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PRISONERESK
- PRISONERESQUE
Mit
dieser in anlehnung an die Kafka-forschung entstandenen wortschöpfung
wird versucht, das spezifische und unverwechselbare an der serie
NUMMER 6 in einem ausdruck zusammenzufassen, vor allem ein gefühl
des dissonanten und unbehaglichen, die frage nach bzw. der verlust
von identität oder persönlichkeit. Es ist hier nicht der
ort, sich darüber im detail auszubreiten. Gemeint sind verschiedene
spezifika innerhalb der serie, dialoge, bilder, montagen, assoziationen
und konnotationen, die in der summe mehr ergeben, als in den jeweiligen
stories zum ausdruck bzw. ins bild kommt.
Die
episode "Die Anklage"
steht hierbei prototypisch für das allumfassende prisonereske
feeling. Was wunder, dass es im fernsehen in den jahrzehnten
nach der premiere von NUMMER 6 im jahr 1967 da und dort immer wieder
zumindest PRISONER-motive gab. Die nachfolgend genannten
TWIN
PEAKS (serie) 
NOWHERE MAN (serie) 
LOST (serie) 
MAN IN A SUITCASE (serie) 
24 (serie) 
36 HOURS (film) 
CUBE (film) 
THE TRUMAN SHOW (film)
WELT AM DRAHT (TV-zweiteiler)
THE PRISONER
(TV-miniserie) 
THE TRIAL - DER PROZESS (film) 
kreisen
zumindest mit all ihren vorzügen und nachteilen um dieses imaginäre
prisonereske zentrum.
Auch THE MATRIX lässt sich hier einreihen, wobei deren ideenfundus
eher im literarischen universum von Philip K. Dick begründet
wäre. Und manch eine(r) mag X-FILES (AKTE X) vermissen. Dazu
sei gesagt: nie richtig gesehen und wenn, dann stets abgetörnt
durch zwei hauptdarsteller, die schlaftabletten zu nennen ein risiko
wäre, für das man zunächst seinen arzt oder apotheker
konsultieren müsste. Und die deutsche synchronfassung hat (in
unkenntnis des originals) daran bestimmt ihren anteil.
MEHR: SURREALISMUS
MEHR: KAFKAESK...
FILM DARK CITY
UND FRANZ KAFKA
(2009): EPISODEN
& SPOILER
M. KEITH BOOKER: DER POSTMODERNE PRISONER
TWIN
PEAKS
David Lynch, regisseur des fulminanten mitternachtskinofilms ERASERHEAD
sowie von BLUE VELVET, WILD AT HEART und LOST HIGHWAY, sorgte zu
beginn der 90er jahre für das medienereignis, eine fernsehserie
auf kinofilmniveau, deren zurückführung ins kino - FIRE
WALK WITH ME - einige jahre später dann ironischerweise kein
besonderer erfolg mehr war. Das surrealistisch-verschroben angelegte
TWIN PEAKS war nur ein vorwand für eine introspektion des
seelenzustandes der amerikanischen (medien-) provinz. Lynch ebenso
wie sein serien-alter-ego Kyle MacLachlan als inspektor Dale Cooper
interessierten alsbald die psychologischen abgründe und neurosen
seiner (im überfluss vorhandenen) serienfiguren deutlich mehr
als die suche nach dem mörder Laura Palmers, dem aufhänger
der serienhandlung, was der erträglichkeit der show nicht gerade
förderlich war. Trotz oder wegen eines chaotisch verlaufenden
produktionsprozesses, der die serie als torso zurückließ,
war sie ein meilenstein im seriengeschäft.

