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THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE part II
regie: Tobe Hooper
USA 1986

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Regie: Tobe Hooper; Buch: L.M. Kit Carson; Kamera: Richard Kooris; Masken: Tom Savini; Darsteller: Dennis Hopper, Caroline Williams, Bill Johnson, Jim Siedow, Bill Moseley, Lou Perry u.a. ; Farbe, 95 Min., amerik. Originalfassung

Extreme Brutalität der Details (etwa das Mädchen am Fleischerhaken) und die atmosphärische Dichte lösen das Entsetzen aus, das keine kathartische Funktion mehr hat. No Way out. Wenn der Motor der Säge angeworfen wird, beginnt eine Serie nie dagewesener Filmschocks. Nichts ist mehr wie vorher. Nur Sally überlebt, aber für sie bleibt nur der Wahnsinn. No Way out. Das absolut Böse, Pervertierte in Gestalt des Irren, der die Säge schwingt (ihn zeigt die Schlußeinstellung), bleibt unbeschadet, die Wiederherstellung der Ordnung, wie sie weitgehend genre-typisch ist, erscheint unmöglich. War früher die mögliche Rückkehr der Bedrohung höchstens angedeutet, so werden hier die Überlegenheit der Kräfte des Bösen und die Dominanz von Terror und Gewalt so unkaschiert vorgeführt, daß sie endgültig erscheinen. Die Unausrottbarkeit dieses Bösen, wie sie etwa in John Carpenters "Halloween" nur die Funktion hatte, einen Fortsetzungsfilm logisch erscheinen zu lassen, demonstrierte Hooper früher und konsequenter. THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE - Part 2 wird es wohl kaum geben. (Ulrich von Berg in "Filme", Nr.12)

Ulrich von Berg hat sich getäuscht. Es gibt einen zweiten Teil "des Kultfilms schlechthin". Zwölf Jahre hat es gedauert, bis die Fortsetzungswelle auch Tobe Hooper erreichte. Gegen sie scheint kein Kraut gewachsen: David Cronenberg, der letzte der großen Regisseure, der noch keine Fortsetzung gemacht hat, hat bereits das Dreh buch für DIE FLIEGE II" in Auftrag gegeben.

THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE aus dem Jahre 1974 war Tobe Hoopers Erstlingswerk. Die Geschichte von einer durchgedrehten Fleischerfamilie, die Menschen mit Schlachtermesser und Motorsäge tötete und sie zu Wurst und Fleisch verarbeitete, basierte auf einer wahren Begebenheit. Hoopers Film unterscheidet sich aber in entscheidenden Punkten von Filmen, die auch auf "wahre Begebenheiten" rekurrieren, wie z.B. IN COLD BLOOD (dt.: "Kaltblütig") von Truman Capote und TARGETS (dt.: "Bewegliche Ziele") von Peter Bogdanovich. Hooper zeigt null Interesse an kriminalgeschichtlicher Authentizität, ihn interessiert allein "die Verlockung, die Grenzen des Darstellbaren an Gewalt- und Schockeffekten in Dimensionen zu verschieben, die dem Comic Strip vorbehalten zu sein schienen. (U.v.Berg)

The Texas Chainsaw Massacre bricht so radikal mit ästhetischen Normen und Geschmackskonventionen des traditionellen Horrorfilms, und seine Reputation in den USA ist so sehr Bestandteil, wenn nicht sogar Mitauslöser der Trash-Ästhetik des Punk gewesen, daß seine Bedeutung aus einer allein filmgenrespezifischen Perspektive gar nicht zu verstehen ist. THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE ist auch ein hemmungsloses Bekenntnis zu den trivialsten Unterhaltungsformen der Popkultur. Eine Definition des "Teenage Wasteland" von 1974 in Reinkultur. Überhaupt ist die Flut der neuen Horrorfilme eng mit den Umbrüchen in der Popmusik verknüpft.

Ein letztes Zitat (der Artikel von von Berg ist gar zu schön):

Nie wieder wird Tobe Hooper einen Film drehen, der auch nur annähernd so direkt, roh und atmosphärisch kompakt ist wie THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE. DEATH TRAP war ein amüsantes Zwischenspiel, eine Fingerübung, schon voller Kompromisse und Zugeständnisse an standardisierte Normen der Unterhaltung. Und mit FUNHOUSE wird die Integration ins alles nivellierende Hollywood der achtziger Jahre, ins Megabuck-Kino mit seiner lauwarmen Middle-Class-Ästhetik vollzogen und dürfte kaum wieder rückgängig zu machen sein.

Nun, wir werden sehen, wie es sich mit dieser Prognose Ulrich von Bergs verhält. Mit der ersten lag er ja schon daneben.


Barmin Trost, Filmankündigung 1988

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