durchaus "realistisch" in der schilderung auf dem
bildschirm, die sich einem entziehen und nicht richtig greifbar
sind, die ein unbehagen erzeugen; oder die dialoge, oft verknappt
und mehrdeutig, ergehen sich in anspielungen oder sind sogar gelegentlich
völlig abwesend. Einzelne szenen und augenblicke in der serie
- für meinen geschmack eher noch zu wenige - rufen hier ein
gefühl der unbestimmtheit, des vagen, ja der indifferenz hervor,
an der jegliche subversion abzuprallen scheint. In anderem kontext
wurde diese chiffre für die spät- oder postkapitalistische
gesellschaft als "repressive toleranz" bezeichnet.
Die serie NUMMER 6 - das freilich eine feststellung im nachhinein
- transportierte das bild einer realität, das nur wenige millimeter
versatz von dem unseren des jahres 1969 hatte, und das mir später
in manchen romanen und storys von Philip K. Dick wieder begegnete.
40 jahre weiter ist die science-fiction an NUMMER 6 längst
kalter kaffee und - nebenbei bemerkt - gerade der lächerlichste
teil daran, das monster, der weiße ballon Rover, bleibt
als sinnbild höchst aktuell; turnhallengroße supercomputer
dagegen, kabelfernsehen und kabelloses telefon, kameraüberwachung
der alltäglichsten bereiche, folter, physische und psychische
konditionierung sowieso, der mensch als profil von kolonnen von
zahlen und nummern in datenbanken... Der versatz beider realitätsbilder
ist beinahe infinitesimal knapp, sprich: kongruent geworden. Das
ist der mehrwert der serie, der sie hat überdauern lassen.
Und je unreifer man selber noch der welt gegenüberstand - vulgo:
je jünger man war - desto befremdlicher mussten einem die geschehnisse
auf dem bildschirm vorkommen. Für eine fernsehserie war das
verdammt allerhand.
An
dieser stelle berührt die fernsehserie NUMMER 6 das
literarische werk von Franz Kafka. Und wahrscheinlich liegt hier
der grund, warum man seither manche filme und auch fernsehserien
als "prisoneresk" bezeichnet. Schließlich
gibt es eine folge NUMMER 6, die sehr deutlich - nicht nur, aber
auch Kafka ist: die episode "Die Anklage", im original
"Dance Of The Dead". Bis in einzelne einstellungen hinein
hat man sich hier den Orson-Welles-film DER PROZESS aus dem
jahr 1962 buchstäblich als vorbild genommen. Liest man dagegen
über die produktionsumstände dieser episode, erweist sich,
dass der surrealismus von NUMMER 6 ganz und gar nicht ein durchgeplantes
konstrukt ist, sondern das ergebnis einer reihe von zufällen,
die sich dem rationalen zugriff meistens entziehen - was also durchaus
im geist der surrealisten wäre.
Als
quintessenz bleibt für mich, das kunstwerk NUMMER 6
ist deutlich klüger als sein schöpfer.
Bei
der beschäftigung mit der faszination NUMMER 6 sind
aber in jedem fall auch individuelle, biografische und soziokulturelle
faktoren entscheidend:
- Wie alt warst du, als die serie das erste mal lief?
- Durftest du überhaupt fernsehen?
- Wie lange am tag?
- Was durftest du sehen?
- Was hast du meistens gesehen?
Wir,
die die-hards, sind, mehr oder weniger, von derselben generation,
um die 40 oder 50. In ermangelung von aufnahmegeräten musste
in diesen frühen fernsehtagen jede sendung in echtzeit angesehen
werden. Für Deutschland kommt hinzu, dass es nur zwei oder
zweieinhalb sender gab (ARD, ZDF, die regionalen Dritten mit nur
wenigen stunden täglicher sendezeit). Zerklüftete fernsehverhältnisse
mit hunderten und mehr frei empfangbarer sender und werbeunterbrechungen
in filmen und serien kannte man allenfalls vom hörensagen aus
den USA. Und das heißt:
Fernsehen war jung und neu.
Fernsehen war stadtgespräch.
Das fernsehen selbst war die botschaft!
Und die serie NUMMER 6 machte ihren eigenen diskurs über
die medialen verhältnisse auf.
Für
andere leute meines alters bedeutet fernsehen allerdings nicht zwangsläufig
dasselbe oder überhaupt etwas. Zum beispiel meine frau. Weder
hat sie früher all die serien gesehen, noch hat sie sie wie
ich gesehen. Fernsehen selbst bedeutet für sie etwas ganz anderes.
Zuschauer
bzw. fans in Großbritannien haben wieder einen ganz anderen
zugang. McGoohan war überaus beliebt und bekannt - das war
er auch hier. THE PRISONER lief dort aber nicht zu nachtschlafender
zeit. Fernsehserien gehörten und gehören zur alltäglichen
kultur - in Deutschland lange zeit nicht, vermutlich heute noch
nicht richtig. In Deutschland herrscht schubladendenken: "E"
wie ernst und "U" wie unterhaltung, hoch-
und trivialkultur. Nicht zu vergessen, das mantra des öffentlich-rechtlichen
"bildungsauftrags" der massenmedien, und alles streng
voneinander getrennt, nur im jeweiligen fachbereich erhältlich.
Was nicht ins eigene fach passt, wird ausgeblendet. Scheuklapp rules.