NOWHERE
MAN Wegen seines fotos "Hidden
Agenda" wurde fotojournalist Thomas Veil in der US-serie
NOWHERE MAN von einem
moment auf den anderen seiner identität beraubt. Kreditkarten
waren plötzlich ungültig, und niemand, einschließlich
seiner ehefrau, wollte ihn noch kennen. Fortan war er gezwungen,
den urhebern des komplotts nachzuspüren. Der pilotfilm fing
viel versprechend an. Die kurzlebige serie verlor leider schnell
nach zwei, drei episoden ihr thema aus den augen, indem der held
relativ ziellos herumreiste, der lösung seines problems mal
mehr, mal weniger nahe zu sein schien, und schwamm bald mehr im
kielwasser des 60er-jahre-klassikers THE FUGITIVE (AUF DER FLUCHT),
als dass sie wirklichen NUMMER-6-touch entwickeln konnte.
Aus anlass der DVD-veröffentlichung heißt es in einer
internetbesprechung, die serie sei isoliert betrachtet ganz in ordnung,
"jedoch im licht solcher bahnbrechender serien aus der gleichen
zeit wie THE X-FILES und anderer sowie früherer produkte wie
z.b. NUMMER 6, THE FUGITIVE fällt sie doch beträchtlich
ab
und meiner ansicht nach wird kaum jemand, der NUMMER 6
schätzt NOWHERE MAN höher als 6 oder 7 bewerten"
(mehr...).
Der
NUMMER-6-touch scheint vor allem in der ausgangsprämisse
der serie durch. Eine der episoden, "Ein Apfel im Paradies"
("Paradise On Your Doorstep"), ist jedoch als direkte
hommage an THE PRISONER zu sehen. Darin wird Tom Veil betäubt
und entführt und findet sich in einer scheinbar friedlichen,
von der welt abgeschotteten gemeinde wieder. Man ist sehr an seiner
kooperation und natürlich am negativ seines bildes "Hidden
Agenda" interessiert. Das setting bis hin zur gemeinde-eigenen
musikkapelle wird PRISONER-fans sehr vertraut vorkommen. Die herrschende
"Nummer 2" hat allerdings wenig enigmatisches an sich,
und das ende ist doch eher banal als allegorisch; aber immerhin.
HARALD
KELLER ÜBER NOWHERE
MAN

LOST
Wie
vielfach zu lesen, atmet vor allem die serie LOST den geist
von NUMMER 6. Drehbuchautor J.J. Abrams selbst spricht von THE PRISONER
als dem bezugspunkt seiner ideen, was angesichts des abgelieferten
produktes ein bisschen merkwürdig ist. Im zentrum der handlung
stehen die geschehnisse um eine bunt gemischte gruppe überlebender
eines flugzeugabsturzes auf einer anscheinend unbewohnten tropischen
insel.
Ein paar abgeschaute motive und und absichtlich platzierte irritationen,
für die weniger die handlung als die logik der serienproduktion
verantwortlich sind, stellen indessen keine wirkliche konkurrenz
für das original dar. Und wenn es denn so sein soll, dann allerdings
ist Roger Thornhill, Hitchcocks held wider willen aus DER UNSICHTBARE
DRITTE, der vater von Patrick McGoohans serienfigur Nummer Sechs.
In
der praxis nutzt das konzept von LOST sich sehr schnell ab. Dass
es von der insel (d.h. dem Ort) kein entkommen gibt, kaum
etwas ist so, wie es zunächst aussieht, und dass da noch "andere"
sind, reale oder übernatürliche gegner, erscheint nur
serienlogisch. Eingeschobene
verschiedene
charaktere betreffende rückblenden sind dramaturgisch meist
belanglos, die episoden deutlich überdehnt und kommen nicht
auf den punkt. Ihr sinn ist ganz klar, so viel zeit wie möglich
zu strecken. Resultat: Wo sich angesichts reichlich ausgelegter
fährten die ungeheuerlichkeiten andeutungsweise nur so türmen,
dem autorenteam aber absehbar keine akzeptable auflösung nach
irgendeiner seite hin einfallen würde, lässt das interesse
schnell nach. Was fehlt, ist ein gewisser, sagen wir philosophischer
und eben allegorischer mehrwert, der NUMMER 6 herausragend macht.
Exkurs: Dabei hat man den besten moment der serie schon in
den allerersten minuten der pilotepisode hinter sich gebracht (und,
zugegeben, längst nicht alle epsioden im weiteren verlauf mitverfolgt):
der wahrhaft atem beraubende moment, als der arzt Jack auf dem dschungelboden
taumelnd und desorientiert zu sich kommt. Auf der tonspur hört
man derweil ETWAS, ein heulen, malmen, schaben, beunruhigend,
durchdringend dass die haare sich kräuseln - vielleicht der
höllenhund höchstselbst? Bis man, endlich, die quelle
erkennt: das im sandstrand aufrecht stecken gebliebene und noch
laufende triebwerk der abgestürzten maschine. Puuhh! Spoiler.
Ende des exkurses. Diese einschätzung beruht freilich
nur auf kenntnis der ersten staffel, spätere entwicklungen
sind nicht berücksichtigt.

