![]() |
Inhaltliche Würdigung
|
Eine bestechende idee und eine grandiose paraphrase sowohl auf zahllose western wie auf NUMMER 6 selbst: Die eröffnungssequenz zeigt einen mann auf einem pferd im galopp durch die landschaft reiten. Als nächstes sehen wir ihn vor einem Marshall seinen sheriffstern und das holster mit revolver ablegen. Mit dem sattel auf dem rücken zieht er davon. Einige hügel weiter wird er von bewaffneten gestalten mit durchaus finsteren absichten erwartet. Der mann wird gekidnappt und an einen ihm unbekannten ort geschafft, welcome to Harmony.
RAUCHENDE
COLTS, JA UND NEIN, ABER NICHT CLINT EASTWOOD IN RAWHIDE, Der Richter nimmt ihn vorerst in "schutzhaft" und verlangt von ihm, dass er den sheriffsjob wieder aufnimmt. Der mann weigert sich. Ein saloongirl scheint seine einzige verbündete zu sein. Aber da ist noch ein heißblütiger verehrer mit einer schnellen schusshand. Die lage für den sheriff wider willen und ohne waffe spitzt sich zu. Am ende kommt es zu einem shoot-out, in dessen folge der mann erschossen wird. Und wir sind wieder zurück aus der westernwelt an einem wohlbekannten Ort... "Why don't we do a western?" soll die reaktion David Tomblins gewesen sein, co-produzent McGoohans bei Everyman Films, auf den entschlusses, nur 17 episoden NUMMER 6 zu produzieren, und da kaum noch zeit blieb, drehbuchautoren zu beauftragen. Eine Story von Ian L. Rakoff bildet die basis der episode. Keine
eröffnungssequenz, nur McGoohan als darsteller und einige eher neutrale
titel, am schluss des films erst erfährt man, dass man soeben eine
NUMMER 6-folge gesehen hat. Kommt hinzu eine exzellente stilisierende fotografie und ein damals junger akteur, Alexis Kanner, von dem McGoohan begeistert war, der als "the Kid" ein expressives spiel zeigt, voll unterdrücktem begehren, eine physische präsenz, wie es in keiner anderen NUMMER 6-episode auch nur annähernd vorkommt. Kanner trat schon kurz und ohne namentliche erwähnung in der folge "-3-2-1-0" auf sowie in "Demaskierung", wo er den hippie Nummer 48 spielte.
ALEXIS
KANNER: DAS LETZTE WORT ZWISCHEN THE KID UND Jedoch, was Kanner erlaubt war, wurde Valerie French, der Kathy-darstellerin, verwehrt: Die ahnung einer brustwarze unter ihrem fummel, als sie auf dem boden liegt, musste auf McGoohans anweisung unter einer absichtlich platzierten verschattung versteckt werden. Es rächte sich gleichwohl bildersprachlich. Hätte Tomblin mehr skripte beigesteuert und regie geführt, wer weiß, was in dieser serie noch möglich gewesen wäre. Die episode wurde in den USA vom sender anfangs nicht gezeigt. Über das warum gibt es unterschiedliche auslegungen, die von zensur vor dem hintergrund des Vietnam-krieges bis zur unerwünschten darstellung von drogen reichen. Die deutsche synchronfassung 2010 durch Arte bereitete kaum sprachliche probleme. Dagegen erwies sich die titelfindung als durchaus nicht trivial. Als ergebnis blieb es bei der kurzversion des originaltitels.
|