Der
umgang britischer fernsehsender mit ihrer seriengeschichte ist völlig
anders als hierzulande. So wurde THE PRISONER anlässlich
des 80. geburtstages von McGoohan im März 2008 ebenso landesweit
wiederholt wie nach seinem tod. Das für herbst 2009 angekündigte
PRISONER-remake in sechs teilen schlägt hohe wellen.
Dagegen weiß man in der presseveröffentlichung des ZDF
zum tod McGoohans nicht einmal mehr, dass man diese serie 1969 im
eigenen programm hatte. Andere hätten sich für so einen
eintrag im portfolio ein bein ausgerissen. Die erinnerung stirbt
mit den beteiligten personen. Aber abgesehen davon, hält der
sender den erzählstil sowieso für (zitat) "unzeitgemäß".
Über die güte des erzählstils von serien wie die
erwähnte SCHWARZWALDKLINIK, DER BERGDOKTOR, ROSAMUNDE PILCHER,
DER ALTE usw. und so fort wollen wir an dieser stelle lieber nicht
räsonnieren.
NUMMER
6 ist eine serie mit sehr vielen facetten, jedoch nicht der beliebigkeit.
Alles ist eine frage der perspektive, und davon gibt es viele: im
leben, in theorie und praxis, in der serie NUMMER 6, und auch am
original drehschauplatz in Portmeirion. Denn dieser ort ist ganz
nach prinzipien des schauwerts aufgebaut.
Das
ist für mich das besondere an NUMMER 6.
Damit
sind wir in der gegenwart: 1998 ergab sich für mich die notwendigkeit,
mich beruflich mit den "neuen medien" - computer, betriebssysteme
und anwendungsprogramme - zu beschäftigen. Als relativ spät
in der digitalen welt angekommener versetzte mich das schließlich
in die lage, das projekt
Wir
sehen uns oder: L'année dernière au Village
(der
eigentliche titel meiner website) zu starten. Seit 2001 existiert
die website über NUMMER 6 - THE PRISONER unter dem domännamen
match-cut.de. Seit anfang 2010 gibt es zusätzlich
den "sprechenden" domännamen nummer6-theprisoner.de.
Ein PRISONER-begeisterter mensch hat außerdem den domännamen
nummersechs.de zur verfügung gestellt. Aus dem
versuch von 1990, einen artikel über die serie an zeitschriften
zu verkaufen, wurde, nach reichlicher lagerzeit und kontinuierlicher
expansion, die website match-cut.de in ihrer heutigen form,
das umfangreichste über die serie NUMMER 6 in deutscher sprache.
Auf
dieser website wird auf modische teaser und "web 2.0"-gimmicks
verzichtet: Es gibt also weder videos noch klingeltöne, polls
oder gewinnspiele, auch kein forum oder instant messenger geschweige
verknüpfungen mit "sozialen" netzwerken à
la Facebook. Und eben auch keine werbung. Splendid isolation?
Die wichtigsten webseiten, über die deutsche DVD, über
das Village, die PRISONER Appreciation Society SIX OF ONE
- 601 - sowie über einsteigerinformationen in
die serie finden sich regelmäig unter den top-10 der webstatistik.
Dass statistisch gesehen keine drei einzelseiten auf jeden besucher
entfallen, ist gleichwohl der wermutstropfen an der sache. Nicht
statistisch erfasst wird die altersstruktur der besucher. In gesprächen
erfährt man regelmäßig, dass die meisten NUMMER-6-fans
die serie noch aus den zeiten der erstsendung 1969 bzw. der erstwiederholung
1972 kennen. Entsprechend sind die allergrößten fans
heute in ihren mittleren bis späten 40ern oder schon in den
50ern. Jüngere menschen kommen auf NUMMER 6 fast immer durch
mediale querverweise, anspielungen in der zeichentrickserie THE
SIMPSONS, bekenntnisse des LOST-erfinders Abrams oder sound-samples
in einem titel von Iron Maiden.
2006
geschah schließlich, was man als fan der ersten stunde kaum
für möglich gehalten hatte: KOCH-MEDIA brachte
die erste deutsche home-video-fassung von NUMMER 6 heraus, komplett,
also auch die vier niemals synchronisierten episoden, plus zwei
alternative versionen bekannter episoden, dazu diverses zusatzmaterial.
Das erscheinen der DVD-box zog bisher drei treffen nach sich, 2007
und 2008 in Wiesbaden, 2009 in Gießen, deren ausgangsüberlegung
war zu testen, wie denn die resonanz auf diese 40 jahre alte serie
heutzutage noch ist.
Zu
beginn dieser website stand kaum mehr als der basisartikel von rund
zehn schreibmaschinenseiten. Zurzeit wächst die website noch
kontinuierlich. Und vielleicht ist es ein bisschen wie in anlehnung
an eine kurzgeschichte von Arthur C. Clarke "Die neun Milliarden
Namen Gottes": Wenn das letzte zeichen über die serie
geschrieben worden ist, hört die welt hört auf zu existieren,
weil dann alle namen Gottes - Patrick McGoohan wurde wegen seiner
großen einflussnahme auf die produktion halb scherzhaft als
solcher bezeichnet - in der welt und ausgedrückt worden sein
werden. Aber das steht freilich auf einem ganz anderen blatt...
Wir
sehen uns!

40 JAHRE NUMMER 6 - DEUTSCHE TV-PREMIERE
AM 16.08.1969
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