MAN
IN A SUITCASE Die
serie MAN IN A SUITCASE
(DER MANN MIT DEM KOFFER),
obwohl in eine völlig andere richtung unterwegs, konventioneller
auf action und abenteuer ausgerichtet, teilt mit NUMMER 6 Ron
Grainer, den komponisten ihrer titelmusiken sowie einige gemeinsamkeiten,
und seien sie ex negativo.
Wie
NUMMER 6 war DER MAN MIT DEM KOFFER eine ITC-produktion, beide spielten
nur einen sommer lang. Beider hauptfiguren waren einzelgänger.
Analog zur chiffrierung der personen durch nummern in NUMMER 6,
war die hauptfigur hier nur abstrakt mit ihrem nachnamen, so es
einer war, bekannt. Auch der reichlich entfremdete McGill war (US-)
agent gewesen. Obwohl er, ein expatriierter US-Amerikaner, sich
in ganz Europa bewegte, da und dort jobs annahm, war seine welt
eingeengt wie die von Nummer Sechs im Village durch kleine
fluchten vor den eigenen leuten, die ihn rein gelegt hatten, sodass
er nun des schweren geheimnisverrats bezichtigt wurde, und durch
versuche, seine unschuld zu beweisen. Sein leben, seine identität
passten in den besagten koffer.
Fast
überflüssig zu erwähnen, dass längst nicht alle
episoden ins deutsche fernsehen gelangten. Soweit bekannt, wurde
die reihe erst im jahr 2000 wieder im deutschen fernsehen auf tm3
(das spätere 9live) gezeigt. Was unter anderem daran gelegen
haben mag, dass sie für ihre zeit unerhört brutal war.
McGill teilte aus und steckte ein. Gemessen an der weltläufigkeit
eines SIMON TEMPLAR (darsteller: Roger Moore), war er kein strahlender
sympathieträger; selten lachend, dafür viel rauchend,
zynisch, oft ungepflegt und auf den eigenen vorteil aus. Politik
als schmutziges geschäft war der nur geringfügig kaschierte
subtext der serie. Kurz, mit so gut wie nichts an symbolismus machte
die serie im gegensatz zu NUMMER 6 einen eher freudlosen, dem McGoohanschen
idealen familien-fernsehidyll (frauen küssen oder gar mehr
- nie vor der kamera; gewalt - nur wenn nicht anders möglich;
sex und erotik - niemals) genau entgegen gesetzten eindruck
durch all die loser-gestalten, die sie bevölkerten.
Und dass McGill die episoden lebend überstehen würde,
war bei der erstsendung keinesfalls ausgemacht.

Der
oberflächliche action-charakter im verbund mit zynischen, pessimistischen
bis nihilistischen zügen mag nachgeborenen selbstverständlich
erscheinen, doch auch dieser "realismus" im agentengenre
musste irgendwann einmal in fernsehserien eingeführt werden.
DER MANN MIT DEM KOFFER war der pionier.
Wie
einflussreich er war, zeigte sich zuletzt in staffel 5 der vielfach
ebenso ausgezeichneten wie umstrittenen prime-time-serie 24
mit Kiefer Sutherlands figur des antiterror-spezialisten Jack Bauer
(mehr...).
Einer der dort vorübergehend im mittelpunkt stehenden CTU-agenten
heißt "McGill". Er lässt sein leben für
die gute sache und rettet damit u.a. Jack Bauer. Ha, ha. McGill-hauptdarsteller
Richard Bradford hatte nie wieder eine ähnlich prominente rolle.

36
HOURS Der
preis für den (bisher) prisonereskesten kinofilm geht
sicher an 36 HOURS (36 STUNDEN), regie George Seaton, aus
dem jahr 1964. Der stoff kommt bekannt vor, hat aber nach allem,
was bekannt ist, mit NUMMER-6-script-editor George Markstein nichts
zu tun: 1944 während des Zweiten Weltkrieges wird James Garner
alias Major Pike, agent der alliierten, betäubt und entführt.
Er findet sich in einem idyllischen US-rehabilitations-camp wieder.
Man erzählt ihm, er habe jahre im koma gelegen und nun sei
der krieg vorbei. Natürlich zeigt sich, dass es sich hierbei
um einen von den Nazis ausgeheckten plan handelt, um ihm informationen
über die bevorstehende invasion der alliierten truppen in der
Normandie zu entlocken.
Freilich, bei aller übereinstimmung im setting und der handlung
fehlt dem nach einer story von Roald Dahl entstandenen film im vergleich
mit NUMMER 6 oder auch TWIN PEAKS das metaphysische und allegorische
völlig. Am besten gelungen ist er im aufbau des szenarios insgesamt
und dem simulakrum eines US-rekonvaleszentencamps bis ins kleinste
detail bis zu dem moment, da die Garner-figur dem plan auf die schliche
kommt. Anschließend verflüchtigt sich die luft aus diesem
ballon. Bemerkenswert an dem film ist außerdem, wie sehr man
als zuschauer, dessen sympathien zweifellos auf seiten der alliierten
liegen, um das gelingen des Nazi-plans fiebert oder doch wenigsten
hin- und hergerissen ist.
CUBE
Irgendwelche
gemeinsamkeiten zwischen 36 HOURS und dem low-budget-film CUBE
(1997) des kanadischen regisseurs Vincenzo Natali kann es nun wirklich
keine geben, sollte man meinen, und erst recht keine mit NUMMER
6. Und doch, hier ist es, mit blick auf die serie, gerade umgekehrt
wie im falle 36 HOURS: Die metaphysische dimension übersteigt
bei weitem die der handlung bzw. des settings.
Bei CUBE handelt es sich im grunde um die kinogerechte aufbereitung
einer TWILIGHT-ZONE-episode von 1961, nämlich "Five
Characters In Search Of An Exit". Fünf
personen, ein major der armee, ein clown, ein hobo, eine ballerina
und ein dudelsackspieler, finden sich unvermittelt in einem von
einer runden und unüberschaubar hohen wand umgebenenen raum
wieder. Dann und wann ist ein körperlich schmerzhaft lautes
geräusch zu hören. Nachdem sie sich über ihre lage
auseinandergesetzt haben, beginnen sie mit dem bau eines menschlichen
turms, um über den rand ihres behältnisses blicken zu
können...
Im film CUBE treffen sechs personen in einem würfelförmigen
raum mit opak schimmernden wänden aufeinander. Sie alle wurden
von unbekannten dorthin gebracht. Schleusen auf dem boden, an wänden
und der decke führen zu weiteren würfelräumen mit
zum teil ingeniösen tödlichen fallen. Aber welchen zweck
erfüllt die anlage, ist sie ein gefängnis oder aber beobachtungslaboratorium?
Haben sie eine chance, die äußere hülle zu erreichen?
Eine der personen aus "Five Characters"
hat endlich den oberen rand des "gefängnisses" erreicht.
In einem für die TWILIGHT ZONE typischen twist-ending
erkennt man, es handelt sich um eine blechtonne, in der eine dame
puppen für ein waisenhaus sammelt - alle fünf figuren
sind lediglich puppen. Das laute geräusch stammt von einer
glocke, mit der die sammlerin auf der straße für ihre
aktion wirbt...
Die
prisoneresken ingredienzen bei CUBE - eingedenk der tatsache,
dass ein kinofilm schneller und deutlicher auf den punkt kommen
muss als eine fernsehserie - sind offensichtlich und zehnmal mehr
wert als alle mysterien von LOST. Da ist die unklare, aber im höchsten
grad metaphorische ausgangslage, symbolisiert durch die schiere
zahl 6: Sechs seiten hat ein würfel; addiert man die jeweils
gegenüber liegenden augen eines spielewürfels, erhält
man immer den wert sieben. In CUBE stirbt die siebte person bereits
vor beginn der titelsequenz einen unschönen, dafür umso
fantasievolleren tod. Die hauptfigur in THE PRISONER trägt
den namen bzw. die nummer 6. Die zahl 7 ist jedoch gewissermaßen
der numerus non gratus und kommt in der serie nicht vor.
Der schauplatz der CUBE-handlung ist
DIE
BEDEUTUNG DER ZAHLEN
6 UND 7
reduziert
auf die labyrinthisch verschachtelte innenwelt der würfel im
würfel als entsprechung zur schachmetapher in NUMMER 6. Die
personen und ihre herkunft, ihre an- und absichten bleiben relativ
anonym. Die zum teil extremen physischen anstrengungen, das klettern
an den wänden, die kämpfe, der schweiß, das blut,
werden um eine metaphysische dimension erweitert. Letztlich bleibt
die sinnfrage: was soll das alles, was tun wir hier, wozu und
von wem wurde das geschaffen? Das objekt scheint von menschen
gemacht zu sein. Ihre überlegungen ergeben, dass die gesamte
konstruktion aus 26x26x26 gegeneinander verschiebbaren kuben innerhalb
eines gigantischen äußeren kubus zu bestehen scheint.
Einer der gefangenen offenbart, er sei als kleines rad im großen
getriebe an der konstruktion der äußeren hülle beteiligt
gewesen. Nach quälenden und wenig befriedigenden versuchen,
den sinn der anlage zu verstehen sowie tödlichen auseinandersetzungen
untereinander bleibt es ausgerechnet einem autisten überlassen,
über die "brücke" ins gleißende licht
der außenwelt zu treten, oder doch nicht...? Ein zufrieden
stellendes ende? Absolut.

THE
TRUMAN SHOW Der
film THE TRUMAN SHOW, 1998 von Peter Weir, spielt mit versatzstücken
und bildern, wie sie auch in NUMMER 6 vorkommen, so die allgegenwärtige
kameraüberwachung und das liebevoll-repressive verhätschelte
alltägliche leben von bewohnern eines typisch weißen
amerikanischen mittelklasse-mustersiedlungs-mikrokosmos.
Der protagonist Truman Burbank lebt sein reichlich ereignisloses
leben als angestellter, bis ihm eines tages ein vom himmel fallender
studioscheinwerfer beinahe den schädel spaltet. Er kommt mit
dem schrecken davon, aber von nun an nagt der Zweifel in ihm, die
kluft zwischen gefühl und verstand, dass mit der welt um ihn
herum etwas nicht in ordnung ist. Und wie recht Truman damit hat!
Denn alles um ihn herum ist kulisse, staffage, mit schauspielern,
die nur seinetwegen da sind, big-brother-fernsehen mit hunderten
versteckter kameras und künstlichem wetter - mit ihm als hauptakteur
24 stunden am tag auf sendung! Schon als baby wurde er in diese
virtuelle umgebung gebracht, seither nahm die gesamte fernsehnation
an seinem leben teil.
Nachdem er diese wahrheit herausgefunden hat, lässt er sich
durch kein ablenkungsmanöver mehr davon abhalten, buchstäblich
das ende seiner welt zu erreichen.
Das
wirklich erstaunliche an dem film ist Jim Carreys darstellung des
naiven Truman, eines Simplizissimus', der hier ganz aufs faxenmachen
verzichtet. Ansonsten bleibt der film leider in seiner ausgangsidee
stecken und ist somit kaum mehr als eine milde mediensatire in TWILIGHT
ZONE-manier mit einem durchaus denkwürdigen schluss.

WELT
AM DRAHT In
diesem zusammenhang beinahe den fernsehzweiteiler von Rainer Werner
Fassbinder aus dem jahr 1973 zu vergessen, wäre ein schweres
versäumnis. Wie auch der 1999 von Roland Emmerich produzierte
film THE 13th FLOOR basieren beide auf Daniel F. Galouyes
roman "Simulacron 3" von 1964, der auch als "Counterfeit
World " bekannt ist.
Für marktforschungszwecke hat man hier - lange bevor es den
begriff virtualisierung gab - mittels eines computers eine
simulierte welt geschaffen, die gesellschaftliche und ökonomische
prozesse nachbildet bzw. - ihre eigentliche aufgabe - sie vorwegnimmt,
und die der unseren notabene recht ähnlich ist, mit (in grenzen)
eigenständig handelnden individuen, ihren sorgen und nöten.
Kompliziert wird es, alldieweil die erschaffer der simulierten welt
sich in diese und in die bewusstseine ihrer protagonisten einklinken
können und es, natürlich, zu problemen kommt.
Dreh-
und angelpunkt sowohl der filme wie des romans ist die verschmelzung
verschiedener realitätsebenen sowie die frage nach der manipulation
(von anderen individuen) und den grenzen der freiheit des eigenen
willens - so es denn einen gibt. Wir bewegen uns also durchaus auf
vertrautem territorium, wenn auch die affinität zum universum
eines Philip K. Dick vielleicht doch größer ist als die
zum prisoneresken. Aber immerhin!
Es
wäre kein Fassbinder-film, wenn er nicht geschwätzig wäre
und die handlung mäandernd, mehr als dem ohnehin komplexen
plot gut tut. Michael Ballhaus' fluide kameraästhetik, die
später zu seinem markenartikel wurde, zeichnet den visuellen
stil aus. Keine leichte (fernseh-) kost, aber für die frühen
70er jahre fast schon normal, wenn man sich bewusst macht, was in
dieser zeit im fernsehen alles "normal" war. NUMMER 6
lässt grüßen. TV-wiederholungen lassen sich an den
fingern einer hand zählen. Eine kauf-DVD bzw. evtl. sogar eine
BD soll im Februar 2010 erscheinen. Ganz im gegensatz zu der etwa
gleichzeitig wie THE MATRIX entstandenen neukreation von 1999, die
im noir-stil und genremäßiger, amerikanischer
daherkommt, aber auch mit Armin Müller-Stahl, ehemaliger Fassbinder-akteur,
in einer hauptrolle.

THE
PRISONER Spoiler!
Seit jahren im gespräch, lang erwartet; nach dem ausstieg des
britischen senders Sky-One aus dem projekt im jahr 2007 erblickte
das fernseh-remake von Patrick McGoohans kultklassiker THE PRISONER
(1967) das licht der fernsehschirme zuerst am 15.11.2009 in
den USA beim produzierenden sender AMC.
Die vorabpresse während der San Diego ComicCon war gut
geölt, und ein neunminütiger trailer hatte zudem die erwartungen
hochgeschraubt und lust auf mehr gemacht. Was das gespannte publikum
dann an drei aufeinanderfolgenden abenden zu je zwei stunden sah,
schlug sich in zeitungen und magazinen sowie internetforen in überwiegend
extrem verhaltenen bis hin zu ätzenden und vernichtenden kommentaren
nieder. Das hatte nun wirklich nichts mit dem surrealistisch-allegorischen
wegbereiter des mystery-genres zu tun.
Und
in der tat, auch die starbesetzung mit, allen voran, Ian "Lord
of the Rings" McKellen als Nummer 2 und Jim "The
Passion of Christ" Caviezel als neue Nummer 6 reißt
letzten endes nicht aus dem feuer, was Bill Gallaghers drehbuchversion
"verbrochen", sprich versäumt hat: eine konsistente
erzählung abzugeben. Trotz aller vordergründigen handlungselemente
samt verbeugung vor dem vorbild ist THE PRISONER (2009) weder
ein sequel, gar ein prequel, noch ein spin-off des originals.
AUSFÜHRLICHE BESPRECHUNG...
(2009): EPISODEN
& SPOILER
Obendrein
hat nach meinungen von internetforen- und blogbenutzern der vorliegende
stoff zu viel bei der mittlerweile in sechster staffel laufenden
serie LOST abgekupfert. Persönlich kann ich dazu nichts sagen,
ich kenne LOST nur von staffel 1 (mehr...).
Das offensichtlichste prisonereske element bleibt der grobe
handlungsfaden: Ein mann wird seiner identität beraubt, indem
er an einen unbekannten, auf den ersten blick anheimelnden ort geschafft
wird, aus dem heraus es aber keinen weg gibt, und mit einer nummer
versehen. Die welt um ihn herum - in diesem fall das im namibischen
Swakopmund teilweise real existierende Village - ist offenkundig
nicht, was sie zu sein scheint. Und gewisse mächte wollen etwas
wichtiges von ihm. Die sechs episodentitel sind ans 1967er original
angelehnt.
An
dieser stelle enden eigentlich die parallelen zwischen McGoohans
und Gallaghers PRISONER. Diese neuschöpfung ist ein
stylisches, ein marketingprodukt, dessen qualitäten zum teil
im setting und produktionsdesign liegen, in den (realen) bauten
des Villages samt seiner wüstenumgebung und im visuellen
retrostil. Die dramatisierung, die auflösung von handlungsbestandteilen
ist gewöhnungsbedürftig, milde gesprochen. Die figuren,
weder 6 noch 2 und kaum eine der übrigen, wecken
kein sonderliches interesse. Und mit einigem recht lässt sich
sagen, ist auch nicht 6, sondern 2 hier die hauptperson.
Wer
inhaltliche bezüge sucht, dürfte am ehesten außer
bei LOST oder THE TRUMAN SHOW (wieder einmal) bei
Philip K. Dick (+ 1982) und seinem roman "Ubik" fündig
werden. Allerdings ist Dick mit seiner virtuellen realität
diesem werk hier um lichtjahre voraus. Die sich im neuen Village
auftuenden löcher sind in wirklichkeit die in Bill Gallaghers
skript.

DER PROZESS "Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet."
Ehre, wem ehre gebührt. Das prisonereske steht in direkter verlängerung des kafkaesken. Anthony Perkins war mit Alfred Hitchcocks PSYCHO (1960) als nervöser leicht verschobener charakter berühmt geworden. In DER PROZESS spielt er den ähnlich angelegten typ Josef K. - ein moderner, urbaner mensch, dessen identität bereits im unvollständigen oder gar abwesenden namen als beschädigt signalisiert wird und die durch nahezu undurchschaubare machenschaften letztlich ganz dahinschwindet.
Mehr als Kafkas roman ist NUMMER 6, oder eher: sind teilaspekte daraus der filmischen adaption durch Orson Welles (1962) verpflichtet. Anders als bei Kafka, dessen romanbeginn so etwas wie die vorspannsequenz von NUMMER 6 ist, beginnt Orson Welles mit einem wirklichen, aber eher unfilmischen prolog, nämlich Kafkas kurztext "Vor dem Gesetz", um daraufhin K.s aus den fugen geratene normalität mit fast ausschließlich an originalschauplätzen entstandenen expressionistischen und alptraumhaften bildern zu erzählen. Dabei spielt es keine rolle, dass roman- und filmende verschieden sind und auch Welles' meinung von Kafka nicht allzu hoch war.
Neben Perkins spielen Jeanne Moreau, Elsa Martinelli, Romy Schneider sowie Orson Welles persönlich mit.
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LARRY HALL: DER PROZESS
FILM DARK CITY
UND FRANZ KAFKA

PRISONERESQUE
The
following texts are abridged versions of the above German articles.
What's
specific and distinctive about THE PRISONER series has been
described over the years by this term following the expression used
by the Kafka research. This isn't the right place for going into
an in-depth analysis. But basically, it's the dialogues, the images,
the montage of associations and connotations that end up
to be more than just the sum of its story plots all of them conveying the notion of uneasiness and dissonance.
Thus,
"Dance Of The Dead"
can be considered the protoype of episode that encompasses the overall
prisoneresque feeling. Little wonder, then, that
in the wake of the PRISONER's premiere in 1967 television series,
from time to time, showed up displaying at the least PRISONER motives
and themes.

TWIN
PEAKS
The
TWIN PEAKS series was surrealistically and twisted laid out
by movie director David Lynch who went into exploring the mental
disposition of remote provincial (media) US rather than solving
the murder of victim Laura Palmer. A cornerstone in TV series business
but not too easily to grasp.

NOWHERE
MAN This
US-production about a professional photo journalist suddenly losing
his identity because of becoming involved in an obscure scheme,
sadly rather sooner than later found itself hot on THE FUGITIVE
trail without being capable of creating a genuine PRISONER touch.

LOST
Most
recently the series LOST was hailed for being closest to
the PRISONER touch. At its centre of the action a group of survivors
of an airplane crash on a presumably uninhabited tropical island
must deal with apparently both, real and supernatural adversaries.
Thus, and with no surprise, there are "others"
on the island, too. Its creator was cited to have been heavily influenced
by THE PRISONER. This sounds a bit strange, though, regarding the
final product. But if we're supposed to take it for face value then
Roger Thornhill, Hitchcock's inadvertent hero from NORTH BY NORTHWEST,
surely is Number Six' father, Patrick McGoohan's character. Hard
to detect any genuine PRISONER undercurrents.
The concept of LOST quickly wears thin. One reason for this is the
much-too-frequent use of dramatically and otherwise useless flashbacks
with the obvious purpose of stretching screen time and with no viable
solution for piled-up suggestions and indications of the many laid
out red herrings.
MAN
IN A SUITCASE
Like
THE PRISONER, MAN IN A SUITCASE was an ITC production of
1968. Although being a more straightforward action-adventure show
both series have some things in common, even ex negativo.
So, composer Ron Grainer
created both their title themes. The two principal characters were
loners. Almost like THE PRISONER's enciphering of its people by
assigning numbers the central character was known only abstractly
by his family name, if it was one. The estranged McGill had been
an intelligence man, too (of the US). In the effort to prove his
innocence from high treason that he had been charged with when actually
he had been framed by some of his former colleagues he traveled
through Europe, but his world was almost as narrow and constricted
as was the one of Number Six. His life, his identity fitted into
the suitcase mentioned.
For sure, with hardly any of THE PRISONER's symbolism MAN IN A SUITCASE
did have nothing of the McGoohan clear-cut TV entertainment. But
it managed to survive and pave the way for a more "realistic"
albeit cynical, pessimistic and almost nihilistic view of politics
as a nasty business which has become a commonplace in modern TV
crime series. This influence ultimately led to becoming subject
of an in-joke in Kiefer Sutherland's series 24 (more...).
One of the CTU agents is called "McGill" and it is him
who sacrifices himself to save the life of Sutherland's Jack Bauer
character. Ha, ha.

36
HOURS
On
the feature film side 36 HOURS, directed by George Seaton
in 1964, deserves the the most prisoneresque attribute until
now. James Garner is Major Pike, an intelligence man of the Western
allies during WW II falls unconscious and awakes in a quiet rehabilitation
camp apparently run by the US Army. He is told he had been in a
coma for a considerable period of time and now the war is over!
Of course, it turns out it's a meticulous Nazi scheme to extract
valuable information from him on the imminent allied Normandie invasion
in 1944.
No George "PRISONER" Markstein references here, it seems.
But the outset of this movie - after a story by writer Roald Dahl
- is great. Also, there's some twist in our feelings as to the Nazi
plot - we do care a little it might be working...

CUBE Is
it possible that 36 HOURS and the film CUBE made by Canadian
director Vincenzo Natali (1997), unlikely as it seems, could be
aligned? It is indeed, but in the case of CUBE - and with regard to
THE PRISONER - it's the metaphysical dimension that reverses any
action or plot similarities to the former. Six humans find themselves
trapped in a cubic room of shimmering walls with hatchdoors on every
wall, the floor and ceiling, leading into further cubic rooms, some
of them fitted with lethal devices (the seventh person already got
killed before the credit sequence), but which is wich? The six struggle
and even fight each other to resolve their situation, who brought
them here and why, and try to reach the outside wall. It
is thought that there must be 26x26x26 cubes inside of a gigantic
outer cube with all of them constantly moving according to some
mysterious schedule.
The
metaphoric image is obvious, also is the labyrinthine large cube
with its small inner cubes corresponding to the game of chess in
THE PRSIONER, the action constricted to a "real" prison,
the test tube-like array of the whole set.
But until the end no real clues are given. It's an autist who eventually
steps through the outer wall door (?) into a glittering flood
of white light. Thus a satisfactory conclusion? It is.

THE
TRUMAN SHOW Made
in 1998 by Peter Weir, the film plays with set pieces and images
well known from THE PRISONER. Such as the ever-present camera surveillance
and the lovingly but pampered everyday life of some white american
middle-class picture postcard suburbia. There protagonist Truman
Burbank all of a sudden is almost slain by a studio spotlight falling
out of the sky. That's when doubt about the real nature of his life
and his environment arises. And he is damn right. Because everthing
around him is virtually a set with real-life props, actors playing
only because of him, artificial weather and big-brother cameras
all about the place, broadcasting nationwide 24-hours-on-air. Since
he was born he's been living in this virtual world. And after he
finds out what's really going on there's no holding back for him.
He sets out to reach the boundaries of his world.
What's
amazing about the movie is the character Jim Carrey plays without
any fooling around. Sadly, the rest of the movie remains a mild
satire of the mass media worth a TWILIGHT ZONE episode, but with
a remarkable conclusion.

WELT
AM DRAHT ("World
by Wire") A
German made-for-TV movie from 1973 directed by the famous late Rainer
Werner Fassbinder and created from the novel "Simulacron 3"
(or else "Counterfeit World") by Daniel F. Galouye from
1964. The novel was remade into a theatrical movie in 1999 as THE
13th FLOOR and produced by also German Hollywood director Roland
Emmerich. Former Fassbinder actor Armin Müller-Stahl is one
of the lead characters.
At the centre of the novel scientists have created a parallel world
within a computer to do market analyses. The project then encounters
problems as soon as some of those responsible mingle into the virtual
world they created and the individual minds of its inhabitants.
Whereas
the Fassbinder film is a rather wordy and meanderdering treatment,
enhanced by Michael Ballhaus' fluid visual style, THE 13th FLOOR
is more straightforward action.
Both
movies and the novel question the validity of our perception of
reality, individuality and - if indeed there is one - free will
and, in turn, the manipulation of both.

THE
PRISONER A
reworking of Patrick McGoohan's 1967 landmark television masterpiece
THE PRISONER had been on the agenda for a long time. It was
finally made by the collaborating TV companies AMC and ITV after
the other British Sky-One had stepped down from the project in 2007.
On Nov. 15., 2009 THE PRISONER - well, sort of - remake premiered
in the USA on AMC TV.
But
preview comments, newspaper and internet user opinions shortly after
the first run turned out to be everything but in favour of the show.
They criticized, loathed and dismissed it, many were sarcastic about
the script by Bill Gallagher and only few found the new approach
successful. This thing, as it goes, did not retain the spirit
of McGoohan's surrealistic and allegorical original.
And it is true, the whole dramatization is inconsistent and erratic
to the point of being incomprehensible. Also, the characters are
nearly unimpressive throughout.
THE
PRISONER (2009) is a major disappointment. Its qualities being
mainly the retro style production and the setting of the (partly
real) Village in the Namibian desert. For all the narrative
parallels and due nods to the famous precursor - a man being stripped
of his identity, abducted to a seemingly pleasant place lead by
a mysterious Number 2 where he is known as Number 6 and
where there is no way of leaving, a big white bubble foiling any
escape attempt etc. - it is neither a sequel nor a prequel or else
a spin-off of the 1967 version. Those searching for references will
find overt elements in past productions like THE TRUMAN SHOW, current
installations like LOST and literary ideas as created (once again)
by American novelist Philip K. Dick (+ 1982), especially in his
1969 novel "Ubik".

THE TRIAL Last but not least. The Prisoneresque in some respect is the extension of the Kafkaesque. Rather than being based on Franz Kafkas novel (originating in 1914) THE PRISONER is rooted in the theatrical movie by Orson Welles made in 1962, its eerie images shot mostly on various European locations.
Josef K. one morning finds himself stripped of his identity as he is arrested by mysterious men. He is accused for unknown reasons and then is allowed to go but finds that by now his life has completely changed.
Orson Welles creates expressionistic nightmarish images, some of them were recreated for THE PRISONER series, e.g. the black corridor szene or various other scenes from the "Dance Of The Dead" episode.
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